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Uraufführung: "Die Frauen von Troja", Tragödie nach den Troerinnen des Euripides, Theater&Philharmonie Thüringen

Premiere Sa, 03.05.2014 | 19.30 Uhr, Landestheater Altenburg - Großes Haus. -----

In den „Troerinnen“ thematisiert Euripides das Schicksal der trojanischen Frauen nach dem verlorenen Krieg. Die Stadt liegt in Schutt und Asche. Die Bewohner fielen im Kampf oder wurden Opfer der marodierenden Soldateska.

Den Frauen steht die Versklavung und Verschleppung aus der Heimat bevor. Als Warnung vor gewaltsamen Konflikten und deren Folgen ist das Werk grundsätzlich ort- und zeitlos. Die internationale Besetzung im Projekt „Die Frauen von Troja“ stellt den Bezug zu heutigen Konflikten her. Die gemeinsame Arbeit von Schauspielerinnen und Schauspielern aus unterschiedlichen Kulturen und Nationen setzt dagegen ein Zeichen für Völkerverständigung.

 

Für das mit Schauspielerinnen und Schauspielern aus der Türkei, Griechenland, Deutschland, Bulgarien und Burkina Faso besetzte Ensemble begann die Probenzeit im September 2013 mit einem Workshop im Theater-Zentrum ›Tiyatro Medresesi‹ in Şirince, verbunden mit einer Recherchereise nach Troja. Während des Workshops setzte sich das Ensemble mit den Themen Fremdsein, Vorurteile, Kriegsgründe und Kriegsfolgen auseinander, die Euripides vor allem aus Frauensicht beleuchtet. Ziel war es, auf dieser Grundlage die gemeinsamen Wurzeln freizulegen und aus ihnen im kreativen Prozess und in der Auseinandersetzung mit einem der großen antiken Dramatiker ein heutiges Theatererlebnis zu schaffen.

 

Großen Einfluss auf das Zusammenwachsen hatte das tägliche Körper-, Bewegungs- und Rhythmustraining. Ein intensiver Impuls für die künstlerische Verschmelzung des Ensembles ging auch von dem gemeinsamen Musizieren und dem von dieser Musik getragenen Tanz aus. Mit dem von allen Beteiligten gelebten von wechselseitiger Sympathie getragenen Geist der Unvoreingenommenheit wurde die denkbar beste Voraussetzung für die anstehende gemeinsame künstlerische Arbeit geschaffen, deren Ziel es ist, die philosophische Resignation des Euripides in eine bejahende Perspektive zu verwandeln.

 

Für das Projekt erstellte Prof. Ulrich Sinn eine Neuübertragung des antiken Textes ins Deutsche. Sie liegt auch in einer neugriechischen und in einer türkischen Übersetzung vor. In seiner Inszenierung erarbeitet Bernhard Stengele auf dieser Grundlage während der Proben gemeinsam mit dem gesamten Ensemble eine Fassung, die den deutschsprachigen Text mit griechisch und türkisch gesprochenen Passagen verbindet. Ein tragendes Element des antiken Theaters war die melodiöse Sprechweise mit instrumentaler Untermalung. In diese Tradition stellt sich die Inszenierung der „Frauen von Troja“: In der türkischen und griechischen Musik hat sich über Jahrhunderte hinweg der Kontakt zwischen den anatolischen und mediterranen Völkern bewahrt. Dieses Grenzen übergreifende Liedgut mit seinen Klagen, Mahnungen und Ermunterungen findet unter Federführung des kurdischen Komponisten und Perkussionisten Ömer Avci in Zusammenarbeit mit der bulgarischen Cellistin Milena Ivanova in die Inszenierung Eingang. Für das Projekt vertonte der amerikanische Pianist und Komponist Paul Amrod drei Texte aus dem Requiem für einen vierstimmigen Frauenchor, Cello und Percussion. Die türkische Sängerin Ilke Yigit vertonte einige Passagen der Textfassung von Ulrich Sinn.

 

Künstlerische Leitung und Regie: Bernhard Stengele

Textübertragung und wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Ulrich Sinn

Projektassistenz: Çelal Mordeniz

Bühne und Kostüme: Marianne Hollenstein

Musikalische Leitung: Ömer Avci

Dramaturgie: Felix Eckerle

 

Mitwirkende:

Çiğdem Aksüt, Ece Çelikçapa, Anne Diemer, Chara-Mata Giannatou, Milena Ivanova, Manuel Kressin, Öykü Oktay, Rachelle Oudraogo, Katerina Papandreou, Johanna Paliege, Mechthild Scobanita, Erdem Senocak, Ouelgo Tené, Ilgaz Ulusoy, Katharina Weithaler, Esra Yaşar, Burcu Yilmaz

 

Vorstellungen in Altenburg und Gera

Die Premiere in Altenburg ist am 3. Mai 19.30 Uhr im Großen Haus des Landestheaters, weitere Vorstellungen in Altenburg: 4.5., 18.00 Uhr; 5.5., 10.00 Uhr; 10.5. 19.30 Uhr; 11.5. 14.30 Uhr.

 

In Gera ist Premiere am 16. Mai 19.30 Uhr im Großen Haus der Bühnen der Stadt, weitere Vorstellungen in Gera: 18.5. 14.30 Uhr; 19.5. 10.00 Uhr; 24.5. 19.30 Uhr; 25.5. 18.00 Uhr; 31.5. 19.30 Uhr

 

Vor jeder Vorstellung gibt der Archäologe Prof. Dr. Ulrich Sinn, der als wissenschaftlicher Berater fungiert, eine Einführung.

 

Die internationalen Gastspiele

11. August 2014, 21.00 Uhr: Tiyatro ENKA Istanbul, Türkei

13. August 2014, 21.00 Uhr: Tiyatro Medresesi Şirince, Türkei

16., 17. und 18. August 2014, 21.00 Uhr: Antikes Theater von Pythagorion auf Samos, Griechenland – Im Rahmen des Samos Young Artists Festivals 2014

 

 

 

 

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