Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Bayerisches Staatsballett München: "Forever Young" von Russell Maliphant / José Limón / Léonide MassineBayerisches Staatsballett München: "Forever Young" von Russell Maliphant /...Bayerisches...

Bayerisches Staatsballett München: "Forever Young" von Russell Maliphant / José Limón / Léonide Massine

Premiere 17.11.12, 19.30 Uhr im Nationaltheater. -----

Die erste Premiere der Saison 2012/13 vereint drei Ballette aus unterschiedlichen Zeiten, die aufgrund ihrer herausragenden Qualität Gültigkeit über alle Epochen hinweg besitzen dürften.

2003 kreierte der englische Choreograph Russell Maliphant das Trio Broken Fall für Sylvie Guillem, William Trevitt und Michael Nunn am Royal Opera House Covent Garden. Broken Fall thematisiert eine unabwendbare menschliche Konstante: die Gefahr zu fallen, und macht es zu einem subtilen Stück Kunst. Es spielt mit der Schwerkraft und setzt die Körperbeherrschung der Tänzer dagegen. Die Solistin klettert auf die männlichen Partner, fordert ihre Reaktionsschnelligkeit heraus, wenn sie scheinbar mühelos Balancen in großer Höhe hält, um sich dann von einer Sekunde zur anderen fallen zu lassen und sofort in die nächste halsbrecherische Situation zu stürzen. Eine falsche Reaktion hätte unweigerlich den gefährlichen Sturz zur Folge.

 

José Limón verwandelt Shakespeares große Tragödie Othello in die tänzerische Form einer kaum fünfzehnminütigen Pavane. The Moor's Pavane ist, wie Choreartium, ein Schlüsselwerk für eine Zeit und für einen Stil. 'Modern Dance' heißt das für Limóns Werk. Geschaffen 1949, war es Limóns künstlerischer Kommentar zu den McCarthy-Prozessen, die Intrige, Verleumdung und Spitzelei auf den Höhepunkt trieben. Bewusst vermeidet der Choreograph im Titel und auch in der Bezeichnung seiner vier Figuren jeden direkten Bezug zu Othello. Konzentrierter lässt sich das abgründige Verhältnis der Protagonisten, hinter denen Othello, Desdemona, Jago und Emilia stehen, nicht darstellen wie in der von Limón gewählten Form des formalisierten Schreit-Tanzes einer Pavane.

 

Choreartium ist wohl das erste Ballett der Geschichte, das rein abstrakt aufgefasst werden kann: keine dramatische Handlung, kein außermusikalisches, außertänzerisches Thema, keine psychologisch motivierten Charaktere. Léonide Massine setzt die Struktur und Stimmung der 4. Symphonie von Johannes Brahms um in klassischen Tanz und in vielfältigste räumlich-zeitliche Formationen. "Ich schuf die Choreographie von Choreartium entsprechend der Instrumentation der Partitur. Ich setzte Frauen ein, um die delikaten Passagen zu akzentuieren, während die Männer zu den schwereren und robusteren Stellen tanzen. Die Musik, mit ihrer reichen Orchestrierung und ihren zahlreichen Kontrasten eignet sich bewundernswert für diese Art Spiel zwischen maskulinen und femininen Bewegungen und Schritten." (L. Massine)

 

Entgegen der eigentlichen Münchner Regel der Rekonstruktion eines historischen Werkes, wird Keso Dekker, Hollands berühmtester Bühnen- und Kostümbildner der Gegenwart, das Ballett neu und ganz in seiner so persönlichen wie modernen Handschrift ausstatten.

 

Robertas Šervenikas, der zuletzt in der Spielzeit 2008/09 die musikalische Leitung für Der Sturm übernommen hatte, kehrt für den Abend Forever Young ans Pult des Bayerischen Staatsorchesters zurück.

 

Besetzung

 

The Moor's Pavane

Musikalische Leitung Robertas Šervenikas

Choreographie José Limón

Kostüme Pauline Lawrence

Einstudierung Sarah Stackhouse

Musik Henry Purcell

arrangiert von Simon Saddoff

 

Choreartium

Choreographie Léonide Massine

Musik Johannes Brahms

Bühne Keso Dekker

Musikalische Leitung Robertas Šervenikas

Einstudierung Lorca Massine

Anna Krzyskow

 

Broken Fall

Choreographie Russell Maliphant

Musik Barry Adamson

Licht Michael Hulls

 

Solisten und Ensemble des Bayerischen Staatsballetts

Bayerisches Staatsorchester

 

Mo 19.11.12, 19.30 Uhr

Fr 23.11.12, 19.30 Uhr

Do 29.11.12, 19.30 Uhr

Nationaltheater

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 16 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑