Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Uraufführung: VIOLETTER SCHNEE von Beat Furrer - Auftragswerk der Staatsoper Unter den Linden BerlinUraufführung: VIOLETTER SCHNEE von Beat Furrer - Auftragswerk der Staatsoper...Uraufführung: VIOLETTER...

Uraufführung: VIOLETTER SCHNEE von Beat Furrer - Auftragswerk der Staatsoper Unter den Linden Berlin

am 13. Januar 2019 um 18:00 Uhr, Staatsoper Unter den Linden Berlin

VIOLETTER SCHNEE reflektiert die existenziellen Erfahrungen des Fremdwerdens und des Verlusts der Sprache angesichts einer drohenden Katastrophe. Eine geschlossene Gesellschaft: fünf Menschen in einem Haus, umgeben nur von Schnee. Sie sind ausgesetzt, auf ihre pure Existenz zurückgeworfen. Etwas ist passiert, doch haben sie dafür keine Sprache. Ihre Hölle ist die Ungewissheit. Ohne darüber reden zu können, was geschehen ist, was aus ihnen wird, befinden sie sich im freien Fall ins Unbekannte. Einzige Sicherheit ist der Schnee draußen. Es gibt noch eine sechste Person, Tanja, die nur beschreibt, was sie sieht. Oder ist sie eine Phantasmagorie, die Erinnerung an eine Verstorbene?

 

 

Beat Furrer: »Die Musik erzählt den Zerfall dessen, was man gekannt, was man geliebt hat. Es ist das Vertraute, das fremd geworden ist und uns existenziell in Frage stellt.«

Text von Händl Klaus basierend auf einer Vorlage von Wladimir Sorokin in der Übersetzung von Dorothea Trottenberg.

Beat Furrer (*1954) gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart. Seit den 1980er Jahren hat Beat Furrer ein breites Repertoire geschaffen, das von Solo und Kammermusik bis zu Werken für Ensemble, Chor, Orchester und Oper reicht. Im Jahr 1985 gründete er das Klangforum Wien, das er bis 1992 leitete und dem er seitdem als Dirigent verbunden ist. Im Auftrag der Wiener Staatsoper schrieb er seine erste Oper DIE BLINDEN, seine zweite Oper NARCISSUS wurde 1994 beim steirischen herbst an der Oper Graz uraufgeführt. 2001 wurde das Musiktheater BEGEHREN in Graz uraufgeführt, 2003 die Oper INVOCATION in Zürich und 2005 das vielfach ausgezeichnete und gespielte Hörtheater FAMA in Donaueschingen. Seit Herbst 1991 ist Beat Furrer Ordentlicher Professor für Komposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz. Ende der 90er hat er gemeinsam mit Ernst Kovacic »impuls« als internationale Ensemble- und KomponistInnenakademie für zeitgenössische Musik in Graz gegründet. 2004 erhielt er den Musikpreis der Stadt Wien, seit 2005 ist er Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. 2006 wurde er für FAMA mit dem Goldenen Löwen bei der Biennale Venedig ausgezeichnet. 2014 erhielt er den großen österreichischen Staatspreis, 2018 den Ernst von Siemens Musikpreis für »Ein Leben im Dienste der Musik«.

Händl Klaus wurde 1969 in Tirol geboren, er lebt am Bielersee und in Wien. Neben Lyrik und Prosa verfasste er Theaterstücke, die bei den Münchner Kammerspielen, den Salzburger Festspielen, am Burgtheater Wien, bei der Ruhrtriennale und dem steirischen herbst uraufgeführt wurden; (WILDE) MANN MIT TRAURIGEN AUGEN und DUNKEL LOCKENDE WELT wurden in Sebastian Nüblings Regie zum Berliner Theatertreffen eingeladen. VIOLETTER SCHNEE ist seine zweite Arbeit für Beat Furrer nach WÜSTENBUCH (Theater Basel 2010 mit Wiener Festwochen und MaerzMusik). Weitere Opernlibretti verfasste er für Georg Friedrich Haas (BLUTHAUS, 2011; THOMAS, 2013; KOMA, 2016, alle: Schwetzinger SWR Festspiele), Arnulf Herrmann (DER MIETER, Oper Frankfurt 2017), Heinz Holliger (LUNEA, Opernhaus Zürich 2018), Klaus Lang (BUCH ASCHE, Oper Bonn 2010) und Hèctor Parra (WILDE, Schwetzinger SWR Festspiele 2015 und LES BIENVEILLANTES, Vlaamse Opera 2019). Als Filmemacher präsentierte er 2008 seinen ersten Spielfilm »MÄRZ«, gefolgt von »KATER« (2016). Händl Klaus erhielt unter anderem den Robert Walser-Preis, den Gert-Jonke-Preis, den Feldkircher Lyrikpreis, den Welti-Preis, den Silbernen Leoparden des Filmfestivals Locarno und den Teddy Award der Berlinale. Die Oper KOMA (Komponist Georg Friedrich Haas) wurde zur Uraufführung des Jahres 2016 gewählt.

Für Claus Guth ist VIOLETTER SCHNEE nach DIE FRAU OHNE SCHATTEN (2017), JULIETTE (2016), THE TURN OF THE SCREW (2014) und ASCHEMOND ODER THE FAIRY QUEEN (2013) die fünfte Produktion an der Berliner Staatsoper. Der in Frankfurt am Main geborene Regisseur wurde zweimal mit dem renommierten deutschen Theaterpreis »Der Faust« ausgezeichnet und ist regelmäßiger Gast an den wichtigsten Opernhäusern und Festivals der Welt, wie den Bayreuther Festspielen, am Opernhaus Zürich, der Hamburgischen Staatsoper, der Oper Frankfurt, den Salzburger Festspielen, der Wiener Staatsoper, dem Theater an der Wien und der Opéra national de Paris. Claus Guth ist besonders für seine Opernproduktionen der Werke Richard Wagners und Richard Strauss’ bekannt, darüber hinaus hat er eine Reihe bedeutender Uraufführungen konzipiert und produziert.

Das neue Werk ist von Beginn an in enger Kollaboration zwischen dem Komponisten, dem Regisseur Claus Guth und dem Librettisten Händl Klaus entstanden und basiert auf einer Vorlage von Wladimir Sorokin. Inspiriert wurde Beat Furrer bei seiner Komposition unter anderem von Pieter Bruegels d. Ä. Gemälde »Die Jäger im Schnee«. Für das Bühnenbild zeichnet Étienne Pluss verantwortlich, für die Kostüme Ursula Kudrna. Die musikalische Leitung der Staatkapelle Berlin übernimmt Matthias Pintscher. Die Besetzung besteht aus Anna Prohaska (Silvia), Elsa Dreisig (Natascha), Gyula Orendt (Jan), Georg Nigl (Peter), Otto Katzameier (Jaques) und Schauspielerin Martina Gedeck (Tanja). Darüber hinaus singt das Vokalconsort Berlin. Bei der letzten Vorstellung von VIOLETTER SCHNEE am 31. Januar wird Komponist Beat Furrer selbst dirigieren.

    Musikalische Leitung
        Matthias Pintscher
    Inszenierung
        Claus Guth
    Libretto
        Händl Klaus
    Bühnenbild
        Étienne Pluss
    Kostüme
        Ursula Kudrna
    Licht
        Olaf Freese
    Video
        Arian Andiel
    Dramaturgie
        Yvonne Gebauer , Roman Reeger

    Silvia
        Anna Prohaska
    Natascha
        Elsa Dreisig
    Jan
        Gyula Orendt
    Peter
        Georg Nigl
    Jacques
        Otto Katzameier
    Tanja
        Martina Gedeck

       VOCALCONSORT BERLIN
        STAATSKAPELLE BERLIN

Weitere Vorstellungen am 16., 24., 26. und 31. Januar 2019
Eine Werkeinführung findet jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Apollosaal statt.

Zur Vorbereitung auf die Premiere findet am Sonntag, dem 6. Januar um 11 Uhr im Apollosaal der Staatsoper Unter den Linden eine Einführungsmatinee mit an der Produktion Beteiligten statt. Der Eintritt ist frei.
 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 27 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

EXPLOSIVE KLANGMISCHUNG -- "Eine florentinische Tragödie" von Alexander Zemlinsky bei NAXOS (BR KLassik)

Nicht sonderlich erfolgreich geriet die Stuttgarter Uraufführung der einaktigen Oper "Eine florentinische Tragödie" von Alexander Zemlinsky im Jahre 1917 unter der Leitung von Max von Schillings. In…

Von: ALEXANDER WALTHER

Die ganze Wahrheit? -- „True Crime“ - Andrey Kaydanovskiy | Hege Haagenrud | Demis Volpi in der Deutschen Oper am Rhein

Drei tänzerische Perspektiven zu Wahrheit und Fiktion: Andrey Kaydanovskiy „Chalk“, Hege Haagenrud „The Bystanders“, Demis Volpi „Non-Fiction Études“  

Von: Dagmar Kurtz

SZENEN OHNE ILLUSIONEN -- "Tosca" von Giacomo Puccini in der Staatsoper Stuttgart

Kann Kunst unsere Wirklichkeit beeinflussen? Diese Frage steht als zentrales Thema im Zentrum der Inszenierung von Willy Decker, dessen Figuren sich in Puccinis "Tosca" in einem schwarzen Kasten…

Von: ALEXANDER WALTHER

RETTET DIE FRAUEN! -- Premiere "Zertretung" von Lydia Haider im Schauspiel Nord STUTTGART

Die 1985 in Oberösterreich geborene Lydia Haider hat hier einen radikalen Text vorgelegt, der zuweilen an Rainald Goetz erinnert. Die zentrale Frage lautet: Wie geht man mit einem System um, das…

Von: ALEXANDER WALTHER

ATEMLOSE HÖHENFLÜGE -- SWR Symphonieorchester mit Busoni und Sibelius im Beethovensaal der Liederhalle/STUTTGART

Zwei unterschiedliche Zeitgenossen standen diesmal im Zentrum: Jean Sibelius und Ferrucio Busoni. Immerhin weiß man, dass beide in Helsinki Schumanns Klavierquintett in Es-Dur gemeinsam musizierten.…

Von: ALEXANDER WALTHER

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑