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Oper Leipzig: Viktor Ullmanns Bühnenweihefestspiel »Der Sturz des Antichrist«

Premiere | Samstag 25.09.2021 | 19:00 Uhr | Opernhaus

Welchen Handlungsspielraum hat der Einzelne im Kampf gegen ein diktatorisches Regime? Dieser Frage gehen Viktor Ullmann und sein Textdichter Albert Steffen mit ihrer Oper »Der Sturz des Antichrist« vor dem Hintergrund der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten auf den Grund.

 

 

 

Copyright: Kirsten Nijhof

Ein Techniker, ein Priester und ein Künstler sind in der Gewalt eines Alleinherrschers, der ihre Dienste zur Befriedigung seiner Allmachtsfantasien einfordert. Mit Hilfe seiner drei Gefangenen möchte er sich die Erde untertan machen. Der Techniker soll durch den Bau einer Raumkapsel die Gesetze der Schwerkraft überwinden, der Priester durch die Verwandlung von Steinen in Brot den Hunger der Massen stillen, der Künstler schließlich einen Hymnus auf den Regenten verfassen. Während Techniker und Priester vor ihren Aufgaben versagen, verweigert sich der Dichter. Im Kerker schöpft er in der Zwiesprache mit einem greisen Wärter neue Kraft für seinen Widerstand gegen die Unvernunft seines Widersachers. Schließlich stürzt sich der Diktator in seinem Größenwahn selbst in die Tiefen.

Die selten gespielte Oper wurde ursprünglich für die Wiener Staatsoper komponiert, wo sie allerdings nicht mehr aufgeführt werden konnte. Nicht nur die Genrebezeichnung »Bühnenweihefestspiel« rückt das Werk in die Nähe von Wagners letzter Oper. Auch die klangliche Opulenz und der religiöse Anspruch, den die Kunst darin für sich behauptet, machen das Stück zu Ullmanns »Parsifal«. Was sich auf den ersten Blick wie eine Parabel auf die aktuelle politische Situation der Entstehungszeit vor 1933 lesen lässt, war als poetisches Konzept der anthroposophischen Lehre gedacht. Voller Schrecken stellte der Librettist Albert Steffen später fest, dass er bereits im Jahre 1928 die Greuel des aufkommenden Nationalsozialismus in seinem Drama vorweggenommen hatte. Viktor Ullmanns »Sturz des Antichrist« wurde erst 60 Jahre nach seiner Entstehung uraufgeführt. Der Komponist hat es nicht erlebt. Er wurde 1944 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet.

»Der Sturz des Antichrist«
Oper (Bühnenweihefestspiel) in drei Aufzügen
Text von Albert Steffen
In deutscher Sprache mit Übertiteln

Musikalische Leitung Matthias Foremny
Inszenierung Balázs Kovalik,
Bühne, Kostüm Stephan Mannteuffel
Video Valerio Figuccio
Licht Michael Röger
Choreinstudierung Alexander Stessin

Mit
Der Regent / Dämon des Regenten Thomas Mohr
Der Priester / Der unvollkommene Engel Dan Karlström
Der Techniker / Das Gespenst des Technikers Kay Stiefermann
Der Künstler Stephan Rügamer
Der Wärter / Greis Sebastian Pilgrim
Ausrufer Martin Petzold
Gewandhausorchester
Opernchor

Oper Leipzig PREMIERE »Der Sturz des Antichrist« am 25. Sep. 2021, Opernhaus
AUFFÜHRUNGEN 01., 10. & 17. Okt. 2021
alle Vorstellungen mit Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn
OPER LEIPZIG WERKSTATT 21. Sep. 2021, 18:00 im Opernhaus

Musikwissenschaftliches Symposium zu »Der Sturz des Antichrist«
Die Zeit der Weimarer Republik gilt als eine der produktivsten Perioden der Musikgeschichte. Durch das Aufbrechen des tonalen Systems, das zunehmende Verschwimmen der Grenzen von sogenannter ernsthafter Musik und Unterhaltungsmusik, die Durchlässigkeit von Alltagswelt und Kunst und nicht zuletzt durch die vielfältigen multiethnischen Einflüsse erfuhr das Musikleben eine nie dagewesene Öffnung und Bereicherung, die mit dem verbrecherischen Regime der Nazi-Diktatur erstickt wurde. Zahlreiche Musikerinnen und Musiker flüchteten aus Deutschland oder wurden wie Viktor Ullmann in Konzentrationslagern ermordet.

Anlässlich der Aufführung von Viktor Ullmanns selten gespieltem Werk »Der Sturz des Antichrist« widmet sich die Oper Leipzig in Kooperation mit dem Institut für Musikwissenschaften der Universität Leipzig in einem Symposium diesen dunkelsten Zeiten. Mit dem Musikwissenschaftler Ingo Schultz konnte hierfür einer der versiertesten Kenner des Lebens und Schaffens von Viktor Ullmann gewonnen

werden. Ansgar Martins vom Lehrstuhl für Jüdische Religionsphilosophie der Universität Frankfurt beleuchtet die anthroposophischen Aspekte im Werk Ullmanns. Stefan Keym, Professor am Institut für Musikwissenschaften der Universität Leipzig, ordnet den »Sturz des Antichrist« in den Kontext der Weltanschauungsoper der Zwischenkriegszeit ein, ehe Manuel Gervink, Professor für Musikwissenschaften an der Hochschule Carl Maria von Weber in Dresden, Ullmanns Bühnenweihefestspiel mit Arnold Schönbergs »Moses und Aron« vergleicht, einem anderen prominenten Beispiel für Weltanschauungsopern dieser Zeit.

SYMPOSIUM »Der Menschheit wegen, Brüder« am 25. Sep. 2021, 10:00 im Konzertfoyer Opernhaus. Anmeldung erwünscht, Eintritt frei.

 

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