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Milo Rau gewinnt Ersten Konstanzer Konzilspreis

"Europa ist eine Festung aus Eigeninteressen", sagt Milo Rau in einem programmatischen Gespräch in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Theater der Zeit". Der Autor und Regisseur wird im November mit dem erstmals vergebenen "Konstanzer Konzilspreis. Preis für europäische Begegnungen und Dialog" ausgezeichnet. Der Georg-Büchner-Preisträger Adolf Muschg, von den Kuratorinnen und Kuratoren des Konstanzer Konzilspreises (u.a. dem Bundesminister für Finanzen Dr. Wolfgang Schäuble und dem Präsidenten des Deutschen Bundestags Norbert Lammert) zum alleinigen Juror benannt, hatte sich überraschend für Rau als ersten Preisträger entschieden.

Der "Konstanzer Konzilspreis, Preis für Europäische Begegnungen und Dialog" wird in einem Turnus von zwei Jahren an Menschen verliehen, die sich mit besonderem Engagement für ein Europa der Begegnungen einsetzen. Erstmalig wird der Preis im Rahmen des Konziljubiläums im November 2015 an Milo Rau verliehen.

 

In seinem jüngst erschienen Europa-Essay im "Tages-Anzeiger" und in einem programmatischen Gespräch in "Theater der Zeit" erklärt Milo Rau seine Sicht auf Europa und wie eine 'engagierte' Kunst für ihn heute aussehen muss, um im globalen Kapitalismus Wirkung zu zeigen. Der umstrittene Schweizer Autor, Regisseur und Aktivist, so die Begründung des Kuratoriums für die ungewöhnliche Wahl, "prägt mit aufsehenerregenden Inszenierungen das politische Theater in Europa." Die Stücke, Filme und Bücher von Rau und seinem IIPM - International Institute of Political Murder sind aktuell in über 30 Ländern präsent, er zählt damit zu den weltweit meistdiskutierten Künstlern unserer Zeit.

Übergeben wird der mit 10.000 Euro dotierte Konstanzer Konzilspreis am 5. November 2015 im Konstanzer Konzilsgebäude. Die Laudatio hält der Autor und Intellektuelle Adolf Muschg.

 

Derweil haben die Proben für Milo Raus Monolog "Mitleid / Compassion" an der Berliner Schaubühne begonnen. Das Stück wird am 7. Dezember am Nationaltheater in Rennes Vorpremiere feiern und ab Januar nach Deutschland (Schaubühne Berlin, Thalia Theater Hamburg) und in die Schweiz (Théâtre Vidy Lausanne) weiterreisen. In der Hauptrolle zu sehen ist die Schauspielerin Ursina Lardi.

 

Voraufführung Dezember 2015, Nationaltheater Rennes (FR)

Uraufführung Januar 2016, Schaubühne am Lehniner Platz (DE)

 

Seien es die Bilder der Ertrunkenen am Mittelmeerstrand, die Bürgerkriegs- und Krankheitsopfer in Zentralafrika oder die Verwüstungen, die Tsunamis und Erdbeben anrichten: Die Krisen und Unglücksfälle unserer Zeit sind allgegenwärtig in unserer Facebook-Timeline, im Fernsehen und in den Zeitungen. Und sie alle appellieren an das wohl zentralste und komplexeste Gefühl des Menschen: das Mitleid.

 

In "Mitleid / Compassion" geht Rau gemeinsam mit der Schaubühnen-Schauspielerin Ursina Lardi auf eine Reise durch die politische Gefühlsgeschichte der Jetztzeit. Der halbdokumentarische, aus Interviews mit NGO-Mitarbeitern, Geistlichen und Emotionsforschern in Afrika und Europa gespeiste Monolog betritt dabei bewusst widersprüchliches Gelände: Wie ertragen wir das Elend der Anderen, warum schauen wir es uns an? Wie wurde aus dem Mit-Leiden eine globale Industrie? Wann ist Gefühl Politik, wann Geschäft? Wie spielen wir und wo endet es: unser aller Mitleid?

 

Ebenfalls in Vorbereitung befindet sich der 3. Teil von Raus gemeinsam mit dem Zürcher Theater Spektakel und der Schaubühne am Lehniner Platz produzierter Europa-Trilogie ("Empire") und das Kinderstück "Five Easy Pieces", das Rau mit CAMPO in Gent (Belgien) für das Kunstenfestival 2016 entwickelt.

 

Neben zahlreichen Gastspielen u. a. am Spielart Festival in München oder am Festival Sens Interdit in Lyon debattiert Milo Rau seine Arbeit am 15. Oktober an der Biennale in Venedig (mit Vincent Baudriller und Stefan Zweifel) und am 28. Oktober an der Zürcher Hochschule der Künste (mit Bernd Stegemann und Rolf Bossart).

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