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RICHARD STRAUSS - ARIADNE AUF NAXOS - Wiener StaatsoperRICHARD STRAUSS - ARIADNE AUF NAXOS - Wiener StaatsoperRICHARD STRAUSS -...

RICHARD STRAUSS - ARIADNE AUF NAXOS - Wiener Staatsoper

Premiere 19. Dezember 2012, 19.30 Uhr. -----

So zufrieden und beglückt Strauss und Hofmannsthal nach Beendigung der zweiten Fassung der

Ariadne auf Naxos auch waren, so mühsam war der Weg der Entstehung. Die erste Fassung, bei

der die einaktige Oper Ariadne auf Naxos im Anschluss an Molières Der Bürger als Edelmann

gespielt wurde, zeigte sich als im Alltag wenig tauglich.

Also schufen Strauss und Hofmannsthal anstelle des Molière-Stückes jenes Vorspiel, das die unmittelbar vor der Aufführung der eigentlichen Oper Ariadne vorangehenden Minuten „im Haus des reichsten Mannes von Wien“ beschreibt. In dieser an der Wiener Staatsoper uraufgeführten Fassung wurde das Werk schließlich ein Welterfolg.

 

Vorspiel

Der reichste Mann von Wien, ein Mäzen ohne rechten Kunstverstand, in kulturellen Belangen mehr Gourmand als Gourmet, will die Gäste einer Soiree in seinem Palais durch ein besonders üppiges Angebot verwöhnen: Zuerst ein opulentes Mahl, dann die Premiere der neuen Oper "Ariadne auf Naxos", darauf ein "Singspiel in der italienischen Buffo-Manier", schließlich punkt neun Uhr ein krönendes Feuerwerk. Der Haushofmeister lässt den beteiligten Künstlern diese Abfolge ausrichten. Die Vertreter der seriösen Gattung, vorab der Musiklehrer und der junge Komponist des Auftragswerkes, sind über das komische Nachspiel empört. Das Komödiantenquintett hingegen findet sich mit der Situation leicht ab, zumal der Tanzmeister ihnen den größeren Publikumserfolg voraussagt. Als man sich eben zum vorgesehenen Beginn anschickt, lässt der Hausherr über seinen arroganten Vertreter eine neuerliche Sinnesänderung bestellen: Die beiden gegensätzlichen Stücke sollen nicht hintereinander, sondern in geraffter Form gleichzeitig über die Bühne gehen. Denn der Geldprotz findet den mythischen Schauplatz einer wüsten Insel armselig und geschmacklos, daher soll das Personal aus der Posse diesen unerfreulichen Mangel vergessen machen. Der Musiklehrer ist ratlos, der labile Schöpfer der Oper verzweifelt an der Welt. Die Primadonna und der Tenor wollen gar nicht auftreten und beruhigen sich erst, als sie hören, dass bei der neuen Fassung nur die jeweils andere Rolle gekürzt wird. Der findige Tanzmeister erklärt seiner Truppe kurz die Handlung der Oper und empfiehlt einen improvisierten Einstieg bei passender Gelegenheit. Sogar den irritierten Komponisten kann er mit dem Hinweis auf die Laufbahn seiner Vorbilder vorübergehend beruhigen. Doch die trivial-frivolen Worte, mit denen Zerbinetta ihren Partnern den Ariadne-Stoff erklärt, erregen ihn neuerlich. Aber mit äußerster Raffinesse vermag ihn die hübsche Kokette zu umgarnen: Auch sie könne einem Mann treu bleiben, wenn ihr nur erst der richtige begegne . . .

 

In leidenschaftlicher Euphorie bekennt sich der junge Künstler zu seiner "heiligen Musik" und sieht das Leben plötzlich in leuchtenden Farben, ehe ihn das grelle Auftreten der Komödianten in die Realität zurückholt. Die Ereignisse nehmen indessen ihren Lauf, und dem Komponisten bleibt nur der Vorwurf an seinen Lehrer: "Wer hieß Dich mich zerren . . . in diese Welt hinein? Lass mich erfrieren, verhungern, versteinen in der meinigenl"

 

Die Oper

Die von Theseus auf der Insel Naxos verlassene Königstochter Ariadne will in ihrer tiefen Trauer nur noch vergessen und erwartet sehnsüchtig den Tod. Die drei Naturgeister Najade, Dryade und Echo kommentieren ihren trostlosen Zustand. Da schalten sich Zerbinetta und ihre Verehrer ein. Doch das aufmunternde Lied des Harlekins verfehlt seine Wirkung. In einem großen Monolog nimmt der Todeswunsch Ariadnes visionäre Gestalt an. Wieder treten die Komödianten auf: "Es gilt, ob Scherzen, ob Singen tauge, von Tränen zu trocknen ein schönes Auge." Und Zerbinetta versucht in einer Bravourarie den Trost von Frau zu Frau ("Wer ist die Frau, die es nicht durchgelitten hätte? Verlassen! In Verzweiflung! Ausgesetzt!") und verkündet, als sich Ariadne in ihre Höhle zurückgezogen hat, ihr eigenes Lebensprinzip des ständigen Wandels: "Als ein Gott kam jeder gegangen, und sein Schritt schon machte mich stumm ..." Dann spielt sie in einer Stegreifkomödie ihre Anbeter, den einfältigen Brighella, den verwegenen Scaramuccio und den täppischen Truffaldin, gegeneinander aus und schenkt Harlekin ihre Gunst.

 

Da verkünden die Naturgeister eine neue Wendung. Der junge Gott Bacchus hat sich aus den Armen der Zauberin Circe gelöst und naht auf seinem Schiff. Sein Anblick lässt Ariadne zuerst an ihren Geliebten Theseus, dann an den Todesboten Hermes denken. Doch Bacchus verheißt ihr an seiner Seite eine glückliche Zukunft: "Ich sage Dir, nun hebt sich erst das Leben an für Dich und mich!" Was den Künsten der Circe mißlungen war, erlebt er jetzt an sich als wunderbare Verwandlung im Gefühl erster Liebe: Du! Alles Du! Ich bin ein anderer, als ich war! Der Sinn des Gottes ist wach in mir ..."

Und als Ariadne an seinem Arm ihrer Bestimmung folgt ("Lass meine Schmerzen nicht verloren, bei Dir lass Ariadne sein!"), macht sich Zerbinetta aus der Kulisse ihren zweideutigen Reim: "Kommt der neue Gott gegangen, hingegeben sind wir stumm!"

Spielplansuche

 

OPER IN EINEM AKT NEBST EINEM VORSPIEL | TEXT: HUGO VON HOFMANNSTHAL

 

Dirigent: Franz Welser-Möst / Jeffrey Tate

Regie: Sven-Eric Bechtolf

Bühne: Rolf Glittenberg

Kostüme: Marianne Glittenberg

Licht: Jürgen Hoffmann

 

PERSONEN DES VORSPIELS:

Der Haushofmeister.. . . . . . . . . . . . . . . . Peter Mati´c °

Ein Musiklehrer.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jochen Schmeckenbecher

Der Komponist.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Christine Schäfer °

Der Tenor. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Stephen Gould*

Ein Offizier.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Daniel Lökös

Ein Tanzmeister. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Norbert Ernst

Ein Perückenmacher.. . . . . . . . . . . . . . . . Wolfram Igor Derntl

Ein Lakai.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Marcus Pelz

Zerbinetta.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Daniela Fally

Primadonna.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Krassimira Stoyanova*

Harlekin. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Adam Plachetka*

Scaramuccio.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Carlos Osuna*

Truffaldin.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Andreas Hörl*

Brighella.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Pavel Kolgatin*

 

PERSONEN DER OPER:

Ariadne.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Krassimira Stoyanova*

Bacchus.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Stephen Gould*

Najade.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Valentina Nafornit˘a*

Dryade.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Margarita Gritskova*

Echo.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Olga Bezsmertna*

Zerbinetta.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Daniela Fally

Harlekin. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Adam Plachetka*

Scaramuccio.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Carlos Osuna*

Truffaldin.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Andreas Hörl*

Brighella.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Pavel Kolgatin*

 

Reprisen: 22., 26., 29. Dezember 2012, 2. Jänner 2013

 

Sonntag, 16. Dezember 2012, 11.00 Uhr: Einführungsmatinee mit Mitwirkenden der Premiere

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Lesezeit für diesen Artikel: 29 Minuten



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