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Deutscher Theaterpreis "Faust" vergeben

Die deutschen Bühnen haben zum zweiten Mal ihre besten Künstler mit dem Theaterpreis "Der Faust" bedacht. Bei einer Gala im Münchner Prinzregententheater wurde außerdem der in Österreich lebende Dirigent Michael Gielen (80) für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Für die beste schauspielerische Leistung wurde Brigitte Hobmeier mit dem "Faust" ausgezeichnet. Die junge Darstellerin erhielt den Preis für ihre Rolle der Elisabeth in Ödön von Horvaths "Glaube, Liebe, Hoffnung" an den Münchner Kammerspielen. Außerdem bekam Angela Denoke den "Faust" für die beste Sängerleistung. Sie wurde damit für die Titelpartie in Strauss' "Salome" an der Bayerischen Staatsoper in München gewürdigt. Denoke konnte den Preis nicht persönlich entgegennehmen.

 

Bester Regisseur

 

Als bester Regisseur wurde Stephan Kimmig für die Inszenierung der "Maria Stuart" am Thalia Theater Hamburg geehrt. Dietrich Hilsdorf trug den Preis als bester Musiktheaterregisseur für seine Inszenierung von Sergej Prokofjews "Die Liebe zu den drei Orangen" (Städtische Theater Chemnitz) nach Hause. Stephan Thoss wurde die Ehrung als bester Choreograph zuteil. Er hatte mit dem Ballett "Giselle M." am Theater Chemnitz beeindruckt. Die junge Tänzerin Katja Wünsche am Stuttgarter Ballett nahm den "Faust" für ihre Rolle in "I fratelli - Die Brüder" entgegen.

 

Für das Stück "Cengis und Locke", in dem es um einen Bandenkrieg geht, wurde Frank Panhans (Grips Theater Berlin) als bester Kinder- und Jugendtheaterregisseur geehrt. In der Sparte beste Ausstattung konnte Andrea Schraad mit ihren Kostümen und Masken in Tschechows "Drei Schwestern" an den Münchner Kammerspielen die Jury überzeugen. Den erstmals vergebenen Sonderpreis für eine außergewöhnliche Theaterform erhielt die Gruppe Rimini Protokoll, die in ihren Stücken nichtprofessionelle Darsteller als "Experten des Alltags" zu Wort kommen lässt.

 

Eine Jury hatte insgesamt 24 Regisseure, Sänger, Schauspieler, Tänzer, Choreographen und Ausstatter für den in acht Kategorien vergebenen "Faust" nominiert. Zu den Laudatoren der Gala gehörten unter anderem die Schauspielerinnen Nina Hoss und Jutta Speidel, der Tänzer Vladimir Malakhov und die Sängerin Anja Silja.

 

Der Komponist Helmut Lachenmann würdigte den Dirigenten Michael Gielen, der den "Faust" für sein Lebenswerk erhalten hatte. Gielens Schaffen habe eine große Spannbreite, Interpretation sei bei ihm eine authentische Botschaft und komme "von einem leidenschaftlichen Herzen". Gielen sorge dafür, dass Kunst nicht "zur Entspannung durch gute Musik heruntergewirtschaftet" werde, sagte Lachenmann.

 

Michael Gielen gilt als einer der großen Dirigenten zeitgenössischer Musik. Dabei verbindet der 80-Jährige seine Liebe zur Moderne mit einer großen Bewunderung für die Musik vergangener Jahrhunderte. Das Dirigieren brachte er sich selbst bei. Als Generalmusikdirektor profilierte er von 1977 an für zehn Jahre die Oper in Frankfurt am Main als experimentierfreudiges Musiktheater. Diese zehn Jahre seien die wichtigste Zeit in seinem Leben gewesen, hatte Gielen einmal gesagt. Auch in Berlin, Stuttgart oder bei den Salzburger Festspielen war er oft als Dirigent zu Gast.

 

Träger des Theaterpreises sind der Deutsche Bühnenverein, die Kulturstiftung der Länder, die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste und in diesem Jahr als kooperierendes Bundesland der Freistaat Bayern. Im kommenden Jahr wird der Theaterpreis in Stuttgart verliehen.

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