Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
»Legenden – Hommage an Richard Strauss«, Choreografische Uraufführungen von Alexei Ratmansky und Stijn Celis, Semperoper Dresden»Legenden – Hommage an Richard Strauss«, Choreografische Uraufführungen von...»Legenden – Hommage an...

»Legenden – Hommage an Richard Strauss«, Choreografische Uraufführungen von Alexei Ratmansky und Stijn Celis, Semperoper Dresden

Das Semperoper Ballett feiert den 150. Geburtstag von Richard Strauss mit zwei choreografischen Uraufführungen: Der Abend »Legenden – Hommage an Richard Strauss« hat am 28. Juni um 18 Uhr Premiere und verbindet Strauss’ Ballettmusik »Josephs Legende« mit seiner Bearbeitung von Couperins »Tanzsuite«.

Mit diesem Ballettabend erweist das Semperoper Ballett dem Komponisten Richard Strauss in dessen Jubiläumsjahr eine Reverenz. Eröffnet wird der Abend mit der choreografischen Uraufführung »Tanzsuite« von Alexei Ratmansky – ehemaliger Direktor des Bolschoi Ballett und international einer der derzeit gefragtesten Choreografen klassischer Tanzkunst. Das Semperoper Ballett ist die erste Company in Deutschland, die Alexei Ratmansky für eine Uraufführung gewinnen konnte. Musikalisch handelt es sich bei der »Tanzsuite« um eine Auswahl aus François Couperins »Pièces de clavencin«, Klavierstücke aus den Jahren 1713–1730; eine Folge von Tänzen, die Richard Strauss zusammenstellte und instrumentierte. Uraufgeführt 1923 in Wien, stellt dieses Ballett »Gesellschafts- und Theatertänze im Stile Ludwig XV. « dar, die als Divertissement angelegt sind. Die rokokohaften, feinen Miniaturen mit dem Hauch des französischen Hofes im 18. Jahrhundert, wurden durch Straussʼ Bearbeitung sehr subtil mit dem Esprit des 20. Jahrhundertsverbunden. Eine Art Übung aus dem Neobarock, welche melodienreich einen permanenten Fluss darstellt und wie geschaffen ist für den Tanz. Das Spiel mit Strukturen und Formen ist stets ein Merkmal von Ratmanskys choreografischer Sprache, die vom klassischen Ballettvokabular kommend die Transformation der Schritte, das Ausloten neuer Möglichkeiten und auch den Humor kennt – seine Kreationen sind aus der Musik heraus gefühlt und stets hochmusikalisch geführt.

 

Der belgische Choreograf Stijn Celis, der 2013 den Ballettklassiker »Romeo und Julia« für die Semperoper neu interpretierte und zuvor schon »Cinderella« für die Junge Szene choreografierte, präsentiert seine Sichtweise auf das Ballett »Josephs Legende« von Richard Strauss. Nach dem Libretto von Hugo von Hofmannsthal und Harry Graf Kessler schuf Richard Strauss ein Tongemälde, welches den Rausch, die Ekstase, die Beklemmung, die Hierarchie, die Lüsternheit, die Ängste und die Hoffnungen benennt, die allesamt in diesem Werk verhandelt werden: Basierend auf einem Teil der biblischen Josephsgeschichte begegnen wir dem Protagonisten als Sklave des Potiphar, der nach einem ausladenden Fest von dessen Frau sexuell bedrängt wird. Doch dabei wird sie von ihrem Mann überrascht, und um von sich abzulenken, gibt sie nun vor, sie selbst sei Opfer eines Übergriffes von Joseph. Dem harten Urteil entgeht dieser nur mit Hilfe einer höheren Macht. Mit »Josephs Legende« stellt sich der Choreograf der Herausforderung, dieses bildgewaltige Ballett nach seinem konzeptionellen Zugriff in eine neue Sprache zu übersetzen; ein Unterfangen, bei dem eine gewisse Wildheit erst einmal gezähmt werden will, wie Celis es beschreibt: »Diese Musik von Richard Strauss fühlt sich an, als sei ich eingesperrt in einen Käfig mit einem feuersprühenden Drachen.«

Hineingeboren wurde dieses Werk, uraufgeführt 1914 in Paris, in den Vorabend des Ersten Weltkriegs. Es fungiert in seiner Dekadenz als Symbol einer am Abgrund stehenden Gesellschaft, über die die Katastrophe hineinbrechen wird – bis zu diesem Untergang allerdings feiert man Feste und betäubt sich mit sinnlichen Genüssen.

 

Ballettabend von Alexei Ratmansky & Stijn Celis zur Musik von Richard Strauss

 

Choreografie: Alexei Ratmansky

Musik: Richard Strauss

Licht: Patrik Bogårdh

Kostüme: Yumiko Takeshima

Josephs Legende

 

Choreografie: Stijn Celis

Musik: Richard Strauss

Licht & Bühne: Jens Sethzman

Kostüme: Catherine Voeffray

Dramaturgie: Stefan Ulrich

Musikalische Leitung: Paul Connelly

 

Semperoper Ballett

Sächsische Staatskapelle Dresden

 

Weitere Aufführungen finden am 30. Juni, 5., 9. und 11. Juli sowie wieder am 8., 12., 14. und 17. November 2014 statt.

Der Ballettabend ist zudem Teil der »Richard-Strauss-Tage« vom 6. bis 23. November 2014.

 

Kostenlose Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn.

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 18 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑