Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Theater Chemnitz: Kaddish / Serenade - Tanzabend von Lode Devos, Musik von Leonard BernsteinTheater Chemnitz: Kaddish / Serenade - Tanzabend von Lode Devos, Musik von...Theater Chemnitz:...

Theater Chemnitz: Kaddish / Serenade - Tanzabend von Lode Devos, Musik von Leonard Bernstein

Premiere: 20. Februar 2010, 19.30 Uhr im Opernhaus

 

Die Musik des amerikanischen Komponisten Leonard Bernstein (1918 – 1990) steht ganz im Zentrum dieses Tanzabends.

Dem breiten Publikum ist Bernstein in erster Linie durch seine populären Bühnenwerke „West Side Story“, „Wonderful Town“, „On The Town“ und „Candide“ bekannt, er schrieb aber auch zahlreiche Kompositionen anderer Gattungen wie Liederzyklen, Filmmusik, Kammermusik, eine Messe und zahlreiche sinfonische Werke. Darüber hinaus trug er mit seinen Fernsehsendungen unter dem Titel „Young Person’s Concerts“ viel zur musikalischen Bildung bei, machte die Zuschauer mit musikalischen Begriffen und Komponisten vertraut. Viele seiner Kompositionen folgen einen programmatischen Ansatz, so auch die von Lode Devos für seinen Tanzabend ausgewählten Stücke.

 

Kaddish (im deutschen „Kaddisch“) ist der Titel von Bernsteins 3. Sinfonie. Das Kaddish zählt zu den bekanntesten jüdischen Gebeten und ist eine Lobpreisung Gottes – es wird im Gottesdienst regelmäßig (mehrmals) gebetet und ist dem „Vaterunser“ ähnlich. Obwohl der Text keinerlei Hinweis auf den Tod hat, finden sich Passagen, deren poetische Formulierungen den Trauernden Trost spenden können. So wird es auch als Gebet im Gedenken an die Verstorbenen etwa seit Beginn des 13. Jahrhunderts gesprochen.

 

Bernstein verwendete Teile des Gebetes und ergänzte sie mit eigenen Texten. Das dem US-Präsidenten John F. Kennedy gewidmete Werk für Orchester, gemischten Chor, Knabenchor und Sopran-Solo entstand als Auftragswerk des Boston Symphony Orchestra und gelangte im Dezember 1963 in Tel Aviv zur Uraufführung. Eine revidierte und überarbeitete Fassung der Sinfonie wurde schließlich 1977 in Mainz uraufgeführt. Das Stück gliedert sich in drei Teile: „Anrufung“/Invocation (Kaddish 1), „Prüfung nach Gottes Gesetz“/„Din Torah“ (Kaddish 2) und „Scherzo - Finale“ (Kaddish 3).

 

Im zweiten Teil des Abends erklingt Bernsteins Serenade aus dem Jahre 1954. Der Komponist bezeichnete das Werk selbst als sein „überzeugendstes“. Der programmatische Ansatz ist hierbei „Platons Symposium über die Liebe“. Bernstein sieht seine Musik als eine Reihe von aufeinander bezogenen Reden zum Lobpreis der Liebe. Die Solovioline übernimmt dabei in jedem Satz die Rolle des Sprechers. Lode Devos greift in seiner Choreografie als Struktur diese konzeptionelle Grundidee des Komponisten auf und überträgt sie in eine tänzerische Ebene.

 

Die Musik beider Werke kann unterschiedlicher kaum sein. Getragen von aufschäumenden Emotionen lässt Bernstein hier die Seele sprechen, gestaltet mit unglaublichem Potenzial eine Musik, die erschüttert und begeistert zugleich. Während die „Serenade“ bereits häufig den musikalischen Rahmen eines Tanzstückes bildete, ist das „Kaddish“ bislang noch nicht vertanzt worden. Ein Versuch in den 1980er Jahren wurde von Bernstein schließlich doch wieder unterbunden – und auch die Chemnitzer Anfrage musste zunächst sorgfältig von den Erben des Komponisten geprüft werden. Nach monatelangem Schriftverkehr bekam Lode Devos schließlich die Zusage, dass er mit seiner Konzeption die Musik der 3. Sinfonie (den Intentionen des Komponisten folgend) vertanzen darf.

 

Choreografie: Lode Devos

Bühnenbild: „Katxua“ José A. Pelejero Pastor

Kostüme: Christiane Devos

 

es tanzt das Ballett Chemnitz

 

Aufführung mit CD-Einspiel – Verwendete Aufnahmen:

Leonard Bernstein

Symphony No. 3 „Kaddish“ für gemischten Chor, Kinderchor, Sprecher und Sopransolo

(1963, Revidierte Fassung 1977)

Interpreten:

Montserrat Caballé, Sopran / Michael Wager, Sprecher

Wiener Jeunesse-Chor & Wiener Sängerknaben / Israel Philharmonic Orchestra

Dirigent: Leonard Bernstein

Aufnahme: 08/1977, Mainz (Rheingold-Halle) / [Deutsche Grammophon]

 

Leonard Bernstein

Serenade nach Platons „Symposion“

für Solo-Violine, Streichorchester, Harfe und Percussion

Interpreten:

Anne-Sophie Mutter, Violine / London Symphony Orchestra / Dirigent: André Previn

Aufnahme: 07/2003, London (Abbey Road Studios) / [Deutsche Grammophon]

 

***

 

Tage der jüdischen Kultur in Chemnitz - 20. Februar bis 7. März 2010

 

Die von Pfarrer Wild und dem Kulturamt der Stadt Chemnitz 1991 begründeten Tage der jüdischen Kultur in Chemnitz bieten 2010 wieder ca. 40 Veranstaltungen an. Die Eröffnung mit der Premiere „Kaddish / Serenade“ wird durch Thematik und Umsetzung sicherlich einen besonders interessanten Farbtupfer setzen. Den Abschluss bildet ein Konzert des Leipziger Synagogalchores in der neuen Chemnitzer Synagoge, und dazwischen gibt es zahlreiche weitere Konzerte (z.B. Klezmermusik mit der Gruppe draj im Kraftwerk) und Bildungsveranstaltungen (z.B. im evangelischen Forum und in der jüdischen Gemeinde) und die Gelegenheit, zusammen zu feiern – mit Yankele-Kapelle nach der Premiere im Opernhaus oder mit der jüdischen Gemeinde das Purimfest. Weitere Infos unter www.tdjk.de.

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 21 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑