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Zürich, Bern, Berlin: "Sie fürchten weder Tod noch Teufel und manchmal schiessen sie ein Reh!"

Konsortium&Konsorten präsentiert:

Ein Kriegspropaganda-Musical

frei nach dem Hollywood-Klassiker „Top Gun“

 

Theaterhaus Gessnerallee, Zürich: 22.5.2007 (20.00)

Tojo Theater, Bern: 23.5., 24.5., 25.5., 26.5.2007 (jeweils 20.30)

Ballhaus Ost, Berlin: 8. bis 10. Juni 2007 (jeweils 20:00)

 

Top Gun ist ein „glänzend gemachter Kriegsporno“ (US-Filmkritiker Jim Hoberman) - zwischen Heldenepos und sportivem Highschool-Film, zwischen Kriegsmythen und lustvoller Rock´n´Roll-Soap.

Die Idee zum Kinofilm hatte das Erfolgsproduzenten-Team der 80er Jahre, Simpson und Bruckheimer. Das Militär zeigte sich begeistert über einen image-fördernden, action-geladenen Film und stellte bereitwillig Piloten, Techniker, Berater, Flugzeugträger und Fliegerstaffeln zur Verfügung. Das Resultat der Kooperation sah so aus „als habe Leni Riefenstahl bei Lucasfilm einen überdimensionierten Trailer für die US- Airforce gedreht.“ (Alfred Holighaus, TIP) Tatsächlich stiegen die Rekrutierungszahlen bei der Navy nach der Ausstrahlung des Films erheblich an.

 

Top Gun ist Vorbereiter einer Vorstellung von modernem Krieg und Soldatentum, wonach der Krieg sauber, cool und funky ist und Verluste vor allem auf der Seite des Feindes bringt. Die Top-Gun-Soldaten stecken in einem Abenteuer nach dem Strickmuster des Wilden Westens im Format eines virtuellen Computerspiels. „Mit einem Elite Corps von gut aussehenden, jungen und technisch hervorragend ausgebildeten Soldaten, die sich nicht durch Sümpfe schleppen und erschießen lassen müssen, sondern hoch über den Wolken Loopings fliegen. Es werden zwar auch Bomben abgeworfen und Bilder von Gewalt gezeigt, aber das wird von Rock'n'Roll-Musik untermalt...“ (Hoberman)

 

Der Showdown am Himmel als Spaßfaktor für Adrenalin-Junkies? Wolfgang Plewnia, Kampfpilot der deutschen Luftwaffe verneint und schüttelt den Kopf. "Angesichts der geopolitischen Situation muss jeder Pilot heute damit rechnen, morgen in einem realen Einsatz bestehen zu müssen. Wir bilden hier aus, um unseren Auftrag erfüllen zu können. Die Qualität des Trainings ist dabei unsere Lebensversicherung."

 

Top Gun bringt es auf den Punkt: die Welt ist ein Kampfplatz. Die physische Auseinandersetzung ist das, was der Zuschauer erwartet: mit Fäusten, Schlag- oder Schusswaffen, Laserstrahlen oder Raketen. Wer nachdenkt, ist schon tot.

Krieg ist ein Programm ohne Alternative. Krieg ist der spirituelle Ersatz, der die Emotionen hochtreibt. Er bedeutet Einschwörung auf ein gemeinsames Ziel.

Top Gun ist die Lust an technologischer Perfektion, Lust an Männlichkeit, Lust am sado-masochistischen Spiel mit Hierarchien. Top Gun spiegelt die Lust daran, den Sinn zu verlieren, was real ist und was nicht.

 

„Unsere Vorstellungen vom Krieg basieren vor allem auf dem Kino und insbesondere auf amerikanischen Filmen. Hollywood hat den Krieg seit jeher dargestellt, in all seinen Formen, auf all seinen Ebenen und an allen Fronten, vergangene Kriege, mögliche Kriege und zukünftige Kriege.“ (Dokumentarfilm Operation Hollywood; Frankreich 2004)

 

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete im September 2006 über eine Studie des Berliner „trendence Büro“, nach der die meisten deutschen Jugendlichen von einer Karriere als Soldat bei der Bundeswehr träumen.

Im Jahr 2006, knapp 60 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg und nach der Friedensbewegung der 70er und 80er Jahre, erzeugt das Mittel des Krieges zur Durchsetzung politischer Zwecke keine grösseren Protestwellen mehr. Im post-ideologischen Zeitalter werden politische Utopien weitgehend als weltfremd, veraltet und uncool verschrien. Die „Jugend“ ist damit beschäftigt, ihr Leben nach dem Vorbild ihrer MTV- und Sport-Stars einzurichten. Sie ist das unschuldige Pendant zu den Funktionsträgern aus Politik, Wirtschaft und Kultur, die unter dem Banner des Anti-Terrorkampfes eine regelrechte Kriegskultur entwickelt haben. Diese erinnert in ihrem Zivilisationsgrad an die alten Römer: Frieden ist der Zustand, den Kriege herstellen und der ohne Kriegsfähigkeit und -bereitschaft gar nicht zu haben ist.

 

 

"Harte Zeiten. Harte Pflichten. Harte Herzen." Europa hat nur eine Chance seine Kultur zu verteidigen. Europa muss aufrüsten - für einen "good war" im Kampf um Demokratie, Freiheit und Menschrechte, zur Verteidigung der freien Welt.

Vor allem das Theater und seine Protagonisten haben den Ernst der Lage noch nicht erkannt. Das Theater war zu lange ein Ort kriegskritischer Nörgler und pseudo-linker Sturköpfe. Denn es geht auch um das Theater als Welt-Kulturerbe. Besonders das junge Publikum muss sich der Tragweite dieser historischen geo-politischen Situation bewusst werden. Es geht um Affirmation. Leben für den Mythos. Sterben für die Ewigkeit.

 

Inszenierung: Wolfgang Klüppel

Text: Leis Bagdach

Bühne: Beni Küng

Kostüm: Sarah Bachmann

Musik: Pascal Nater

Dramaturgie: Inga Schonlau

Regieassistenz: Nina Engel

Regiehospitanz: Anna Barmettler

 

Schauspiel:

André Benndorff: Maverick

Ariadna Montfort: Charlie

Tom Ott: Commander Viper

Thomas Müller: Goose

 

Gefördert durch: Burgergemeinde Bern, Migros-Kulturprozent

Mit Unterstützung von: Stadttheater Bern

 

Konsortium & Konsorten:

 

Die Theatergruppe Konsortium & Konsorten wurde im Mai 2006 gegründet.

Wir sind eine Gelegenheitsgesellschaft von Schicksalsgenossen zur Erfüllung eines zeitlich und sachlich begrenzten Zwecks! Unsere Projekte folgen weder einem ideologischen Manifest noch einem ästhetischen Dogma bzw. weder einem ideologischen Dogma noch einem ästhetischem Manifest! Unser höchstes Credo ist eine möglichst flexible und spontane Anpassungsfähigkeit unserer Arbeitsstrukturen an die Anforderungen des beschleunigten und globalisierten Kulturmarktes! Was uns eint, ist das Wissen um die Produktionsbedingungen modernen Theaters und der Versuch durch strategische Zusammenschlüsse den Konkurrenzkampf um die verfügbaren Produktionsmittel für unsere Projekte positiv zu entscheiden! Ein spontan- dynamisches Reagieren auf Zeitgeist und modernste Trendforschung stehen im Mittelpunkt unserer Arbeit.

 

 

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