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Schweizer Erstaufführung: «Paul Bunyan» von Benjamin Britten im Luzerner Theater

PREMIERE: 16. MÄRZ 2008, 19.30 UHR

 

Anpassung schien dem Komponisten Benjamin Britten und dem Dichter Wystan Hugh Auden die beste Strategie für ein künstlerisches Überleben, als sie vor dem Zweiten Weltkrieg aus England nach Amerika flohen. So schrieben sie 1941 gemeinsam eine Operette über einen amerikanischen Mythos: Paul Bunyan.

Zu einer Zeit, als die Neue Welt noch aus einem einzigen wilden Wald bestand, wird der Riese Paul Bunyan geboren mit einer ebenso grossen Vision: Er will kultivieren, gestalten – kurz: ein bedeutender Holzfäller werden. Der Traum geht in Erfüllung, und damit beginnt die Zivilisation eines Landes, das zu¬nächst Farmer, später Handwerker, Manager und Unternehmer bevölkern. Paul Bunyan begleitet als aktiver Vermittler zwischen Natur und Mensch die Entwicklung des Landes vom Urzustand ins industrielle Zeitalter. Nach getaner Arbeit entschwindet er mit den Worten: «Amerika ist nun das, was ihr geschaffen habt.»

 

Britten schuf zu dieser originellen, aber unkritischen Vergangenheitsverklärung eine Musik, die Einflüsse von Gaetano Donizetti ebenso verrät wie von Kurt Weill und vor allem auch auf amerikanische Idioms wie Blues und Folk zurückgreift. Später fühlte der Komponist zunehmendes Unbehagen mit seiner Anpas¬sung. Noch vor Kriegsende kehrte er nach England zurück, sein erstes musikdramatisches Werk «Paul Bunyan» liess er nach der Uraufführung1941 mehr als 30 Jahre in der Schublade – zu Unrecht, wie spätere Aufführungen belegen.

 

Der Regisseur Nicholas Broadhurst sieht in «Paul Bunyan» ein Stück über Zivilisation und Zusammenleben, über Gestaltung der Wirklichkeit und der Gegenwart. Es beschreibt eine Reise von Chaos zu Ordnung – und ist gerade in diesem Sinne eine Antwort auf die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs, währenddessen die Operette entstanden ist. Die Inszenierung bedient die verschiedenen Artikulationsebenen (Paul Bunyan ist nur zu hören, nicht zu sehen, ein Erzähler kommentiert, die Figuren sprechen und singen, wobei auch Bäume und Tiere Wort und Ton beherrschen) mit Humor und Phantasie, wobei ein hohes Tempo an Szenenwechseln herrscht. Nicholas Broadhurst erzählt die Geschichte stringent, bricht Ansätze des realistischen Erzählens aber immer wieder – so wie auch die Autoren – mit metapho¬rischen Bildern auf.

 

TEXT: WYSTEN HUGH AUDEN

IN DEUTSCHER SPRACHE

 

MIT: Tanja Ariane Baumgartner, Claire Brunner, Rebecca Egli, Sumi Kittelberger, Ephanie Koch, Maria Montero, Simone Stock, Caroline Vitale; Uwe Carstens, Howard Quilla Croft, Andrew Davis, Wieslaw Grajkowski, Joseph Guyton, Tobias Hächler, Carmine Huwiler, Ivo Kazarow, Jason Kim, Kihun Koh, Christoph Künzler, Boris Petronje, Andreas Scheidegger,

 

PRODUKTIONSTEAM: Rick Stengårds (Musikalische Leitung), Nicholas Broadhurst (Inszenierung), Struan Leslie (Choreographie, Bewegungsregie), Birgit Kronshage (Wiedereinstudierung), Brothers Quay (Bühnenbild), Timo Dentler und Okarina Peter (Kostüme), Lev Vernik (Choreinstudierung), Susanne Schmidt (Dramaturgie)

 

Chor und Extrachor des Luzerner Theaters

Luzerner Sinfonieorchester

 

WEITERE VORSTELLUNGEN: 22.3., 29.3., 2.4., 6.4. (20.00), 18.4., 26.4. (20.00), 22.5., 29.5., 1.6. (13.30 Version für Kinder), 8.6. (13.30), jeweils 19.30 Uhr

 

 

 

 

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