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Theater Heidelberg: "Der Hessische Landbote" von Georg Büchner Theater Heidelberg: "Der Hessische Landbote" von Georg Büchner Theater Heidelberg: "Der...

Theater Heidelberg: "Der Hessische Landbote" von Georg Büchner

Premiere 5.01.2013, 20.00 Uhr, Friedrich5 (Probe- und Experimentierbühne im Theaterneubau). -----

Erste Botschaft, Darmstadt, im Juli 1834: »Das Leben der Vornehmen ist ein langer Sonntag, sie wohnen in schönen Häusern, sie tragen zierliche Kleider, sie haben feiste Gesichter und reden eine eigne Sprache; das Leben des Bauern ist ein langer Werktag, Fremde verzehren seine Äcker vor seinen Augen, sein Leib ist eine Schwiele, sein Schweiß ist das Salz auf dem Tische des Vornehmen.«

Georg Büchner hat in seinem kurzen Leben (1813-1837) viel versucht und viel gewagt. Gemeinsam mit dem Theologen Friedrich Ludwig Weidig verfasste er die sozialrevolutionäre Flugschrift Der Hessische Landbote und verbreitete sie in etwa 1.000 Exemplaren, von denen 200 beschlagnahmt wurden, in den ländlichen Gegenden Oberhessens. Es handelt sich vermutlich um den Höhepunkt der revolutionären Publizistik im deutschen Vormärz, »die einzige deutsche politische Flugschrift, die zum Verständnis und Herz des Volkes gelangt ist« (August Becker 1837).

 

Büchner: »Der materielle Druck, unter welchem ein großer Teil Deutschlands liegt, ist ebenso traurig und schimpflich als der geistige; und es ist in meinen Augen bei Weitem nicht so betrübend, dass dieser oder jener Liberale seine Gedanken nicht drucken lassen darf, als dass viele Familien nicht imstande sind, ihre Kartoffel zu schmälzen.«

 

»Friede den Hütten! Krieg den Palästen!«

 

Der Hessische Landbote gilt als eines der wichtigsten Werke des Vormärz. Und heute? Anlässlich des 200. Geburtstages Georg Büchners startet das Schauspielensemble mit dem Hessischen Landboten in das neue Kalenderjahr. Die Flugschrift soll auf ihre Aktualität überprüft und als Theaterprojekt zur Diskussion gestellt werden.

 

Regie bei der Heidelberger Inszenierung führt Nina Mattenklotz, die auch bereits zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen war. Nina Mattenklotz studierte von 2000 bis 2004 Medienkultur, Neuere Deutsche Literatur und Psychologie an der Universität Hamburg. Während des Studiums absolvierte sie diverse Hospitanzen und Assistenzen u. a. am Ernst Deutsch Theater Hamburg, beim Festival »AußerAtem« bei Friederike Heller am Burgtheater Wien und bei Andreas Kriegenburg am Thalia Theater Hamburg. Ab 2004 folgte ein Regiestudium an der Theaterakademie Hamburg, das sie 2008 mit der Inszenierung WOYZECK auf Kampnagel Hamburg abschloss. Anschließend inszenierte sie Anja Hillings Stück NASE am Thalia Theater Hamburg, das beim Festival »Premières – Junge Regisseure aus Europa« in Straßburg gezeigt wurde. Mit NASE und mit THIRD LIFE vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg war sie zum Heidelberger Stückmarkt 2008 eingeladen. Sie führte u. a. auch mehrfach Regie am Schauspielhaus Wien, am Theater Osnabrück, am Schauspiel Stuttgart und am Schauspielhaus Zürich. Außerdem ist sie Mitglied der freien Theatergruppe »Schiffbau« und Preisträgerin des Doctores-Völschau-Preises für Nachwuchsregie 2008. Ihre letzten Arbeiten waren Ödon von Horvaths KASIMIR UND KAROLINE in Stuttgart sowie Dea Lohers MAGAZIN DES GLÜCKS in Zürich.

 

Es spielen Karen Dahmen, Benedikt Crisand, Dominik Lindhorst.

 

Nächste Termine: Mo 7.01.2013, Mo 14.01.2013, Di 15.01.2013, So 20.01.2013, Mo 21.01.2013, Mi 23.01.2013 jeweils um 20.00 Uhr

 

Tickets und weitere Informationen: www.theaterheidelberg.de; 06221/5820.000

 

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