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WEISSE NÄCHTE in Mülheim 2009

Vom 1. bis zum 5. Juli 2009 im Raffelbergpark

 

1. "Doña Rosita oder Die Sprache der Blumen" von Federico García Lorca

 

Als zentrales Motiv zieht sich durch Lorcas Leben und Literatur das Aufbäumen gegen gesellschaftlich zementierte Regularien, die auf inhumane Weise mit den Bedürfnissen des Einzelnen kollidieren.

Traum und Wirklichkeit sind die sich durchdringenden Gegensätze in Lorcas Werk. An diesen Widersprüchen hat sich Lorca zeitlebens persönlich und künstlerisch gerieben. Geboren als Sohn eines wohlhabenden Gutsherrn stieß er sehr früh in die Kreise aufbruchwilliger und neugieriger junger Künstler wie Salvador Dalí, Luis Buñuel und Rafael Alberti vor. Politisch wandte er sich von seinem großbürgerlichen Elternhaus ab und interessierte sich verstärkt für die Lebenswelt der Zigeuner, die maurische Kultur und die Tradition spanischer Volksmusik. Seine Dramen wurden zunehmend von diesen Elementen und den Einflüssen des Surrealismus bestimmt. „Ein Theaterpraktiker“, so Roberto Ciulli, „der mit großem politischem Engagement für das Volk kein intellektuell hermetisches, sondern ein neues, im Wortsinn, Volks-Theater realisieren wollte! Im Jahre 1922 gründete er mit Manuel de Falla ein Festival des „canto jondo“, einer schwermütigen Form der Zigeunermusik, deren Lieder er sammelte und gelegentlich als Klavierbegleiter auch aufführte. Für das faschistische Spanien wurde Federico García Lorca als Künstler, Homosexueller und politischer Aktivist zur Zumutung. Zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs wurde er 1936 von einem Falangistenkommando festgenommen und ohne Urteil erschossen.

 

Inszenierung:

Roberto Ciulli

Dramaturgie:

Helmut Schäfer

Bühnenbild:

Gralf-Edzard Habben

Kostüme:

Leo Kulas

Musikalische Leitung:

Matthias Flake

Regiemitarbeit:

Thomaspeter Goergen

 

2.

Mala Dinan - Das Irrenhaus

M.Emin Yalcinkaya

 

Das kurdische Volksstück handelt von der Neueröffnung eines Irrenhauses. Die künftigen Bewohner wollen eine „richtige“ Feier! Also versuchen sie, den Konventionen zu entsprechen, die der Anlaß gebietet! Doch ihr Versuch wird zur Farce! Das Stück hält so feixend seinem Publikum den Spiegel vor die Nase….

 

3. Yașar Ne Heye, Ne Ji Tuneye

Aziz Nesin

 

Der in der Türkei berühmte Autor Aziz Nesin setzt sich in dieser musikalischen Komödie satirisch mit dem bürokratischen Staatsapparat auseinander:

 

Die Hauptfigur Yaşar ist laut behördlichem Eintrag verstorben und muss deshalb sein Leben lang um die Anerkennung seiner Existenz kämpfen. Nur in der Pflichterfüllung fordert der Stadt seinen Tribut von ihm und zieht ihn zum Miltärdienst ein…

 

4. Häuptling Abendwind

Johann Nepomuk Nestroy

 

Das muss man schon fragen: was verschlägt einen Eisbären in die warmen Regionen Australiens? Und: wie kann er dort überleben? Tut er gar nicht, denn er wird geschlachtet. Zuvor aber war er hoch verehrt auf des Häuptling Abendwinds einsamen Eiland, dass noch von keiner Zivilisation erreicht wurde, so dass sich der Brauch der Menschenfresserei ungetrübt erhalten konnte. Doch fatal an dieser Ernährungsform ist, dass die Inselbewohner ihre eigenen Ressourcen in Gestalt ihrer Frauen verzehrt haben und nur noch Atala, des Häuptlings Tochter, übrig geblieben ist. Überhaupt scheinen die Menschen dort nicht gerade von großer Aktivität angespornt zu sein: Sie vermögen weder zu fischen noch zu jagen, sicher ist das Wild zu schnell und auch sonst ist kaum etwas zu tun, dass viele Mühen kosten würde. Doch dann taucht ein Fremder namens Arthur auf, den man sogleich als Festmahl dem Häuptling Biberhahn von der Nachbarinsel servieren will. Der hatte vor Zeiten seinen Sohn zur Ausbildung nach Europa geschickt und eben dieser Arthur, er erlernte das Frisierhandwerk, kehrt nun in die Heimat zurück. Nestroys anarchischer Humor zielt in diesem kolonialen Satyrspiel wie meist auf die österreichisch-ungarische Donaumonarchie, deren Verfall der Autor über Jahrzehnte notierte. Ein Gastspiel von Offenbachs Pariser Theater animierte Nestroy zu seinem letzten 1862 geschriebenen Stück.

 

Inszenierung:

Paolo Magelli

Dramaturgie:

Helmut Schäfer

Bühnenbild:

Gralf-Edzard Habben

Kostüme:

Heinke Stork

Musikalische Leitung:

Matthias Flake

Regiemitarbeit:

Markus Schlappig

 

5. Die Dreigroschenoper

Bertolt Brecht

 

Kaum ein Stück aus den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts kann auf eine so umfangreiche Aufführungstradition zurückblicken wie DIE DREIGROSCHENOPER. Oft versperrt dies gerade den Blick aufs Material, da sich eine eingedrehte theatralische Praxis dazwischengeschoben hat. Zwei Momente jedoch gehen gleich Leitfäden durch das Stück: Die Kritik an der verstaubten bürgerlichen Opernpraxis, im Titel >Dreigroschenoper< schon angedeutet, sowie die Verquickung von Sexualität und Ökonomie, die die dramaturgische Handlung bewegt.

 

Mackie Messer steht zu Beginn des Stücks eher schon am Ende seiner Karriere, umgeben von einer mehr oder weniger erfolglosen Gang, die es über den Rang von Kleinkriminellen hinaus nicht sehr weit gebracht hat. Sein Einfluß auf die Mächtigen der Stadt, auf Kapital und Justiz ist geschwunden, da jetzt konzernähnliche Verbindungen erfolgreicher das kriminelle Geschäft betreiben. Peachum, sein unfreiwilliger Schwiegervater und Gegenspieler vermarktet das Phänomen des sozialen Elends das einträglicher ist als Bankraub an der nächsten Straßenecke.

 

Inszenierung:

Roberto Ciulli

Dramaturgie:

Helmut Schäfer

Bühnenbild:

Gralf-Edzard Habben

Kostüme:

Klaus Arzberger

Dejan Radulovic

Musikalische Leitung:

Matthias Flake

Regiemitarbeit:

Markus Schlappig

 

Alle Eintritte frei

Vollständiges Programm www.theater-an-der-ruhr.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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