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Vier Premieren in zehn Tagen im Bautzener Theater

30. September bis 9. Oktober 2022

1. Premiere: Judas – ein Name, der zum Inbegriff des ultimativen Verrats wurde. Die niederländische Autorin Lot Vekemans lässt ihn in ihrem Monolog zum ersten Mal selbst sprechen. Judas tritt aus dem Schatten der jahrhundertelangen Verachtung ins Rampenlicht und lässt uns teilhaben an seiner Geschichte, die wir alle zu kennen glauben und die vor mehr als 2000 Jahren begann. Er liefert uns keine Rechtfertigung, keine Entschuldigung, sondern nimmt uns mit auf seine Seite der Geschichte.

 

Copyright: Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen, 'Judas'

JUDAS
von Lot Vekemans
Premiere am 30. September, 19.30 Uhr im Burgtheater
Es gibt in jedem Zeitalter Spekulationen über Judas und seine Motive. Nach zweitausend Jahren ist es an der Zeit, dass Judas selber spricht: In einer selbst inszenierten Show begeht er einen letzten Versuch, seine Tat wieder auf ein menschliches Maß zurück zu bringen und sein Publikum dahin zu führen, wo es lieber nicht sein möchte: zu dem Judas in sich selbst.
Die niederländische Erfolgsautorin Lot Vekemans erschafft ein differenziertes Bild dieses geheimnisvollen Mannes. Sie gibt ihm eine eigene Stimme, um seine Tat auf „ein menschliches Maß“ zurückzubringen.
Die Autorin Lot Vekemans zu ihrem Text: „Ich denke, es gibt bei uns eine einseitige Richtung des Blicks auf die Helden, auf das, was wir als größer und höher und besser erachten, als wir es selbst sind. Wir lieben es, zu verehren, so wie wir es lieben, verehrt zu werden. Aber in beiden Fällen gibt man seine Macht an jemand anderen ab. Judas wird von Menschen verhöhnt, damit sie ihre eigenen Seelen rein waschen. Es ist auffällig, dass in Porträts, die über die Jahrhunderte entstanden sind, Judas immer hässlicher und böser dargestellt wurde.“
Mit Ralph Hensel als Judas
Regie und Bühne: Claus Tröger a.G.
Kostüm: Katharina Lorenz
Dramaturgie: Eveline Günther


Das Leben ist wie eine ewige Flucht. Wir laufen weg vor der Familie, vor der Verantwortung, vor der Liebe. Der Koffer ist dabei Symbol der Hoffnung und Verdammung zugleich. Flucht kann mit ihm zu einem einfachen Spiel werden, aber auch zu einem großen Schmerz.
Die Tanzcompagnie der Landesbühnen Sachsen feiert im großen Haus Premiere mit einer besonders berührenden Aufführung.
2.BACH BRASIL – DIE KUNST DER FLUCHT
Ein Tanztheater von Mario Nascimento (BRA)
Landesbühnen Sachsen, Radebeul
Premiere am 1. Oktober, 19.30 Uhr im großen Haus
Was macht die Kunst der Fuge von Johann Sebastian Bach so besonders? Es ist eine Kompositionstechnik, die nicht mathematisch ist, nein, sie vibriert. Bach beherrschte vollständig die komplexesten Formen des musikalischen Ausdrucks. Einzelne Stimmen bringen sich in Bewegung, weitere kommen hinzu, polyphon bleiben sie gleichberechtigt nebeneinander und dennoch entsteht eine übergeordnete Form: die Fuge.
„Arte da Fuga“ ist für den Choreografen Mario Nascimento nicht nur ein Spiel von einzelnen Stimmen, es ist zugleich auch eine Bewegung, die erzeugt wird. Aus der Fuge wird „fuga“, die Flucht. Einfache Bewegungen des Fortschreitens werden in einer raffinierten Kombination zu einer komplexen Choreografie.
Nascimento ist als Leiter der Tanzcompagnie des berühmten Theaters „Teatro Amazonas“ in Manaus (Amazonas) einer der einflussreichsten Choreographen Brasiliens. Seine Arbeit mit den Tänzer*innen der Tanzcompagnie der Landesbühnen Sachsen ist ein wertvoller künstlerischer Impuls der eine interkulturelle Begegnung schafft.
Mit Musik von J. S. Bach.
Choreografie & Konzept: Mario Marcio Nascimento da Silva a.G. Karolina Dieter
Kostüm & Licht: Marcelo Damian Zamora a.G
Tanzcompagnie der Landesbühnen Sachsen


Der Autor Franz Wittenbrink, der berühmt wurde durch seine szenischen Liederabende, ist kein Unbekannter in Bautzen. Die Inszenierungen „Sekretärinnen“, „Eltern“ und „Alle Lust will Ewigkeit“ sind heute noch legendär. Franz Wittenbrink  setzt ein Thema, dann findet er Figuren, die oft an der Grenze zum Klischee dieses Thema bedienen und er sucht für diese Figuren Songs, Schlager, Arien, Volks- und Kinderlieder aus, die viel über die Figur verraten, die sie singt. So wird in einem Wittenbrink Abend nur gesungen und gespielt, aber nicht gesprochen - und trotzdem hat man am Ende viel zum jeweiligen Thema erfahren und sich auf jeden Fall gut unterhalten.
3.MÄNNER
Ein szenischer Liederabend von Franz Wittenbrink
mit Live-Musik
Premiere am 7. Oktober, 19.30 Uhr im großen Haus
Wann ist ein Mann ein Mann? In der musikalischen Revue MÄNNER wird die Spezies "Mann" unter die Lupe genommen. Gastregisseur Jan Jochymski interessiert der Mann 2022: "Wie ist er - der Mann 2022? – Er ist still geworden, er wartet ab. Verunsichert, wie es nun weitergeht. Was darf er noch sagen? Was darf er noch machen? Vieles muss er noch lernen, der Mann 2022, aber wir müssen ihm Zeit geben.
Statt Fußballstadion – Selbsthilfegruppe. Männer in einer Therapiegruppe wissen zumindest schon mal, dass bei ihnen etwas schiefläuft. Von hart bis zart, vom Muttersöhnchen bis zum Macho. Auch musikalisch ist das Spektrum sehr breit gefächert und die ZuschauerInnen werden immer wieder überrascht sein, wie witzig es sein kann, wenn ein ganz bestimmter Typ Mann einen ganz bestimmten Hit bestimmt ganz anders interpretiert als erwartet. Angeleitet wird die Männergruppe von der strengen Psychotherapeutin Frau Dr. Dorn (Anna-Maria Brankatschk), die auch stimmgewaltig singend eingreift, und ihrem Helfer am Klavier, dem Musiktherapeuten Herrn Strahl (Tasso Schille). Von Oper bis Kinderlied ist alles dabei.
Regie: Jan Jochymski a.G.
Musikalische Leitung: Tasso Schille
Ausstattung: Katharina Lorenz
Dramaturgie: Eveline Günther
Die Männer: Mirko Brankatschk, Marian Bulang, István Kobjela, Janik Marder, Frank Schilcher, Jurij Schiemann, Thomas Ziesch


Krankheitsbedingt musste die Premiere verschoben werden. Jetzt kommt die Puppentheaterinszenierung für Erwachsene mit neuem Termin auf die Bühne.
4.SONNY 2032 – EINE KAMERA SIEHT SCHWARZ
von Nicola Bremer
Premiere am 9. Oktober, 19.30 Uhr im Burgtheater
Das Jahr: 2032. Der Ort: ein Schrottplatz. Hier lebt Sonny. Sonny sieht nichts mehr und wurde einfach weggeschmissen. Achso: Sonny ist eine Kamera – mit kaputtem Visier! Und wer braucht so etwas schon.
So wird Sonny auch von den anderen Kameras und elektrischen Geräten immer wieder belästigt und gemieden und verbringt die meiste Zeit allein, versucht vergebens den Verschluss vor ihrem Auge zu öffnen und gießt traurig ihre Blume. Mit deren Blüten bezahlt sie regelmäßig an der großen Steckdose dafür, ihre Batterien mit dem wertvollen Saft des Lebens aufzuladen.
In dieser Routine lebt Sonny bis plötzlich ein neuer Gegenstand auf dem Schrottplatz ankommt und alle Hierarchien auf den Kopf stellt. Es ist ein Kartenlesegerät, welches die SD-Karten seiner Mit-Maschinen will. Bezahlt wird nun mit Erinnerungen, welche unwiederbringlich an den neuen Mächtigen abgegeben werden müssen. Nur eine Kamera interessiert den Kartenleser nicht: Sonny, denn die sieht ja nichts. Wird Sonnys Fluch zum Segen? Wie wichtig sind Erinnerungen für unsere Persönlichkeit? Was bedeutet es, anders zu sein und zu fühlen?  
Nachdem Nicola Bremer pandemiebedingt zwei Jahre in Kameras starren musste, taucht er jetzt in das Gefühlsleben dieser Geräte ein und schafft eine berührende Allegorie auf die Menschheit. Cineastische Momente treffen auf Objekttheater.
Regie und Videos: Nicola Bremer a.G.
Ausstattung: Beatrice Baumann, Ensemble, Wiebke Heeren a.G.
Spiel: Paul Hentze a.G., Moritz Trauzettel, Eva Vinke

 

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