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Uraufführung: "Brief an die Schauspieler" im Düsseldorfer Schauspielhaus

Eine Überforderung von Valère Novarina

Uraufführung am 4. März 2006 um 19.30 Uhr im Kleinen Haus.

„Friss, schlürf, kau, lung dich auf … den Text zerkauen und essen!“ fordert Valère Novarina in seinem „Brief an die Schauspieler“.

Er erteilt Bühnenrealismus und Psychologie eine deutliche Absage. Stattdessen soll die Sprache Räume füllen, Worte Musik schreiben und der Schauspieler Schöpfer sein. Das Wort ist das Fleisch des Theaters, das gesprochene Wort.

 

Der „Brief an die Schauspieler“ ist Forderung an das Theater und Gegenstand des Theaters zugleich, die Form ist der Inhalt – also Musik. Sein Postulat ist ebenso exakt wie mythisch: Ein dunkles Loch, erfüllt von Tönen, Lauten, Worten. „Wir schaffen die Welt, indem wir sie mit der Sprache herbeirufen.“

Philip Tiedemann will diesem Text folgen und ein Theatermanifest inszenieren, das lautfreudig für ein Theater der Sprache, der Münder und Ohren plädiert und lustvoll gegen die öffentlichen Debatten polemisiert. Novarina: „Das Theater ist ein reicher Misthaufen.“

Valère Novarina, geboren 1947 bei Genf, wuchs in Frankreich auf, studierte an der Sorbonne Philosophie und Philologie. Er lebt als Schriftsteller, Regisseur und Maler in Paris. Patrice Chéreau nannte ihn den interessantesten Gegenwartsdramatiker Frankreichs nach Koltès Tod. Seine Texte inszeniert Novarina seit 1986 im Rahmen des Festival d’Avignon und des Pariser Festival d’Automne selbst, zuletzt „Die eingebildete Operette (1998), „Der rote Ursprung“ (2000) und „La Scène“ (2003).

Philip Tiedemann, geboren 1969, erste Inszenierungen am Burgtheater Wien. Drei Jahre war er Oberspielleiter am Berliner Ensemble unter der Intendanz von Claus Peymann. Dort inszenierte er Stücke von Bertolt Brecht, Thomas Bernhard, Heiner Müller, Peter Weiss, Peter Turrini, Ernst Jandl, Kurt Schwitters und anderen. Es folgten Inszenierungen am Staatstheater Stuttgart, am Schauspielhaus Leipzig und wieder am Burgtheater Wien. Am Düsseldorfer Schauspielhaus inszenierte er in der Spielzeit 2002/03 „Die Bergbahn“ von Ödön von Horváth und die gefeierte Uraufführung „innerhalb des gefrierpunktes“ von Anselm Glück als Koproduktion mit Graz 2003 – Kulturhauptstadt Europas, 2003/04 „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist und zuletzt zur Spielzeiteröffnung 2005/06 im Großen Haus Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise".

 

E Steffi Krautz

I Silja von Kriegstein

S Farida Shehada

E Michael Fuchs

L Thomas Wittmann

P Marco Matthes

 

Regie Philip Tiedemann

Bühne und Kostüme Franz Lehr

Musik Ole Schmidt

Video Oliver Iserloh

Dramaturgie Stephanie Winter

 

Voraufführung am 3. März, weitere Vorstellungen am 15., 23., 24. und 26

 

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