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Lessingtage 2016 - 'Um alles in der Welt' - Thalia Theater Hamburg, 23. Januar - 7. Februar 2016Lessingtage 2016 - 'Um alles in der Welt' - Thalia Theater Hamburg, 23....Lessingtage 2016 - 'Um...

Lessingtage 2016 - 'Um alles in der Welt' - Thalia Theater Hamburg, 23. Januar - 7. Februar 2016

Die Lessingtage 2016 stellen die Frage nach dem NEUEN WIR. Die entscheidende Aufgabe des 21. Jahrhunderts ist die Arbeit an einer kosmopolitischen Kultur und an einer weltoffenen, durch Diversität geprägten Gesellschaft – das war der Kerngedanke der Lessingtage von Anfang an. Niemand weiß genau, wie das geht, und doch ist in Deutschland in den letzten Jahren viel Raum für ein transnationales, interreligiöses und interkulturelles Leben entstanden. Diese Utopie hatte vor 200 Jahren schon der Dramatiker und Poet Lessing mit seiner hochexplosiven Ringparabel im Sinn. Aber wie geht das konkret? Jürgen Habermas, einer der bedeutendsten lebenden politischen Philosophen der Gegenwart, forderte vor einigen Jahrenvisionär eine „Weltinnenpolitik“.

 

Das ist der übergeordnete Horizont dessen, was Europa und auch uns im Theater derzeit beschäftigt. Möglicherweise ist die Schuld, die die Bürger Europas auf sich geladen haben, als sie mit ihren Steuergeldern an der Grenze zu Afrika Jahr für Jahr mehr Menschen sterben ließen als je an der innerdeutschen Grenze – die einen ertranken, die anderen verreckten im Stacheldraht – weitaus unerträglicher und schrecklicher als die aktuelle „Zumutung“, mit Millionen Flüchtlingen umzugehen. Zur Wahrheit gehört außerdem, dass die Nordhalbkugel derzeit für ihre Schuld zahlt, die sie mit kolonialem und postkolonialem Handeln über Jahrhunderte auf sich geladen hat.

 

Flucht, Emigration und Vertreibung lagen in der Geschichte der Menschheit oft Katastrophen zugrunde, aber man darf trotz vielfacher Tragik nicht vergessen, dass hieraus oft auch neue Chancen entstanden: die Chance zu einer neuen Gesellschaft, zu einer neuen Identität, auch kulturell…Die jüdische wie die christliche Religion haben hieraus von Anfang an ihre Identität begründet, sind ohne innere Bilder von Flüchtlingstrecks gar nicht zu verstehen. Die Weltmacht USA ist Ergebnis von Emigration und Völkermord, und ganz allgemein sind Völkerwanderungen in der Menschheitsgeschichte stets Motor und Urheber dynamischer Prozesse gewesen. Derzeit hat Europa jenseits aller humanitären Überlegungen die Chance auf eine spezielle Variante des materialistischen Tauschhandels: Wenn wir einen Teil unseres Wohlstands abgeben, gewinnen wir durch das Neue, durch das Fremde, gesellschaftliche und demografische Dynamik... Aus all diesen Gründen stellen wir mit unserem Festival die Frage nach dem „NEUEN WIR“. Wie kann es in gemeinsamer Verantwortung für das Zusammenleben entstehen? In Hamburg, in Deutschland, in Europa? Und wollen wir das überhaupt? Und wenn ja, wie lässt es sich gestalten? Wie kann man Solidarität wieder zu mehr Geltung verhelfen? Um diese Fragen sind die Gedanken gekreist, als wir im Thalia das Programm entwarfen.

 

Das Theater ist ein Ort der Kunst. Und das Theater ist ein Ort des Sozialen. Das eine ist ohne das andere gar nicht zu haben. Wir entwickeln das Soziale aus dem Künstlerischen, und das Künstlerische aus dem Sozialen. Bis zum Schluss haben wir das Programm geändert und verworfen. Ein Beispiel: anstatt der großen Eröffnungsrede, die in den letzten Jahren Persönlichkeiten wie Ilija Trojanow, Navid Kermani, Liao Yiwu, Auma Obama oder Richard Sennett gehalten haben, haben wir uns entschieden, in diesem Jahr einen großen BÜRGERGIPFEL für das derzeit entstehende NEUE HAMBURG als Auftakt des Festivals einzuberufen – der Starredner sind diesmal wir alle – ein Gemeinschaftswerk.

 

Schließlich gibt es in diesem Jahr wieder starke künstlerische Handschriften und Statements zur Gegenwart. Wir setzen bei den zahlreichen internationalen Gastspielen auf Ihre Neugierde! Ein absolutes Highlight sind beispielsweise die Festival-Stars von „FC Bergman“ im Großen Haus. Sie erzählen davon, wie es ist, in einer homogenen Gesellschaft zu leben. Besonders neugierig sind wir auch auf eine syrische „Antigone“ mit 17 Frauen, die in Beirut im Exil leben. Zum ersten Mal beim Festival ist auch der Schweizer Dokumentartheatermacher Milo Rau. Ein besonders fröhlicher Abend verspricht „Heimatlieder“ zu werden, Nicolas Stemann kommt mit einem modernen „Kaufmann von Venedig“ der Münchner Kammerspiele, Yael Ronen, als gar nicht so heimlicher Publikumsliebling, kommt wieder, und ebenso ein in Südafrika entstandener Tanztheaterabend der Argentinierin Constanza Macras. Schauen Sie vorbei. Und vor allem: Bleiben Sie nach den Vorstellungen noch ein bisschen – irgendetwas ist immer: eine Begegnung mit Künstlern, ein gemeinsames Essen, eine Party und andere Formen des NEUEN WIR.

Joachim Lux, Sandra Küpper

 

Programm

 

Thalia Theater

 

Das Neue Wir - Ein Bürgergipfel von und für (Neu-)Hamburger

Von Mark Terkessidis und 500 Neubürgern

Am 24. Januar um 11 Uhr im Thalia Theater

 

Thalia Theater / NT Gent

Früchte des Zorns

von John Steinbeck

Regie Luk Perceval

Premiere am 23. Januar, weitere Vorstellungen am 24. Januar und am 5. Februar

Im Anschluss an die Vorstellung am 24. Januar: Gespräch mit Luk Perceval und Ensemble

 

Constanza Macras / Dorky Park

ON FIRE

Regie & Choreografie Constanza Macras

Vorstellung am 26. Januar

Im Anschluss Friedrich von Borries (Gesellschaftsdesign) im Gespräch mit Constanza Macras

 

Thalia Theater

Die Schutzbefohlenen

von Elfriede Jelinek

Regie Nicolas Stemann

Vorstellung am 27. Januar

Im Anschluss Tischgespräche auf der Thalia Bühne

 

Toneelhuis, Antwerpen

300el x 50el x 30el

von & mit FC Bergman

Vorstellungen am 30.+31. Januar

Im Anschluss an die Vorstellung am 31. Januar Catarina Felixmüller (NDR) im Gespräch mit FC Bergman

 

Münchner Kammerspiele

Der Kaufmann von Venedig

von William Shakespeare

Regie Nicolas Stemann

Vorstellungen am 3.+4. Februar

Im Anschluss an die Vorstellung am 4. Februar Friedrich von Borries (Gesellschaftsdesign) im Gespräch mit Nicolas Stemann, Benjamin von Blomberg und dem Ensemble

 

Produktion Run United, Berlin

Heimatabend - Heimatlieder aus Deutschland

Moderiert von Mark Terkessidis und Jochen Kühling

Vorstellung am 6. Februar

 

Thalia Theater

Lange Nacht der Weltreligionen: Prophetie und Gerechtigkeit

Am 7. Februar

In der Pause und im Anschluss Gespräch und Austausch bei Tee und Gebäck in den Foyers

 

*****

 

Thalia Gaußstraße

 

Thalia Theater

'anˌ kɔmən - Unbegleitet in Hamburg

Regie Gernot Grünewald

Vorstellungen am 23.,24.+25. Januar

 

Christophe Meierhans, Brüssel

You take the words right out of my mouth

von Christophe Meierhans

Vorstellungen am 24.,25.,26. + 28. Januar

Vernissage mit Christophe Meierhans am 24. Januar

 

Theater NO99, Tallinn

NO43 Abschaum

Regie Tiit Ojasoo und Ene-Liss Semper

Deutschlandpremiere am 24. Januar, weitere Vorstellung am 25. Januar

Im Anschluss an die Vorstellung am 25. Januar Catarina Felixmüller (NDR) im Gespräch mit Tiit Ojasoo, Ene-Liis Semper und Eero Epner

 

Thalia Theater

Imperium

nach dem Roman von Christian Kracht

Regie Jan Bosse

Vorstellung am 26. Januar

 

Shanghai Dramatic Arts Center / Hong Kong Arts Festival

Die Masse

von Nick Yu Rong Jun

Regie Tang Wai Kit

Deutschlandpremiere am 28. Januar, weitere Vorstellung am 29. Januar

Im Anschluss an die Vorstellung am 29. Januar Iris Radisch (Die ZEIT) im Gespräch mit dem Ensemble

 

Thalia Theater

Srebrenica – „I counted my remaining life in seconds…“

Ein Projekt von Branko Šimić und Armin Smailovic

Vorstellung am 31. Januar

Im Anschluss Gespräch mit Branko Šimić, Armin Smailovic, Jens Harzer und Vernesa Berbo

 

Beirut / Les Bancs Publics, Marseille

Antigone of Shatila

von Mohammad al-Attar

Regie Omar Abusaada

Vorstellung am 1.+2. Februar

Im Anschluss an die Vorstellung am 1. Februar syrisches Essen im Ballsaal; im Anschluss an die Vorstellung am 2. Februar Friedrich von Borries (Gesellschaftsdesign) im Gespräch mit Omar Abusaada und Ensemble

 

Maxim Gorki Theater, Berlin

The Situation

von Yael Ronen & Ensemble

Regie Yael Ronen

Vorstellungen am 3.+4. Februar

Im Anschluss an die Vorstellung am 4. Februar Catarina Felixmüller (NDR) im Gespräch mit Yael Ronen und Ensemble

 

Thalia Theater

Ich rufe meine Brüder

von Jonas Hassen Khemiri

Regie Anton Kurt Krause

Vorstellung am 5. Februar

 

Schaubühne Berlin

Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs

von Milo Rau

Vorstellungen am 6.+7. Februar

Im Anschluss an die Vorstellung am 7. Februar Iris Radisch (Die Zeit) im Gespräch mit Ursina Lardi

 

*****

 

Festivalzentrum und andere Aufführungsorte

 

Festivalzentrum

Eröffnungsparty

mit DJane Baba Electronica und Special Guest

Am 23. Januar

 

Pink Palace (Reeperbahn 140)

Herzzentrum IX: Ungläubiges Staunen. Über das Christentum

von und mit Navid Kermani

Vom 24. Januar - 5. Februar

 

Thalia Gaußstraße (Ballsaal)

Silent Disco (Kopfhörerparty)

Am 31. Januar ab 22.30

 

Nachtasyl

Public DJing

Am 3. Februar ab 22 Uhr

 

VOLT/Karolinenstr. 45

Franz von Strolchen, Österreich/Mazedonien

Fictional State - Trilogie des Zusammenlebens Vol. 3

von Franz von Strolchen

Vorstellung am 5. Februar

 

Festivalzentrum

Die Kunst der Verantwortung

Vernissage vom 23. Januar - 7. Februar

 

Festivalzentrum / Hochschule für bildende Künste (Lerchenfeld 2)

Die Kunst der Flucht

Vernissage vom 23. Januar - 7. Februar

 

Festivalzentrum

Nino Haratischwili: Das achte Leben (Für Brilka)

Moderation Iris Radisch

Lesung und Gespräch am 28. Januar

 

Nachtasyl

Public DJing

Am 3. Februar

 

Thalia Theater

Abschlussparty mit DJane Gudrun Gut und dem Ensemble

Am 6. Februar ab 22 Uhr auf der Thalia Bühne

 

*****

 

Stadtführungen

 

Stadtführung 1

Hamburg und die europäische Einwanderung

Am 24.+27. Januar und am 6. Februar

Treffpunkt: U-Bahn Landungsbrücken (Ausgang: Hafentor/Eichholz)

 

Stadtführung 2

Lessing, das Nationaltheater und die Theaterwelt Hamburgs vom Barock bis heute

Am 31. Januar und 3. Februar jeweils um 11 Uhr

Treffpunkt: Vor dem Thalia Theater

 

Stadtführung 3

Lessing und Struensee und die Aufklärung in Altona

Am 31. Januar um 14 Uhr

Treffpunkt: Vor der Apotheke, Königsstraße Ecke Holstenstraße (S-Bahn Reeperbahn: Ausgang Endo-Klinik)

Thalia Treffpunkt / Thalia und Schule

 

Thalia Gaußstraße (Garage)

Gott und die Welt und ich - Am Anschlag

Vorstellung am 29. Januar um 11 und 19 Uhr

 

Thalia Gaußstraße (Garage)

Believe 2.0

Vorstellung am 4. Februar um 11 Uhr

 

Thalia Theater (Eingangsfoyer)

Präsentation zur „Langen Nacht der Weltreligionen“

Ausstellung am 7. Februar um 17.30

Für Gäste der „Langen Nacht der Weltreligionen“ Eintritt frei

 

*****

 

Lessingtagebuch: Die Thalia-Pfadfinder bloggen über die Lessingtage

 

Zur Spielzeit 2015/16 starten wir zum sechsten Mal ein einzigartiges Projekt: Wir suchen junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, die Lust auf Theater haben, und zwar vom Blickwinkel ihrer kulturellen Wurzeln aus. Es geht um Sehen, Erleben & Bloggen von und übers Theater, im Zeitraum November 2015 bis Januar 2016. Du brauchst dazu keine einschlägigen Erfahrungen im Theaterbereich, unsere Theaterprofis (Dramaturgen, Regisseure, Pädagogen, uvm.) geben dir in verschiedenen Workshops das nötige Handwerkszeug mit auf den Weg und stehen dir stets mit Rat und Tat zur Seite.

 

Mit der Inszenierung „Früchte des Zorns“ steht ein Theatererlebnis im Fokus, das den Klassiker John Steinbecks auf die Bühne bringt und von Aufbruch und Hoffnung auf ein neues Leben erzählt. In rund sieben Workshops und Treffen mit Mitarbeitern verschiedener Abteilungen des Thalia Theaters erlebst du als Pfadfinder etwa einmal wöchentlich exklusiv, wie eine internationale Produktion entsteht: unser leitender Regisseur Luc Perceval (zuletzt Arbeiten wie „Liebe. Trilogie meiner Familie 1“, „Die Blechtrommel“, „FRONT“) arbeitet diesmal mit einem internationalen Ensemble zusammen.

 

Und so nähert sich die Gruppe der Pfadfinder (10-15 Teilnehmer) den drängenden Fragen des 21. Jahrhunderts. Wie verhalten wir uns heute gegenüber denen, die sich auf den Weg gemacht haben? Wie sieht das Leben in Europa in Wirklichkeit aus? Welche Verantwortung hat Europa, hat „der Westen“ gegenüber den gesellschaftlichen Krisen der letzten Jahre und in Zukunft? Und welche Position nimmt das Theater dabei ein? Das Theater wird zum Ort lebendiger Debatten um Gesellschaft, Demokratie und Moral, Themen, die uns alle beschäftigen – über alle Kulturen hinweg.

 

Die Premiere eröffnet gleichzeitig das Festival „Um alles in der Welt – Lessingtage 2016“. Du erhälst als Pfadfinder einen Festivalpass, der dir freien Zugang zu den vielen nationalen und internationalen Gastspielen und Veranstaltungen ermöglicht: Du wirst für zwei Wochen Festivalblogger und postest deine Reflektionen im Lessingtagebuch. So wird der Festivalblog zur Plattform einer interkulturellen Generation – im Dialog mit dem Theater und der vielfältigen modernen Stadtgesellschaft

 

*****

 

www.thalia-theater.de/de/international/lessingtage/

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