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Zürcher Festspiele: GLAUBE LIEBE HOFFNUNG von Ödön von Horváth

Zürcher Premiere: Samstag, 23.6.2012, 20 Uhr, Schiffbau/Halle. -----

Ödön von Horváth schrieb sein Stück GLAUBE LIEBE HOFFNUNG während der Wirtschaftskrise in den 1930er-Jahren gegen die „bürokratischverantwortungslose Anwendung kleiner Paragraphen“. Elisabeth, eine junge Frau, geht darin zugrunde, eine von vielen, die in dieser Zeit aus den sozialen Netzen fallen. Horváth nannte das Stück „einen kleinen Totentanz“, denn alle Rettungsversuche Elisabeths werden zu neuen Indizien, die gegen sie sprechen.

 

Weil sie keine Unterstützung und keine Aufenthaltserlaubnis bekommt, will die junge Elisabeth ihre zukünftige Leiche an ein anatomisches Institut verkaufen. Ein Angestellter des Instituts verschafft ihr einen Job als Vertreterin für Korsagen, den sie verliert, weil wieder eine Bescheinigung fehlt. Sie wird zu Unrecht als illegale Prostituierte angezeigt, verliert vor Gericht. Dann scheint das Leben ihr eine

Chance zu geben. Ein junger Polizist verliebt sich in sie. Doch ihre Liebesgeschichte dauert nur eine Nacht. Von Glauben, Liebe und Hoffnung verlassen, stirbt sie.

 

Der österreichisch-ungarische Dichter Ödön von Horváth, 1938 im Alter von 36 Jahren in Paris durch einen herabstürzenden Ast zu Tode gekommen, schuf mehrere bedeutende Stücke („Kasimir und Karoline“, „Geschichten aus dem Wiener Wald“, „Zur schönen Aussicht“) und Romane („Jugend ohne Gott“, „Der ewige Spiesser“). Für „Glaube Liebe Hoffnung“ habe er nichts „beschönigt“ und nichts „verhässlicht“, schreibt Horváth.

 

Nach der Premiere (13.6.) und den ersten Aufführungen bei den Wiener Festwochen wird GLAUBE LIEBE HOFFNUNG vom 23. bis 28. Juni im Rahmen der Zürcher Festspiele in der Halle des Schiffbaus zu erleben sein. Christoph Marthaler kehrt damit erstmals nach seinem Abgang als Intendant im Jahr 2004 wieder als Regisseur an das Zürcher Schauspielhaus zurück.

 

Christoph Marthaler wurde 1951 in Erlenbach bei Zürich geboren. Nach einem Musikstudium und einer Ausbildung zum Pantomimen arbeitete er als Theatermusiker an verschiedenen deutschsprachigen Theatern. Nachdem ihn Frank Baumbauer 1989 ans Theater Basel geholt hatte, erarbeitete er dort erste Liederabende und Inszenierungen. Ab 1993 realisierte Marthaler Regiearbeiten am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und der Volksbühne Berlin. In den Jahren 1997 und 1999 wurde er in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift „Theater heute“ zum Regisseur des Jahres gewählt. Im Jahr 2000 wurde er als Nachfolger von Reinhard Palm Intendant am Schauspielhaus Zürich, das er 2004 nach

politischen Querelen vorzeitig wieder verliess. Während dieser Zeit wurde das Haus von „Theater heute“ zweimal zum Theater des Jahres gewählt. Anschliessend arbeitete Christoph Marthaler wieder als freier Regisseur und inszenierte u.a. in in Paris, Berlin, Wien, Salzburg, Avignon und Basel. 2011 wurde Christoph Marthaler mit der bedeutendsten Schweizer Auszeichnung für Theaterschaffende, dem Hans-Reinhart- Ring, geehrt.

 

GLAUBE LIEBE HOFFNUNG

von Ödön von Horváth

 

Eine Koproduktion des Schauspielhauses Zürich mit der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, den Wiener Festwochen, dem Théâtre de l’Odéon Paris und dem Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg.

 

Regie Christoph Marthaler

Bühne Anna Viebrock

Kostüme Sarah Schittek

Licht Phoenix (Andreas Hofer), Johannes Zotz

Musik Clemens Sienknecht, Martin Schütz, Christoph Marthaler

Dramaturgie Stefanie Carp, Malte Ubenauf

Regie-Mitarbeit Gerhard Alt

 

Mit:

Jean-Pierre Cornu

Olivia Grigolli

Irm Hermann

Ueli Jäggi

Josef Ostendorf

Sasha Rau

Clemens Sienknecht

Bettina Stucky

Ulrich Voss

Thomas Wodianka

 

Weitere Vorstellungen im Schiffbau/Halle:

24. Juni, 19 Uhr

25./ 26./ 27./ 28. Juni, jeweils 20 Uhr

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