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„Kaiser und Galiläer“ von Henrik Ibsen im Passionstheater Oberammergau

Premiere 1. Juli 2016 | Weitere Vorstellungen: 2./15./16./21./22./23. Juli 2016. -----

Julian war ein genialer Feldherr, daneben aber kleinlich, boshaft, bis zur Lächerlichkeit eitel, abergläubisch und selbstbewusst. Wir sehen eine lange Reihe von gewaltigen Geschehnissen auf der Bühne vorüberziehen. Nicht nur Julians gewaltsamen Aufstieg zum Kaiserthron, seine Regierung und sein Ende, sondern auch die wichtigsten Ereignisse jener gewaltigen Wendezeit der Weltgeschichte, — Schlachten und Wunder.

Wir sehen eine Welt, Rom, vor unseren Augen untergehen und eine andere siegreich emporsteigen. Wir sehen den allmächtigen Weltherrscher, der eine tote Vergangenheit neu beleben will, von betenden Greisen, Frauen und Kindern überwunden. Er, der alle Gewaltmittel besitzt, mit denen Rom die Welt erobert hat — den neuen Geist kann er nicht besiegen.

 

Überallhin, bis in seine nächste Nähe, bis in das sicherste Bollwerk der Monarchie hinein, bis in die Armee ist dieser neue Geist gedrungen. Und als der junge Kaiser, der anfangs Toleranz und Religionsfreiheit gepredigt hat, vom Gefühl seiner Ohnmacht getrieben, die Lehre mit Gewalt, mit Feuer und Schwert vertilgen will, da trägt er, ohne es zu wollen, das meiste zum Siege des verhassten Christentums bei und wird so zum Nachfolger von Kain und Judas Ischarioth.

 

Das Drama Kaiser und Galiläer ist von allen Werken Ibsens das mit der längsten Entstehungsgeschichte. Die Arbeit daran erstreckte sich über neun Jahre, von 1864 bis 1873.

Als Ibsen 1864 in Rom, auf der Trümmerstätte der untergegangenen Römerwelt, weilte, stieg vor seinem inneren Auge die seltsam rührende Gestalt des jungen Kaisers Julian empor, den die Kirche, getreu dem Bibelworte: „Liebet eure Feinde!“ mit dem Namen Apostata (der Abtrünnige) für alle Zeiten zu brandmarken versucht hat. Zum Jahreswechsel 1870/71 begann er dann an einem ersten Entwurf zu arbeiten. Im Frühjahr 1873 lag das Stück in Reinschrift vor und wurde in Druck gegeben. Seine Uraufführung hatte es am 5. September 1896 am Stadttheater Leipzig. „Kaiser und Galiläer“ sah Ibsen zeitlebens als sein Hauptwerk an.

 

Wohl an keinem Ort der Welt hat sich eine fast 400 jährige Theatertradition so kontinuierlich erhalten wie in Oberammergau. Wer den Namen Oberammergau hört, verbindet ihn meist mit seinem Passionsspiel. Doch schon im 18. Jahrhundert haben die Oberammergauer auch in den Jahren zwischen den Passionsspielen große biblische Geschichten auf die Bühne gebracht. An diese Tradition hat Christian Stückl 2005 mit einer Aufführung des Schauspiels König David angeknüpft und diese 2007 – mit dem Schauspiel Jeremias von Stefan Zweig – fortgeführt. Im Juli 2011, ein Jahr nach dem Passionsspiel, zeigten die Oberammergauer u.a. Joseph und seine Brüder nach dem Roman von Thomas Mann, ein Jahr später Antonius und Cleopatra von William Shakespeare. 2013 und 2014 wurde Moses von Feridunn Zaimoglu und Günter Senkel auf der Bühne gezeigt.

 

Regie: Christian Stückl

Bühne und Kostüme: Stefan Hageneier

Musik: Markus Zwink

 

Premiere am 1. Juli 2016

2. / 15. / 16. / 21. / 22. / 23. Juli 2016 | 20 Uhr

Preise: 49 Euro / 39 Euro / 29 Euro / 19 Euro

 

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