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Jenseits der Gleichgültigkeit: Performing Black Africa, Theater im Pumpenhaus Münster

vom 4. bis 19. November 2011 präsentiert das Theater im Pumpenhaus sechs internationale Produktionen, die sich auf intensive Art und Weise mit dem Spannungsfeld von Tradition, Politik und Alltag auf dem afrikanischen Kontinent auseinandersetzen. Zu Gast sind herausragende Künstler aus dem Kongo, der Elfenbeinküste, Frankreich und Deutschland. Zwischen Tanz, Theater, Puppenspiel und Musik prallen europäische und afrikanische Kunst- und Weltentwürfe so radikal wie produktiv aufeinander.

 

Unter dem Eindruck der jüngsten Volksaufstände im nordafrikanischen und arabischen Raum, die von den Leitmedien der weltweiten Berichterstattung als Siegeszug der Demokratie über Diktatur und Terror gefeiert werden, sind die tiefsitzenden und seit Jahrzehnten andauernden Konflikte in den zentral- und westafrikanischen Gebieten einmal mehr vorübergehend aus dem Bewusstsein der Weltöffentlichkeit verschwunden.

 

Dies verwundert nicht, angesichts der Tatsache, dass speziell das Verhältnis europäischer und westlich orientierter Gemeinschaften zum afrikanischen Kontinent seit jeher ein Verhältnis der schuldbehafteten Verdrängung ist. Seien es die Folgen jahrhundertelanger kolonialistischer Inbesitznahme, der konsequente und andauernde Zugriff auf Bodenschätze und billige Arbeitsmärkte, der systematische Import von Waffen und Kriegsgerät oder die kollektiven Abwehrmechanismen gegenüber den inner- wie transkontinentalen Flüchtlingsströmen: Fragen nach der Verantwortung von "alter" und "neuer" Welt für die afrikanische Misere sind so drängend wie müßig. Sie führen zu komplizierten Antworten und

unbefriedigenden Verfahren der bloßen Korrektur des schlechten Gewissens.

 

Korruption, Amtsmissbrauch und die gewalttätige Unterdrückung oppositioneller Bewegungen erzeugen in vielen Gebieten Afrikas ein Klima des Stillstands. In diesem Klima entladen sich die teilweise seit Jahrzehnten andauernden Konflikte zwischen Despoten, Rebellen, bewaffneten Milizen, ausländischen Militärs und Zivilisten in stets aufs Neue aufflammenden Bürgerkriegen und Massakern. Die politisch argumentierten Auseinandersetzungen kreisen scheinbar stetig um sich selbst und konstituieren ein von außen schier undurchdringbares Geflecht von historischer und imaginierter Schuld, persönlichen Rachefantasien und ethnischer Verfolgung, innerem Chaos und äußerer Einmischung. Dabei sind die blutigen Konflikte Afrikas auch eine Geschichte weit verzweigter Mythen und Traditionen, von Aberglauben und Spiritismus, die teilweise auf geradezu groteske Art und Weise in die Regierungsgeschäfte des modernen Afrikas hineinreicht.

 

Die jeweils spezifischen Konfliktlinien der innerafrikanischen Auseinandersetzungen müssen daher gerade auch im Kontext ihrer kulturellen Entstehung und Potenzierung beschrieben werden. Dies aber erfordert eine Auseinandersetzung mit dem afrikanischen Erbe, die nicht auf einer rein tagesjournalistischen Ebene geführt werden kann. Daher verwundert es auch nicht, wenn die unzähligen Kämpfe und Auseinandersetzungen in Ländern wie beispielsweise der Elfenbeinküste

in der medialen Berichterstattung zur Randnotiz verkommen.

 

Gleichzeitig mit besagten Revolutionsbewegungen in Nordafrika war die Elfenbeinküste im Anschluss an die dortigen Präsidentschaftswahlen im November 2010 Schauplatz monatelanger blutiger Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Lagern der beiden Präsidentschaftskandidaten Laurent Gbagbo und Alassane Ouattara. Beide hatten sich zum legitimen Sieger der Wahl gekürt und auch jeweils den Verfassungseid abgelegt. Dadurch wurde die Elfenbeinküste für die Dauer des Konflikts faktisch von zwei Präsidenten regiert. Die bürgerkriegsähnlichen Ereignisse führten bis zur Festnahme des international anerkannten Wahlverlierers Gbagbo im April 2011 zu Hunderten Toten. Allein aus der Hauptstadt Abidjan, Hauptschauplatz der Gefechte, flohen mehr als eine Million Menschen.

 

Dass diese Ereignisse im Spiegel der hiesigen Berichterstattung kaum zum Tragen kamen, mag mit Blick auf die Historie nicht neu erscheinen, abgesehen davon, dass sie nur ein Beispiel für unzählige bewaffnete Konflikte darstellen, die sich zur Zeit weltweit weitgehend unbeobachtet abspielen. Nichts desto trotz: die innerkontinentale Gleichzeitigkeit einer international gefeierten bürgerlich-demokratischen Revolutionsbewegung und dem medial weitgehend ignorierten Anerkennungskrieg zweier potentieller Regierungsführer lässt Fragen aufkommen: nach Medienhoheit, postkolonialen Diskursen und dem lokalen Umgang mit den weit aufgefächerten Spannungen des afrikanischen Kontinents.

 

Im Rahmen eines zweiwöchigen Afrika-Schwerpunktes lädt das Theater im Pumpenhaus nun eine

Reihe von Künstlern, die sich seit vielen Jahren auf herausragende Art und Weise mit dem Spannungsfeld von Tradition, Politik und Alltag auf dem "schwarzen Kontinent" auseinandersetzen und europäische wie afrikanische Kunst- und Weltentwürfe so radikal wie produktiv aufeinander prallen lassen. Die Auswahl der Arbeiten reflektiert dabei eine bemerkenswerte Vielfalt und Kompetenz im Versuch, für das aus allein europäischer Sicht kaum Darstellbare eine adäquate und vielschichtige Form des performativen Umgangs zu finden. Allen Produktionen ist die direkte Begegnung afrikanischer und europäischer Künstler auf der Bühne gemeinsam, ebenso bildet die Negierung von Betroffenheit und die Hinwendung zu künstlerischen Transformationen des Kultischen eine absolute Notwendigkeit und Basis der eingeladenen Arbeiten.

 

Dieser Programmschwerpunkt flankiert die Uraufführung der kuratoriumsgeförderten Produktion

"2+x-Welten" des erfolgreichen Münsteraner Jugendtheaterlabels CACTUS unter der Regie von Barbara Kemmler. Die Arbeit, die Choreografen und Schauspieler aus Kenia und der Elfenbeinküste mit jungen, in Münster lebenden afrikanischen Migranten zusammenbringt, widmet sich Fragen nach Verlust und Neukonstitution von Heimat, nach Rollenbildern und Konflikten in Bezug auf das Bild des „afrikanischen“ Mannes in der deutschen Gesellschaft und nach den Schwierigkeiten in afrikanisch/deutschen Biografien im Spannungsfeld zwischen Herkunft und Ankunft.

 

Zwischen diesem lokalem Blick auf „Umgang mit“ und „Bedeutung von“ afrikanischer Migrationsgeschichte in Münster und den überregionalen - mit Gintersdorfer/Klaßen (Berlin/Abidjan) und Stefanie Oberhoff/Lambert Mousseka (Stuttgart/Kinshasa) werden wir dabei die zur Zeit meistgefragten Afrika-Experten der deutschen Theater-/Tanzszene zu Gast haben - und internationalen Highlights der Reihe wird das Gesamtprogramm von „Performing Black Africa“ über zwei Wochen Raum für eine sich stetig fortsetzende und verzweigende Diskussion über das europäisch-afrikanische Verhältnis und seine Bezugssysteme bieten.

 

Beteiligte überregionale und internationale Künstler

 

Die Regisseurin Monika Gintersdorfer und der bildende Künstler Knut Klaßen arbeiten seit 2005 mit einem deutsch-ivorischen Darstellerteam an der Schnittstelle von Tanz, Theater, bildender Kunst und Musik. In ihren mehrfach ausgezeichneten Performancearbeiten (u.a. Tanzkompanie des Jahres 2010, Gewinner des Festivals Impulse 2009) machen sie Lebensstrategien und Ausdrucksformen der Darsteller zum Zentrum und konfrontieren diese mit eigenen Methoden und Ästhetiken. So entstehen Bühnenprozesse, in denen sich Improvisation, Spiel und direkter Erfahrungsraum zu rohen, authentischen Arbeiten verdichten. Gintersdorfer/Klaßen erarbeiten dabei stets aufs Neue Prozesse der Gegenkolonisation, in denen sich ivorische wie europäische Klischees in steter gegenseitiger Befragung und Überformung ihrer vermeintlich eindeutigen Lesbarkeit entziehen.

 

Mit "Erleide meine Inspiration" und "Am Ende des Westerns" werden zwei Arbeiten gezeigt, die sich der Auseinandersetzung mit der Lebensrealität in der Elfenbeinküste während der jüngsten politischen Krise widmen. Während "Erleide meine Inspiration" den Blick auf die während der politischen Krise der letzten zehn Jahre florierenden Berufszweige DJ, Prophet und Politker richtet und dabei ein Schlaglicht auf die Amüsiertraditionen der problemgeplagten ivorischen Bevölkerung wirft, beschäftigt sich das Darstellerteam in "Am Ende des Westerns" mit der schizophrenen Situation der doppelten Präsidentschaft von November 2010 bis April 2011. Dabei stellen sich prototypische Fragen nach militärischem Einsatz, UNO-Mandat, Sanktionen, der Rolle der ECOMOG, der afrikanische Union, der UNO, Frankreichs und der europäischen Staaten. Die Ivorer im Team sind Stars, Tänzer und Sänger im ivorischen Showbiz, sie unterstützen unterschiedliche politische Lager und sind alle Teil der Ereignisse: Bankschließungen, Ausgangssperren, Flucht aus dem Kampfgebiet, Suche nach Informationen.

 

Seit 2004 reist eine Gruppe europäischer Schauspieler, Puppenspieler, Regisseure, Bühnenbildner, Musiker sowie Video- und Objektkünstler unter Initiative der Stuttgarter Theatermacherin Stefanie Oberhoff regelmäßig in das Krisengebiet um Kinshasa. Im Espace Masolo, einem der jüngsten Kulturzentren im Kongo, treffen sie sich mit Straßenkindern und demobilisierten Kindersoldaten zur gemeinsamen Theaterarbeit. Die Kinder lernen, neben lesen und schreiben, Puppenspiel und Puppenbau als Möglichkeiten des Broterwerbs. In Theaterlaboratorien verknüpfen sich künstlerische Arbeit und soziale Intervention zu gemeinsamen Inszenierungen. Als Resultat dieser Arbeit hat Stefanie Oberhoff gemeinsam mit dem kongolesischen Regisseur Lambert Mousseka und ehemaligen Straßenkindern, die in ihrer Heimat seit zwei Jahren mit dem Temperament ihrer Blaskapelle Furore machen, die Produktion "King Kongo" erarbeitet. Darin dient die Berliner Konferenz 1884/1885, bei der Afrika territorial unter den Europäern aufgeteilt wurde, als historischer Ausgangspunkt für die Untersuchung von Mechanismen und Folgen der beispiellosen Schreckensherrschaft unter dem Kolonialregime des belgischen Königs Leopold II. Grausame Bürger- und Rebellenkriege prägen seitdem das Bild des Kongo. Traumatisierte Kindersoldaten, Gewalt und unvorstellbare Armut bestimmen die Gegenwart.

 

Im Zusammenspiel von rasanter Musik, ausgelassenem Tanz, Schauspiel und anarchischem Puppenspiel versucht sich "King Kongo" an der spielerischen Entlarvung wiederkehrender Mechanismen der Macht, die kinderleicht zu erkennen sind und weltweit ignoriert werden.

 

In "Das Dorf auf dem Hügel" agieren Oberhoff/Mousseka als Puppenspieler selbst auf der Bühne und erzählen die parabelhafte Geschichte eines unberechenbaren Königs, der sich auf der Suche nach seinen entschwundenen Reichtümern in ein Geflecht aus afrikanischer Magie, europäischer Zauberei, hinterhältigen Betrügereien, Lügengeschichten und absurden Ritualen verstrickt. Dabei erzählt sich die Parabel als doppelbödiges Drama, das dem allgegenwärtigen Zusammenspiel von Macht, Magie und Manipulation eine performative Erfahrungsebene abzugewinnen versucht, ohne dabei den Bezug zur düsteren Realität zu verlieren. Statt den Zuschauer zur wohlfeilen Betroffenheitsabfuhr zu erpressen, besteht die Stärke der kritischen Geste in "Das Dorf auf dem Hügel" im Entwurf einer künstlerischen Gegen-Welt.

 

Der in Paris lebende kongolesische Choreograf Djodjo Kazadi, der lange mit dem kongolesichen

Startänzer und -choreografen Faustin Linyekula zusammengearbeitet hat, begibt sich in seiner ersten größeren Arbeit "Congo, my body" auf die Suche nach der Erinnerung des Körpers und nimmt die Frage, wie sich von einem im Kongo verbrachten Leben erzählen lässt, zum Ausgangspunkt der zwischen Tanztheater und Puppenspiel changierenden Produktion. Gemeinsam mit den ehemaligen Kindersoldaten Serge Amisi und Yaoundé Mulamba versucht er in "Congo, my body" dem Schicksal dreier junger Männer auf den Grund zu gehen, die alle Anfang der 90er Jahre im Kongo gelebt haben. Gemeinsam entdecken sie zu dritt auf der Bühne die Sprache ihrer Körper, die mit Gewalt aufgewachsen sind, Körper, die vom Chaos und vom Krieg gezeichnet sind - gekrümmte, verletzte, zersplitterte Körper. Als Textgrundlage dienen dabei Originalaufzeichnungen von Serge Amisi, die die körperliche Auseinandersetzung kontextualisieren, ohne als "Erzählung" im streng narrativen Sinne zu stark in die Abstraktion eines möglichen Sprechens über Dinge einzugreifen, über die nicht gesprochen werden kann. So arbeiten die drei Performer in "Congo, my body" letztlich an einer radikal anderen Erzählweise, die den Schrecken des Krieges im Unsagbaren dennoch klar vor Augen treten lässt.

 

PROGRAMMÜBERSICHT

 

Gintersdorfer/Klaßen (Berlin/Abidjan): Erleide meine Inspiration

FR, 04. November, 20 Uhr // Tanz / Münster-Premiere

Das Regieduo Gintersdorfer/Klaßen – Gewinner des Impulse-Festivals und Träger des Tabori-Preises –

kreuzt seit Jahren deutsche und ivorische Performance-Strategien. Konfrontiert die kulturellen Codes der Côte d‘Ivoire mit unserem zeitgenössischem Tanz. Und übersetzt die afrikanische Perspektive intelligent. In „Erleide meine Inspiration“ reflektieren sie die Verflechtungen von Politik, Religion und Showbiz. Stamm-Performer wie Gotta Depri, Franck Edmond Yao und Hauke Heumann zelebrieren nach Abidjan-Art die Messe aus Gesang, Tanz, Prophetie und Trance. Und beleuchten die eigene Inspiration. Die eigentlichen Profiteure der bürgerkriegsähnlichen Krise an der Elfenbeinküste sind die Entertainer.

 

Gintersdorfer/Klaßen (Berlin/Abidjan): Am Ende des Westerns

SA, 05. November, 20 Uhr // Tanz / Münster-Premiere

Zwischen November 2010 und April 2011 hatte die Elfenbeinküste zwei Präsidenten. Mit konkurrierenden Ministerriegen und sich bekriegenden Kommandos. Statt des Endes einer zehnjährigen Krise ein doppeltes Dilemma. Regieren unmöglich. Democracy how? Gintersdorfer/Klaßen untersuchen die Elfenbeinküste als Modellfall für Wahlen und Demokratie in Afrika. Und werfen Fragen auf. Nach Militäreinsatz, UNO-Mandat und der Haltung der europäischen Staaten. Ihre ivorischen Performer, Anhänger verschiedener politischer Lager, haben das Chaos selbst erlebt. Das Duell der Präsidenten ist vorbei. Aber der Showdown für die Demokratie nirgends abgewendet. Auch nicht im Westen.

 

Cactus Junges Theater (Münster): 2+x Welten

MI 09. bis SO 13. November, 20 Uhr // Junges Theater / Uraufführung

Heimat? Ist eher Zustand als Ort. Immer mehr Menschen sind in verschiedenen Kulturen und Sprachen

gleichzeitig zuhause. Cactus Junges Theater – bekannt für Stücke hautnah am Puls ihrer Spieler und

Zuschauer – widmet sich in seiner neuesten Produktion der Auflösung der Grenzen. Mit dreizehn jungen

Männern, die ihre Wurzeln in Ghana, Guinea, Kenia, Simbabwe, Somalia und Ruanda haben, bricht

Regisseurin Barbara Kemmler auf zur Neuland-Eroberung zwischen Europa und Afrika. Zum Sprung

zwischen den Nachbarkosmen Jugend und Erwachsensein, Liebe und Freundschaft, Realität und Traum.

Befeuert von Tanz, Musik und Wagemut. Wer weiß – vielleicht führt die Reise geradewegs ins Ich?

 

Oberhoff/Mousseka (Stuttgart/Kinshasa): King Kongo

MI 16. und DO 17. November, 20 Uhr // Schauspiel/Figurentheater / Münster-Premiere

Auf der Afrikakonferenz von 1884/85 bekommt der belgische König Leopold II den Kongo zugeschoben. Und errichtet ein Terrorregime ohne Gleichen. Das Land wird seitdem von Bürgerkriegen und Rebellen-Gefechten verheert. „King Kongo“ heißt das Stück über die ewige Wiederkehr der Gewalt von Stefanie Oberhoff und Lambert Mousseka. Die deutsche Künstlerin und der kongolesische Figurenvirtuose kennen sich aus Kinshasa. Im Kulturzentrum Espace Masolo arbeiten sie seit Jahren mit Straßenkids und ehemaligen Kindersoldaten an Puppenbau und -spiel. Junge Musiker der Brassband „Fanfare Masolo“, ebenfalls aus dem Projekt hervorgegangen, performen nun dieses anarchisch-reale Königsmärchen. Mit vollem Körpereinsatz erzählen sie die Geschichte ihrer Heimat. Als höllischen Karneval.

 

Oberhoff/Mousseka (Stuttgart/Kinshasa): Das Dorf auf dem Hügel

FR 18. November, 20 Uhr // Schauspiel/Figurentheater / Münster-Premiere

Der König mit der Schweinenase gebietet über zwei Reiche. Ein Dorf, in dem alles, was wert und teuer ist nach oben fliegt und verschwindet, wie von Zauberhand. Und ein anderes auf dem Hügel, in dem Luxus und Überfluss herrschen. „Ein Spiel um Macht, Magie und Manipulation“ haben Stefanie Oberhoff und Lambert Mousseka ihre phantasiesprühende Puppen-Parabel im Untertitel genannt. Mit hintergründig-bösem Witz erzählen sie von Politgezocke und Ausbeutung, afrikanischer Magie und westlichem TV, korrumpierbaren Ethnologen und hypochondrischen Diktatoren. In togolesisch-spanischer Ko-Regie verstricken sich die famosen Winz-Figuren in den globalen Verblendungszusammenhang. Großes Theater.

 

Cie Kazyadance (Paris/DR Kongo): Congo, my body!

SA 19. November, 20 Uhr // Tanz / Münster-Premiere

Der in Paris lebende Choreograph Djodo Kazadi fragt in „Congo, my body!“ nach den Erinnerungen, die dem Körper eingeschrieben sind. Gemeinsam mit den ehemaligen Kindersoldaten Serge Amisi und Yaoundé

Mulamba entwickeln der Künstler und seine Compagnie Kazyadance eine Tanz- und Puppen-Performance über die Schicksale dreier junger Männer im Kongo der 90er Jahre. Über ihre Erfahrungen von Gewalt und Chaos als Marionetten des Krieges. Über gekrümmte, zersplitterte Leiber und ein Leben am losen Faden. Inspiriert von Aufzeichnungen Amisis finden die Spieler ihre ganz eigene Sprache. Für ein Grauen, das keine

Worte kennt.

 

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