Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Sławomir Mrożek, "POLIZEI", Theater an der Ruhr gGmbH, Mülheim an der RuhrSławomir Mrożek, "POLIZEI", Theater an der Ruhr gGmbH, Mülheim an der RuhrSławomir Mrożek,...

Sławomir Mrożek, "POLIZEI", Theater an der Ruhr gGmbH, Mülheim an der Ruhr

Premiere 06. Oktober 2016, 19:30. -----

Slawomir Mrozeks Komödie "Polizei" thematisiert die Erfahrungen mit den diktatorischen Verhältnissen zur Zeit der fünfziger Jahre in Polen und führt in eine widersinnige Realität, deren komische Absurdität geradezu anarchisch wird. Immer schon war das Komische, der Witz eine scharfe Waffe der Aufklärung, wie auch Mrozeks Komödie.

"Dieses Stück", so der Autor, "enthält nichts außer dem, was es enthält, also: keine Anspielungen auf irgend etwas und keine Metaphern. Zwischen den Zeilen steht nichts." Der letzte Gefangene geht von Bord und unterschreibt die Erklärung, in einem vorbildlich organisierten und gerechten Staat zu leben. Der Kommandant der Polizei bemüht sich, ihn an seine oppositionelle Haltung zu erinnern, an seinen Bombenwurf auf einen General des Landes, vergeblich. Der letzte Oppositionelle lobt die Errungenschaften der Gesellschaft und muss schließlich frei gelassen werden. Nun gerät die Polizei unter Druck, da es keine Verbrechen mehr zu bekämpfen gibt und ihre Funktion, Staat und Gesellschaft zu schützen, obsolet wird. In der Not überredet der Kommandant einen vorbildlichen Mitarbeiter, Unruhe zu verbreiten, um doch Aufruhr zu stiften, doch auch das misslingt. Der letzte Ausweg: der vorbildliche Mitarbeiter selbst wird verhaftet.

 

Sławomir Mrożeks satirisches "Drama aus der Sphäre der Gendarmen", 1958 erschienen, zeichnet eine Gesellschaft, der die Fähigkeit zur Anpassung zur zweiten Natur geworden ist, die totalitären Verhältnisse müssen nicht länger durch die Autorität der Institutionen erzwungen werden, die einzelnen Mitglieder der Gesellschaft sorgen selbst dafür, dass die Idee des Widerstands unmöglich wird.

 

Jo Fabian arbeitet als Autor, Regisseur, Choreograph, Bühnen- und Kostümbildner, Lichtdesigner, Komponist, Videokünstler, Theaterproduzent, Zeichner und Programmierer. Er ist 1960 in Berlin (DDR) geboren. Nach seiner Ausbildung an der Staatlichen Schauspielschule in Rostock wird er an verschiedenen Stadttheatern der DDR als Schauspieler engagiert. Seit 1984 inszeniert Jo Fabian selbst. 1989 gründet er die Freie Theatergruppe DEPARTMENT und inszeniert dort meist eigene Texte. Parallel arbeitet er auch weiterhin als Regisseur an deutschen Stadt- und Staatstheatern und im Ausland. Dort geht er überwiegend von Textvorlagen anderer Autoren aus. In mehr als 60 Inszenierungen hat Jo Fabian ein eigenes Theaterkonzept entwickelt, das an die französische Avantgarde der Zwanzigerjahre anknüpft und auf wesentliche Elemente des Surrealismus zurückgreift. Sein Konzept eines Spektralsurrealismus erforscht die Mechanismen des Unbewussten und dessen Einfluss auf die künstlerische Produktion und deren Wahrnehmung durch den Zuschauer. Jo Fabian nutzt und verbindet hierbei Ausdrucksformen unterschiedlicher Genres wie Schauspiel, Tanz, Performance, Konzert und Installation. 1994 wurden zwei seiner DEPARTMENT-Produktionen (Whisky & Flags und Keine Gnade) zum Berliner Theatertreffen eingeladen. 1999 erhielt Jo Fabian den „Deutschen Produzentenpreis für Choreographie“. 2013 wurde seine Hallenser Inszenierung Die Weber zum Berliner Theatertreffen nominiert. Neben seinen freien Produktionen in Berlin und den Niederlanden arbeitet Jo Fabian auch an Stadt- und Staatstheatern in Halle, Cottbus, Dresden, Konstanz, Magdeburg und Stuttgart. Seit 2011 besteht eine kontinuierliche und intensive Zusammenarbeit mit dem Theater an der Ruhr in Mülheim. Die jüngste gemeinsame Produktion war Anfang 2015 Anton Tschechows AUF DER GROSSEN STRASSE.

 

Regie: Jo Fabian

Dramaturgie: Helmut Schäfer

Bühnenbild: Jo Fabian

Kostümbild: Jo Fabian , Katharina Lautsch

Regieassistenz: Dijana Brnic , Stefan Kuk

 

Der Polizeipräsident

Steffen Reuber

Der Häftling, ein ehemaliger Verschwörer, später Adjutant

Albert Bork

Der Polizeisergeant, ein Provokateur

Axel Strothmann

Seine Frau

Dagmar Geppert

Der General

Petra von der Beek

Ein Polizist

Roberto Ciulli

 

20. Oktober 19:30

28. Oktober 19:30

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 17 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

MIT WILDEM FEUER - Bundesjugendorchester musiziert

Gleich zu Beginn begeisterte das Bundesjugendorchester unter der inspirierenden Leitung von Francesco Angelico mit der "Karneval"-Konzertouvertüre von Antonin Dvorak, wo Assoziationen zu Berlioz'…

Von: ALEXANDER WALTHER

DIE INQUISITION LÄSST GRÜSSEN - "Don Carlos" von Friedrich Schiller im Schauspielhaus Stuttgart

Die Inszenierung von David Bösch stellt die Personenführung psychologisch deutlich heraus. Das Bühnenbild in der Mitarbeit von Falko Herold bleibt eher blass, Leuchtstäbe erhellen das nächtliche…

Von: ALEXANDER WALTHER

STARK MYTHOLOGISCH GEDEUTET - "Rusalka" von Antonin Dvorak mit dem Theater Heidelberg im Theater Heilbronn

In der Inszenierung von Axel Vornam werden die mythologischen Aspekte dieses im Jahre 1901 in Prag uraufgeführten Werkes konsequent herausgearbeitet. Und auch im Bühnenbild von Tom Musch und den…

Von: ALEXANDER WALTHER

DIE OPER ALS TV-DRAMA

Es war eine Premiere der besonderen Art an einem historischen Ort. Zum ersten Mal gastierte das Nationaltheater Mannheim im Pfalzbau Ludwigshafen - und die Mannheimer Erstaufführung der "Hugenotten"…

Von: ALEXANDER WALTHER

MIT DEM ROSS IN DEN HIMMEL

Marco Stormans Inszenierung stellt die Unsicherheit der Figuren in den Mittelpunkt. Es ist nichts mehr so, wie es war. Die gesellschaftlichen Verabredungen scheitern. Storman arbeitet in diesem…

Von: ALEXANDER WALTHER

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑