HomeBeiträge
Uraufführung: KLEINE LEUTE - theaterperipherie im TITANIA, Basaltstraße 23, 60487 Frankfurt am Main Uraufführung: KLEINE LEUTE - theaterperipherie im TITANIA, Basaltstraße 23,... Uraufführung: KLEINE...

Uraufführung: KLEINE LEUTE - theaterperipherie im TITANIA, Basaltstraße 23, 60487 Frankfurt am Main

PREMIERE: DO, 21.11.19 um 19.30 Uhr

Geschichten erzählen, mit unendlichem Detailreichtum, mit grenzenlosem Wissen und Verständnis, ohne Zeitdruck, ohne Filter oder Interpretation. Unmöglich? Nicht für ihn, den Engel der Geschichte, den allwissenden Erzähler, dem sich die Vergangenheit stets in ihrer Ganzheit offenbart und der auf der Straße des Zeitkontinuums wie auf einem nie enden wollenden Feldweg unbeirrt entlangspaziert.

 

Wobei, fürs Erste scheint er Rast gefunden zu haben in Frankfurt bei theaterperipherie, dem Ort, an dem die Geschichten des Periphären, also dessen, was außerhalb des durchschnittlichen Blickfeldes zu liegen scheint, Gehör finden und aus der Unsichtbarkeit geholt werden. Hier, auf einer unbändig scheinenden Mauer voller geschriebener Geschichten sitzend, hat er sich vorgenommen, die Geschichten zu erzählen, die eben nicht geschrieben aufzufinden sind – all die Geschichten, die Geschichte ausmachen, aber in den von Siegenden und Mächtigen tradierten Erzählungen um Kriege, Kollaborationen und Kontinente nicht vorkommen. Geschichten kleiner Leute eben.

Gut, dass die junge Regisseurin Hedwig, angetrieben vom selben Wind wie der Engel, sogleich zur Stelle ist, um eine große Vision mit ihm, der Geschichte, der Geschichtsschreibung und dem Geschichtenerzählen zu entwickeln. Doch zwei Welten scheinen hier auf einander zu prallen: Der allgegenwärtig anwesende und in einem engen Zeitlimit geschnürte Leistungs- und Erfolgsdruck des Menschen begegnet der Muße und Allwissenheit des Engels der Geschichte, der uns weise von dem zu berichten vermag, was uns in unserem stetigen Lauf gegen die Zeit zu entgehen scheint. Wie wohl das Ende vom Angang der Geschichte ist?

Kleine Leute. Vom Anfang der Geschichte beschäftigt sich nicht nur mit der Frage nach der Deutungshochheit „unserer“ Geschichtsschreibung, sondern verhandelt ebenso Fragen, die der Mensch, so listig oder verständig er sein mag, niemals zu überwinden vermochte – nämlich die nach Endlichkeit und der Angst, zu vergessen oder vergessen zu werden.

mit: Ali Napoé, Sophia Dittrich

Text: Autor*innen-Team des Ensembles & Geschichtenerzähler*innen aus aller Welt

Regie/Konzept: Hannah Schassner
Dramaturgie: Antigone Akgün
Bühne & Kostüm: Samira Behnam
Regieassistenz: Benjamin Cromme
Regiehospitanz: Elias Runer
Fotos/Dokumentation: Christian Schuller

Inspiriert durch Walter Benjamin, Michel Foucault und durch das Ende der Geschichte.

MI, 04.12.19, 19.30 Uhr
FR, 13.12.19, 19.30 Uhr

Karten unter: 069 156 27 404, info@theaterperipherie.de und Abendkasse

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 12 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Seelenlandschaften

Stockfinstere Nacht, das Meer mit hohen, sich türmenden Wellen, der Wind tost, Paare am Strand. Die „Sinfonia da Requiem“ op. 20 von Benjamin Britten setzt ein. Sie ist die musikalische Grundlage von…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Selbsterkundung

Zusammengekauert und regungslos verharren drei Frauen auf der Bühne. Drei Frauen mit runden Spiegeln, die das Gesicht verdecken, aber nichts widerspiegeln, nichts durchscheinen lassen. Sie erinnern an…

Von: Dagmar Kurtz

Geld regiert die Welt

Biblische Stoffe als Grundlage für eine Oper hatten es nicht nur um 1870 schwer, überhaupt aufgeführt zu werden, sondern scheinen auch heute das Publikum nicht allzu sehr zu reizen, wenn man die…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

 

Hintergrundbild der Seite
Top ↑