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"Alcina" von Georg Friedrich Händel, Städtische Theater Chemnitz

Premiere: 9. Oktober 2010, 19.30 Uhr, Opernhaus Chemnitz

 

Die Zauberin Alcina lebt auf einer Insel und verführt mit ihren magischen Kräften alle Männer, die sich in ihren Bannkreis verirren. Sobald sie ihrer Liebhaber überdrüssig ist, verwandelt sie sie in Felsen, Bäche und wilde Tiere.

Das Spiel funktioniert so lange, bis ein Mann kommt, in den sich Alcina ernsthaft verliebt. Dies ist Ruggiero, ein Ritter, der dafür bekannt ist, öfter in brenzlige Situationen zu geraten, aus denen er sich regelmäßig nur mit Hilfe seiner Braut Bradamante befreien kann. Auch diesmal ist Bradamante aufgebrochen, den Geliebten zu retten. Doch die Befreiung gestaltet sich schwierig, weil Ruggiero durch Alcinas Zauber die Erinnerung an Bradamante verloren hat. Außerdem gibt es noch weitere Liebesverwicklungen, denn Bradamante hat sich zu ihrem eigenen Schutz als Mann verkleidet und erregt nun das Liebesverlangen von Alcinas Schwester Morgana, was wiederum Morganas Geliebten, den Feldherrn Oronte, zur Verzweiflung treibt. Am Schluss wird aller Zauber gebrochen - doch es bleibt die Frage, ob die Liebe wirklich gesiegt hat …

 

Händel und seine „Alcina“

Georg Friedrich Händels künstlerisches Schaffen erstreckte sich auf alle musikalischen Genres seiner Zeit. Außerdem war er gleichzeitig als Opernunternehmer tätig. In Halle an der Saale geboren, zog er mit 18 Jahren nach Hamburg, und einige Jahre später eroberte er bereits Italien und England. Im 1732 eröffneten Covent Garden Theatre (einem der Vorgängerbauten des heutigen Covent Garden Opera House), das sehr schnell große Bedeutung vor allem als Schauspieltheater erlangte, brachte er ab 1735 mit großem Erfolg auch Opern heraus. „Alcina“, seine dreißigste italienische Oper, hatte dort am 16. April 1735 Premiere und erlangte auf Anhieb eine große Popularität. Mit dem Genre der Zauberoper traf Händel offensichtlich den Zeitgeschmack. Wie schon bei der Uraufführung, als Händel die von Marie Sallé geleitete französische Balletttruppe in „Alcina“ integrierte, wird auch in der Chemnitzer Produktion das Ballett einen entscheidenden Part übernehmen.

 

Das Sujet

Die Stoffvorlage lieferte Ludovico Ariostos Versepos „Orlando furioso (Der rasende Roland)“ aus dem 16. Jahrhundert. Dieses Epos, welches Opernkomponisten immer wieder als Inspirationsquelle diente, entführt den Leser durch einen fantasievollen Episodenreichtum in Raum und Zeit und verschmilzt die Karlssage und den Sagenkreis um König Artus und den Zauberer Merlin. Italo Calvino, der im Jahr 2004 eine Nacherzählung verfasste, äußerte dazu: „Das einzigartige Werk ist ein Universum für sich, in dem man kreuz und quer umherreisen, aus- und eingehen und sich verlieren kann.“ Die Episode um die Zauberin Alcina ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem 46 Gesänge umfassenden Mammutwerk. Ihre Parallele hat sie in der Circe-Gestalt der griechischen Mythologie.

 

Die Musik

Die musikalische Form dieser Oper wird fast ausschließlich durch den Wechsel zwischen Rezitativen und Arien geprägt. Darüber hinaus gibt es nur ein Terzett sowie einige rein instrumentale Teile. Händel nutzte die Da-capo-Form der Arien, bei der einem Hauptteil ein kürzerer Mittelteil folgt, wonach der erste Teil variiert wiederkehrt, um die Charaktere psychologisch tief auszuloten. Gedanken können mit dem erneuten Hauptteil entweder verstärkt oder aber auch in Frage gestellt oder sogar widerrufen werden. Beispiel Alcina: Während sie bei Ariost noch als bösartige Hexe agiert, erleben wir sie bei Händel zwar als Magierin, aber sie ist auch die Frau, die zum ersten Mal das Glück der Liebe erfährt, ernsthaft um diese Liebe kämpft und schließlich daran zugrunde geht. Der Komponist zeichnet Alcina musikalisch auf vielschichtige Weise und erreicht dabei eine große emotionale Tiefe der Figur.

 

(Aufführung in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln)

 

Musikalische Leitung: Jos van Veldhoven

Inszenierung: Dominik Wilgenbus

Choreografie: Catherine Habasque

Bühnenbild: Udo Vollmer

Kostüme: Andrea Fisser

Chor: Mary Adelyn Kauffman

 

Es singen: Maria Laura Martorana (Alcina), Tiina Penttinen (Ruggiero), Guibee Yang (Morgana), Thomas Lichtenecker (Bradamante), Uwe Stickert (Oronte), Martin Gäbler (Melisso), Susanne Thielemann (Oberto)

 

Chor der Oper Chemnitz, Ballett Chemnitz, Robert-Schumann-Philharmonie

 

Das Regieteam

 

Der holländische Dirigent Jos van Veldhoven leitet seit 1976 den von ihm gegründeten „Utrechts Barok Consort“. Außerdem ist er seit 1983 Künstlerischer Leiter der Niederländischen Bachvereinigung (Nederlandse Bachvereniging) und der Cappella Figuralis, einem Ensemble von Solisten der Niederländischen Bachvereinigung, das sich auf Musik des 17. Jahrhunderts spezialisiert hat. Internationale Bekanntheit erlangte er durch seine Aufführungen insbesondere der Passionen von Johann Sebastian Bach und dessen Zeitgenossen. Jos van Veldhoven ist häufig zu Gast an deutschen Opernhäusern, u. a. an der Oper Bonn mit einem Händel-Zyklus sowie am Aalto-Theater Essen.

 

Dominik Wilgenbus studierte von 1987 - 1991 Regie an der Münchner Hochschule für Musik in der Klasse Prof. Everding / Prof. Franz. Seitdem ist er als Regisseur im Musik- und Sprechtheater, als Autor, Übersetzer, Schauspieler und Komponist freischaffend tätig. Außerdem arbeitet er als Dozent an der Musikhochschule Nürnberg-Augsburg und gehört zu den Gründern des Metropol-Theaters München und der Kammeroper München. In Chemnitz hat er 2009 bereits Antonín Dvořáks Lyrische Oper „Rusalka” als Gemeinschaftsproduktion der Oper und des Figurentheaters inszeniert und wird sich nun fantasievoll diesem Barockspektakel nähern. Gleich im Anschluss bringt er im Figurentheater den „Zauberer von Oz“ heraus.

 

Die Choreografin Catherine Habasque stammt aus Paris. Sie wurde von renommierten Ballettlehrern wie Gilbert Mayer und Raymond Franchetti unterrichtet. Als Solo-Tänzerin hat sie mit Jean-Louis Barrault, Maurice Béjart, Nacho Duato, Jiri Kylian, Mats Ek, William Forsythe und anderen gearbeitet. Zahlreiche Rollen wurden für sie kreiert, die sie in den größten Theatern der Welt getanzt hat (Opera de Paris, Lincoln Center New York, Bellas Artes Mexico, Staatsoper Berlin, Teatro Real Madrid). Seit 2002 ist sie auch als Choreografin tätig, seit 2007 selbständig. Unter den Namen „L’Experience” produziert sie eigene Tanzprojekte.

 

Udo Vollmer absolvierte von 1987 - 1992 ein Bühnenbildstudium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien in der Meisterklasse für Bühnenbild bei Axel Manthey, Klaus Zehelein und Frida Parmeggiani. Seit 1992 ist er freiberuflich tätig als Ausstellungsgestalter und Bühnenbildner. Theaterarbeiten führten ihn mit dem Regisseur Dominik Wilgenbus u. a. ans Pfalztheater Kaiserslautern, zum Klangbogenfestival Wien, ans Staatstheater Meiningen, ans Stadttheater Klagenfurt, ans Stadttheater Pforzheim, an die Musikalische Komödie Leipzig und zum Haager Theatersommer. In Chemnitz hat er bereits das Bühnenbild zur Oper „Rusalka“ entworfen.

 

Andrea Fisser, geboren in München, führte die erste Kostümassistenz für „Alcina“ 1994 ans Staatstheater am Gärtnerplatz München. Sie arbeitete als Kostümbildnerin bereits bei mehr als zehn Produktionen mit Dominik Wilgenbus zusammen. Darüber hinaus entwarf sie Kostüme für Produktionen mit Regisseuren wie Karsten Wiegand am Nationaltheater Weimar, Jochen Schölch am Staatstheater am Gärtnerplatz München sowie mit Jörg Hube und Michael Lerchenberg zu den Luisenburg Festspielen. Sie entwarf in Chemnitz die Kostüme für die Oper „Rusalka“.

 

 

Die Hauptpartien

 

Maria Laura Martorana (Alcina) studierte Gesang in Paris und Rom. Sie debütierte 2003 in der Partie der Elvira in Rossinis „Italienerin in Algier“ und sang seitdem an renommierten Opernhäusern ihrer Heimat Italien sowie in Deutschland, Russland und Spanien. Ihr breit gefächertes Repertoire reicht von der Titelpartie in der Händel-Oper „Alcina“ bis zur Partie der Nachtigall in der Oper „Die Vögel“ von Walter Braunfels. Sie war auch mehrfach als Solistin zu Gast bei internationalen Barockfestivals. Außerdem ist sie Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe und war an diversen CD-Einspielungen beteiligt, u. a. bei der Aufzeichnung einer konzertanten Aufführung von Rossinis „La Cenerentola“ im Münchner Gasteig.

 

Neu im Ensemble der Oper Chemnitz ist die südkoreanische Sopranistin Guibee Yang (Morgana). Sie studierte zunächst in Seoul Gesang, dann ab 2006 an der Hochschule für Musik und Theater in München, wo sie ihr Studium im Juni 2010 beendete. In den letzten beiden Jahren ist Guibee Yang mehrfach am Münchner Prinzregententheater zu hören gewesen, u. a. als Rose („Dornröschen“ / Humperdinck), als Fairy Queen (Purcell) und als Rezia („Die Pilger von Mekka“ von Chr. W. Gluck). 2009 sang sie in Mozarts „Il re pastore“ die Partie der Aminta am Theater Augsburg. Guibee Yang arbeitete u. a. mit Orchestern wie dem Münchner Rundfunkorchester, dem WDR Sinfonieorchester, dem Münchner Kammerorchester und der Neuen Hofkapelle München und ist Preisträgerin zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe.

 

Tiina Penttinen (Ruggiero) stammt aus Finnland und debütierte 2004 als Annina an der Finnischen Nationaloper Helsinki. Sie sang Sesto an der Sibelius-Akademie, Emilia in Tampere, die Kaufmannsfrau („Ratsumies“ / Sallinnen) beim Savonlinna Opernfestival und Mary in Turku. Als Konzertsolistin ist Tiina Penttinen mit mehreren großen finnischen Orchestern aufgetreten und hat auch viele sakrale Werke gesungen. Seit der Spielzeit 2006/2007 ist sie in Chemnitz engagiert und sang hier bereits Partien wie Carmen, Cherubino, Dorabella, Rebecca („Il Templario“ / Nicolai), Orlofsky, Mary, Rotelse („Rose vom Liebesgarten“ / Pfitzner), Zweite Dame, Hänsel, Marzelline („Barbier von Sevilla“), Dominga („Love and Other Demons“ / Eötvös) und Gräfin („Wildschütz“).

 

Der Countertenor Thomas Lichtenecker (Bradamante) stammt aus Wien. Mit neun Jahren debütierte er am Theater an der Wien im Musical „Elisabeth“. Seitdem nahm er an zahlreichen Fernseh-, Musical, Theater- und Opernproduktionen teil. Seit 2004 studiert Thomas Lichtenecker an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien bei Prof. Gabriele Lechner Gesang und schloss 2008 das 2. Diplom mit Auszeichnung ab. Seither setzt er sein Studium bei KS Edith Lienbacher fort und absolviert den Lehrgang „Lied und Oratorium“ bei KS Robert Holl. Neben seinem Studium hatte er zahlreiche Konzert- und Opernauftritte, u. a. im Wiener Musikverein, am Badener Stadttheater, in Kopenhagen, am Landestheater Linz, im Schönbrunner Schlosstheater, an der Kammeroper München sowie am Teatro Nacional de Sao Carlos Lissabon.

 

Uwe Stickert (Oronte) erhielt bereits mit sieben Jahren Klavier- und Gesangsunterricht, u. a. am Spezialgymnasium für Musik „Schloss Belvedere“ Weimar. Sein Gesangsstudium an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar bei Prof. Mario Hoff schloss er mit Auszeichnung ab. Stationen seiner Opernlaufbahn waren u. a. die Komische Oper Berlin, das Aalto-Theater Essen, die Städtischen Bühnen Heidelberg, das Nationaltheater Weimar, das Nationaltheater Mannheim und das Theater Bielefeld, wo er vor allem in Opern von Händel, Rossini und Mozart zu hören war. Im Konzertfach ersang sich Uwe Stickert einen hervorragenden Ruf als Oratorien- und Liedsänger und gastierte u. a. mit den großen Bach-Passionen in Israel, Italien, China, der Schweiz und Frankreich.

 

 

 

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