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Premierenreigen im Residenztheater München

ab 24. September 2021

1. «Mars» von Fritz Zorn

Premiere am 23. September, 21.30 Uhr, auf der Wittelsbacher Wiese

Konzeption & Umsetzung: Max Mayer, Jonas Vogt

www.residenztheater.de/stuecke/detail/mars

 

Copyright: Residenztheater München, "Zorn"

Erst die physische Qual seiner Krebserkrankung durchbricht für Fritz Zorn den Schutzschild einer anerzogenen «Unempfindlichkeit der Seele», erst der drohende Tod weckt seinen Widerstand gegen das Nichtlebendürfen: «Ich bin jung und reich und gebildet; und ich bin unglücklich, neurotisch und allein.» Mit diesen Worten beginnt der Schweizer Autor Fritz Zorn seine Abrechnung mit Herkunft, Familie und Erziehung. Aber: Die Besinnung auf den Tod ist auch eine Besinnung auf Freiheit. Die Kunst zu sterben, befreit den einzelnen von jeder Unterwürfigkeit und allem Zwang und bietet durch die Akzeptanz der eigenen Finalität die Möglichkeit, sich als Teil eines übergeordneten Transformationsprozesses wahrzunehmen.

Für Ensemblemitglied Max Mayer und

Bühnenbildner

Jonas Vogt bildet die Besonderheit des Areals hinter dem Marstall die Grundlage für ihre installative Auseinandersetzung mit Existenz, Verlust, Trauer und Transformation.

***

2. «Cyrano de Bergerac» nach Edmond Rostand
Premiere am 24. September, 20 Uhr, im Marstall
Inszenierung: Antonio Latella

www.residenztheater.de/stuecke/detail/cyrano-de-bergerac

Der historische Cyrano de Bergerac lebte als Dandy, Duellist und Dichter, früher aufklärerischer Philosoph und Science-Fiction-Autor im Frankreich des 17. Jahrhunderts. Berühmter als seine eigenen Werke machte ihn jedoch das Stück des neuromantischen Dramatikers Edmond Rostand von 1897, in dem die Hauptfigur seinen Namen trägt und wie das historische Vorbild als dichtender Musketier bei den Gascogner Kadetten dient. Die wahrscheinlich zweitberühmteste Nase der Weltliteratur nach der Pinocchios scheint hingegen eine Erfindung des Autors zu sein, genauso wie das fatale Dreiecksverhältnis, das die Handlung des Stücks bestimmt: Cyrano liebt Roxane, traut sich seiner Hässlichkeit wegen aber nicht, der Angebeteten seine Leidenschaft zu gestehen. Stattdessen wird er Ghostwriter seines Regimentskollegen Christian de Neuvillette, den Roxane seines schönen Äußeren wegen liebt, der aber eben keine schönen Briefe schreiben kann. Und so entspinnt sich eine virtuelle Fernbeziehung, die in Wirklichkeit eine Ménage-à-trois ist.

Der italienische Regisseur Antonio Latella und sein Co-Autor und Dramaturg Federico Bellini nehmen sich nach den «Drei Musketieren», die weiter über die Bühnen des Residenztheaters galoppieren, des zweiten großen Klassikers über ruhmreiche Fechter an. Sie machen Rostands Stück zum Ausgangspunkt einer Recherche über das Wesen des Theaters und der Liebe, in der statt der über fünfzig Figuren der Vorlage nur zwei Darsteller auf der Bühne stehen. Die beiden Männer müssen die Geschichte nun ohne das Objekt ihrer Begierde erzählen und haben somit auch keine Muse, die ihre Verse befeuern könnte.

«Alles spielt sich in einem Theater ab – wie die erste Szene bei Rostand – und darüber wird auch durchaus ironisch diskutiert: Wo gibt es in dieser Gesellschaft einen Raum, um frei zu agieren und man selbst zu sein – ob nun mit oder ohne Nase? Es geht um die Beziehung von Kunst und Macht und die Unmöglichkeit, die wahre Liebe zu finden. Es gibt hier nur eine Liebe, die aus Worten besteht. Das Wort aber ist ein Spielzeug der List und hat mit Wahrheit wenig zu tun. Cyrano macht die Bühne zu einem politischen Handlungsraum und zum Schauplatz eines Kampfs, in dem Worte als Waffen gebraucht werden. Denn im Freiraum der Bühne sind verbale Angriffe und Schmähtiraden gegen alles und jede*n erlaubt, ob sie sich nun reimen oder nicht.» Federico Bellini

***

3. «Unter Umstehenden – Einander begegnen»
Begehbare Ensemble-Fotoinstallation von Louis Panizza
Vernissage am 25. September, 18 bis 21 Uhr, im Marstall

www.residenztheater.de/stuecke/detail/unter-umstehenden-einander-begegnen


Für die Installation «Unter Umstehenden – Einander begegnen»

hat der Bühnenbildner und Künstler Louis Panizza das Ensemble des Residenztheaters gemeinsam mit dem Münchner Fotografen Magnus Lechner porträtiert und als lebensgroße Aufsteller im Marstall in einem großen, dichten Kreis positioniert. Der Blick der Schauspieler*innen richtet sich nach innen, auf den Betrachtenden, der jeweils einzeln in die Mitte der Installation geführt wird. In mal mehr und mal weniger dynamischer Pose scheinen die umstehenden Figuren sich auf den Betrachtenden zuzubewegen. Die Intention der Bewegung und damit die Art der Begegnung unterscheidet sich je nach Pose, Mimik und Gestik. Die Vielfalt und die Intensität der Annäherung werfen bei dem Betrachtenden die Frage auf, was  eine echte Begegnung ausmacht.

«In der Installation lässt sich Gemeinschaftlichkeit betreten - für jede*n einzeln.
Aus der Ungewissheit und aus dem Dunkel heraus tritt der Betrachtende in einen Zwischenraum ein. Und dort im Zentrum,
wo sich die Energien und Blicke konzentrieren, wird der komplette Horizont vielfältiger Annäherung sichtbar. Ein Panorama der Möglichkeiten, aber auch der Unsicherheit. Hinwenden, Abwenden? Was ist die Motivation der Umstehenden? Die Installation erzeugt durch ihre Ambivalenz eine Atmosphäre von energischer Inaktivität, von drängendem Zögern. Jede Begegnung ist eine Herausforderung. Aufeinander zugehen oder zaudern? Was ist eine echte Begegnung und was ist lediglich ein Annähern an eine Imago?

Der Drang, Ereignisrückstände aufzuholen, auch wenn die Zeit wie gewohnt langsam schreitet, überfällt uns. Aber immerhin bewegt
sie sich. Es bewegt sich ja doch was.»
(Louis Panizza)

+++

4: «Die Träume der Abwesenden»; Eine Trilogie («Leas Hochzeit» – «Heftgarn» – «Simon») von Judith Herzberg
Premiere am 26. September, 17 Uhr, im Residenztheater
Inszenierung: Stephan Kimmig

www.residenztheater.de/stuecke/detail/die-traeume-der-abwesenden


Judith Herzberg zeichnet in ihrer Trilogie mit feinem Humor und leichter Hand das Porträt einer jüdischen Großfamilie aus Amsterdam zwischen den 1970er-Jahren und der Jahrtausendwende. Es ist eine Chronik der Gefühle und verwickelten Beziehungen. In einem Reigen über drei Generationen hinweg wird geheiratet, werden Kinder gezeugt, finden Trennungen statt, wird sich neu verliebt – und wieder geheiratet. Nach außen hin führen die Familienmitglieder und ihre Freund*innen das alltägliche Leben ihrer Zeitgenoss*innen, und wenn sie sich bei Hochzeiten oder Begräbnissen treffen, wird geredet, getanzt, geliebt und gestritten.

Doch ganz beiläufig und unvermittelt zeigen sich hinter der fröhlichen Fassade Einblicke in ein verwundetes Seelenleben. Es sind die Geschichten von Überlebenden des Holocaust und ihrer Nachkommen, in deren Körper sich die Traumata der Verfolgung und Shoah tief eingeschrieben haben. Sich von der Vergangenheit zu lösen, scheint unmöglich, und wie ein unsichtbares Vermächtnis werden die Bilder und Erinnerungen von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Aber trotzdem geht ihr Leben weiter, sie tanzen, lieben, heiraten aufs Neue und bleiben dabei unentwegt auf der Suche nach einem Neuanfang.

Die Lyrikerin und Dramatikerin Judith Herzberg, geboren 1934 in Amsterdam, überlebte als Kind den Holocaust bei einer «Kriegsmutter» auf dem Land. Sie wurde für ihr literarisches Werk mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem höchsten Preis für niederländische Literatur. Stephan Kimmig ist ein langjähriger künstlerischer Wegbegleiter von Judith Herzberg und ihrem groß angelegten Schreibprojekt. Für «Die Träume der Abwesenden», Stephan Kimmigs erste Arbeit am Residenztheater, hat sie darüber hinaus den Monolog «Die Linkshändigen» zur Verfügung gestellt, der im Rahmen der Trilogie uraufgeführt wird.

 

 

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