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Ausgewogenheit als Erfolgsrezept

Die Spielzeit 2006/2007 im Mecklenbgurgischen Staatstheater Schwerin

Schauspiel

 

Der außerordentlich gute Zuspruch des Publikums auf die Ausgewogenheit des Schauspielspielplans, spiegelt sich in Zuschauerzahlen, Gesprächen und nicht zuletzt in der Aufmerksamkeit, die auch die überregionale Presse dem Haus schenkte. Dies gab den Anreiz, die Mischung aus Unterhaltung, Klassik und neuen Texten für das Publikum weiter zu erhalten.

 

Die Eröffnung des Großen Hauses im November wird mit einem potentiellen Publikumsmagneten starten. Nach anderen erfolgreichen Koproduktionen der Musiktheater-, Ballett- und Schauspielsparte folgt nun die Premiere von Jesus Christ Superstar in der Regie von Peter Dehler.

 

Die klassische Position wird in dieser Spielzeit durch eine Neubearbeitung des Nibelungenstoffes durch den Autor Oliver Schmaering als Uraufführung in der Regie von Claudia Bauer als zweite Große-Haus-Produktion vertreten sein. Man wird auf die Autoren- und Regiekombination sehr gespannt sein dürfen, denn Claudia Bauer hat bereits als feste Hausregisseurin in Halle in der Spielzeit 2005/06 eindrucksvoll ihre Fähigkeit bewiesen, unbequeme Texte mit großer Poesie und Leidenschaft zu inszenieren.

 

Das Weihnachtsmärchen Dornröschen, bearbeitet und inszeniert von Peter Dehler, ist ein Publikumswunsch. Zu Silvester wird es ein weiteres Sekretärinnen-Abenteuer geben. Die beliebte Liederabend-Serie geht in die vierte Runde. Nun sind sie unterwegs und wandern nach Müllers Lust. Nach der Premiere im Großen Haus wird die Produktion ins E-Werk wechseln.

 

Matthias Gehrt arbeitete zuletzt häufig als Regisseur am Staatsschauspiel Dresden. Mit Einer flog übers Kuckucksnest wird er das populäre Stück von Wassermann erstmalig in Schwerin inszenieren. Die vierte Große-Haus-Produktion ist Das Fest, eine bitterböse Familiengeschichte, die sich nach dem Dogma-Film-Erfolg einen festen Platz im Repertoire vieler großer Theater sichern konnte.

 

Das E-Werk bietet ab September ein breites Spektrum an: Klassik, Jugendstücken, Erstaufführung und Romanadaptionen. Neben interessanten Gästen werden auch weiterhin Schweriner Schauspieler die Möglichkeit haben, ihre Regieambitionen zu verfolgen. Nils Brück wird mit seiner Othello-Arbeit, die bereits im Dominnenhof im August zur Premiere kommen wird, die E-Werk-Saison im September mit einer völlig neuen Inszenierung desselben Klassikers eröffnen. Danach folgen zwei Stücke moderner deutscher Dramatik. Peter Dehler inszeniert Heiner Müllers Auftrag. Henriette Hörnigks zweite Regiearbeit wird Büchners Woyzeck sein. Im April wird ein junger Schweizer Nachwuchsregisseur im E-Werk arbeiten. Tomas Schweigen zählt zu den interessantesten Talenten seiner Generation. Er wird Stella Feehilys O Go My Man als Deutschsprachige Erstaufführung für Schwerin inszenieren. Ein hochbrisanter, politischer Text über die Unvereinbarkeit von globaler Mobilität mit privatem Glück. Im Anschluss wird Nils Brück eine eigene Fassung des Fontane-Romans Effie Briest erarbeiten.

 

Markus Wünsch wird mit seiner Inszenierung von Romeo und Julia mit Studenten der Hochschule für Musik und Theater Rostock im Dominnenhof die Spielzeit abschließen.

 

Musiktheater

 

Das Musiktheater beginnt die Spielzeit mit einer Fortsetzung der vor zwei Jahren durch die Oper Xerxes begonnenen Pflege der Barockmusik. In der halbszenischen Aufführung von Georg Friedrich Händels Oratorium Samson in der Schweriner Paulskirche wird die Titelpartie wieder der renommierte lyrische Tenor Jörg Dürmüller singen. Opern- und Extrachöre unter Leitung von Michael Junge wirken mit. Die szenische Einrichtung liegt in den Händen von Oberspielleiter Arturo Gama, und die musikalische Leitung hat Peter Marschik.

 

Die erste Produktion des Musiktheaters im neu renovierten Großen Haus wird Giacomo Puccinis Tosca mit zwei hochkarätigen Gästen sein: Anna Dragan als Tosca und Marius Vlad als Cavaradossi. Die musikalische Leitung liegt bei GMD Matthias Foremny; Arturo Gama inszeniert. Der renommierte Altus Axel Köhler, der in den letzten Jahren sehr erfolgreich eine zweite Karriere als Regisseur, u.a. bei den Internationalen Händel-Festspielen in Halle, begonnen hat, konnte für eine Neuinszenierung von Mozarts Don Giovanni gewonnen werden. Mikael Babajanyan singt die Titelpartie. Dirigieren wird diese Produktion Peter Marschik; Premiere ist im April 2007.

 

Gleich zwei neue Operettenproduktionen bringt die neue Spielzeit. Im November wird die Berliner Großstadtoperette Glückliche Reise von Eduard Künneke im E-Werk von Stefan Haufe inszeniert. Karl Millöckers Armer Jonathan, ein überraschend aktuelles Werk über den Vermögenstausch eines Millionärs mit einem armen Mann wird dann im März 2007 in einer Inszenierung von Dirk Böhling Premiere haben. Die musikalische Leitung liegt beide Male bei Dietger Holm.

 

Spuk im Händelhaus, eine Kinderoper frei nach Händels Alcina, für Kinder zwischen sechs und zehn Jahren ist für Januar 2007 geplant.

 

Schließlich finden 2007 im Rahmen der SCHLOSSFESTSPIELE SCHWERIN die Inszenierungen von Verdis "populärer Trilogie" nach Rigoletto (2005) und La Traviata (2006) mit einer Neuproduktion von Der Troubadour ihren Abschluss. Wie schon in den vergangenen Jahren wird diese Aufführung mit Sängerinnen und Sängern des Ensembles sowie mit internationalen Gästen besetzt sein.

 

Gleich drei Solisten, die in den vergangenen Spielzeiten mit großen Partien am Staatstheater Schwerin reüssieren konnten, wechseln an größere Theater: Alex Vicens an die Staatsoper Stuttgart, Martin Winkler an die Komische Oper Berlin und Renatus Mészár ans Nationaltheater Weimar. Neu für das Ensemble konnte der lyrische Tenor Stefan Heibach gewonnen werden, der u.a. Tamino und Don Ottavio singen wird. Bariton Mikael Babajanyan, der in den vergangenen Spielzeiten bereits mit tragenden Partien am Staatstheater Schwerin präsent war, kommt fest ins Ensemble.

 

Ballett

 

Das Ballett des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin setzt nach Dorian Gray und Orestie die Reihe zeitgenössischer Handlungsballette mit Ein neuer Sommernachtstraum fort, einem Tanzstück mit Musik von Georg Katzer - einer Produktion, die bereits Ende der Spielzeit 2005/2006 am Theater Lübeck uraufgeführt wird und die mit zum Teil neuen Tänzerinnen und Tänzern für die Schweriner Bühne des Großen Hauses neu einzurichten ist. Für die Choreographie wurden Annett Göhre und Cayetano Soto engagiert. Premiere im Großen Haus ist im Dezember 2007.

 

Es folgen im Frühjahr 2007 zwei Kammertanzabende im E-Werk, die sich aus Arbeiten mehrerer Choreographen mit unterschiedlichen Stilrichtungen zusammensetzen werden.

 

Neben den reinen Ballettproduktionen wird das Ballettensemble außerdem wiederum in einer Reihe weiterer Produktionen anderer Sparten mitwirken, u.a. bei den Neuproduktionen von Jesus Christ Superstar und dem Armen Jonathan sowie bei den Wiederaufnahmen von Manche mögen 's heiß, Der Zigeunerbaron u.a.

 

Fritz-Reuter-Bühne

 

Die Fritz-Reuter-Bühne feiert in dieser Spielzeit ihren 80. Geburtstag. Sie hat in diesem Jubiläumsjahr einen Stand erreicht, auf den sie stolz sein kann. Nicht nur die nüchternen Zahlen bestätigen das, sondern vor allem die unmittelbaren Reaktionen der Zuschauer. Besonders erfreulich ist, dass das Angebot der Bühne, Vergnügen und Nachdenklichkeit gleichermaßen zu bieten und mit der niederdeutschen Sprache einen weiten Themenkreis in unterschiedlichster Form zu gestalten, so gut angenommen wird.

 

Auch für die Spielzeit 2006/07 ist eine vielfältige Auswahl getroffen worden. Der deftige Düwelsblitz, die sehr anrührende Komödie De Golden Anker und der turbulente Schwank Glücksspäl in't Pastorenhus werden aus der vorigen Saison übernommen. Die Neuinszenierungen beginnen mit Politik un Aantenschiet, einem flotten ländlichem Lustspiel um witzig und sehr persönlich ausgetragene Kommunalpolitik. Das folgende Stück All wedder Sünndag berührt durch den Humor, mit dem ein Dasein im Alter ertragen wird. Für die Freunde des "klassischen" plattdeutschen Lustspiels steht De verflixte Strump, eine fröhliche Eifersuchtsgeschichte, auf dem Programm. Eine besondere Herausforderung aber wird das Musical Große Freiheit Nr. 7 sein, zu dem der berühmte Film von Helmut Käutner die Vorlage lieferte.

Mit diesem Stück wird die Fritz-Reuter-Bühne erstmals auf eine Deutschland-Tournee gehen.

 

Wie immer gibt es auch ein Angebot für kleine Spielstätten, diesmal mit dem Karl-Valentin-Abend Ümmer wedder klemmt wat. Natürlich wird im Sommer auch wieder im Freilichtmuseum Mueß gespielt, und in schöner Tradition kann man sich in der Adventszeit plattdeutsch weihnachtlich einstimmen lassen.

 

Konzerte

 

Zum Auftakt der neuen Spielzeit gastiert die Mecklenburgische Staatskapelle unter der Leitung von Generalmusikdirektor Matthias Foremny mit dem ersten Sinfoniekonzert beim diesjährigen Usedomer Musikfestival neben dem NDR Sinfonieorchester und dem Norwegischen Kammerorchester. Zusätzlich zu den Produktionen im Musiktheater erwartet die Besucher der Mecklenburgischen Staatskapelle ein umfangreiches Programm mit etwa 30 verschiedenen Konzertangeboten.

 

Der Pianist Florian Uhlig und der Cellist Jan Vogler werden in den Sinfoniekonzerten ebenso zu erleben sein wie der Pianist Igor Ardašev mit Dvoráks selten aufgeführtem Klavierkonzert. Horia Andreescu, der seit vielen Jahren regelmäßig in Schwerin gastiert, dirigiert im Juni 2007 Werke von Grieg und Beethoven und stellt den rumänischen Komponisten Stefan Niculescu vor. GMD Matthias Foremny leitet auch 2007 wieder ein groß besetztes Chorkonzert in der Schweriner Paulskirche: gemeinsam mit dem Chor des Mecklenburgischen Staatstheaters, der Schweriner Singakademie und Solisten des Hauses wird dann die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach aufgeführt.

 

Kinder- und Jugendkonzerte gehören ebenso in das Repertoire der Mecklenburgischen Staatskapelle wie die Reihe MOZART UM VIER, die mit Klarissimo, einem Konzert rund um die Klarinette, in der neuen Spielzeit eröffnet wird. Zwei herausragende Ensembles sind bei den MEISTERKONZERTEN zu erleben: im Oktober das American String Quartet und im Februar das A-Cappella-Ensemble Singer Pur. Und hingewiesen sei auch auf eine neue kammermusikalische Reihe in Zusammenarbeit mit dem Schweriner Schleswig-Holstein-Haus, die STUNDE DER MUSIK, in der Musiker der Schweriner Staatskapelle die unterschiedlichsten Facetten solistischer Ensemblemusik aufleuchten lassen.

 

Die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin gehört zu den ältesten Orchestern in Deutschland und eröffnet das 444. Geburtstagsjahr im Februar 2007 mit einer Aufführung von Gustav Mahlers 5. Sinfonie.

 

Puppentheater

 

Zwei interessante Premieren stehen auf dem Spielplan des Puppentheaters: für Märchenfreunde wird es im November eine weitere Bearbeitung eines Märchens von Heinrich Seidel geben: der Dolpatsch. Für größere und große Puppentheaterfans und Literaturfreunde erzählt Donna Anna von ihren liebesbewegten Begegnungen mit dem größten Verführer aller Zeiten: Mann gesucht ... Don Juan gefunden wird im April Premiere haben. Darüber hinaus sind wieder viele andere Puppentheater und Puppenspieler im

E-Werk zu Gast.

 

Im Sommer bietet das Puppentheater: die Kasperiade in Mueß, die Geschichten unter’ m Walnussbaum und bereits zum siebten Mal Puppen im Park – wie auch in diesem Sommer wieder on tour in der Schweriner Altstadt zwischen Altem Markt und Ziegenmarkt.

 

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