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"Alte Meister" nach Thomas Bernhard - Deutsches Theater Berlin

Premiere 14. September 2018, 20.00, Kammerspiele

Obwohl er beides hasst – Spazierengehen und Museumsbesuche – spaziert der Musikkritiker Reger seit über dreißig Jahren ins Wiener Kunsthistorische Museum, um da, in immer gleicher Weise, seine Vormittage zu verbringen. Vertieft in Tintorettos Bildnis eines weißbärtigen Mannes sitzt er stets auf der selben Bank im Bordone-Saal (den es freilich in Wirklichkeit dort gar nicht gibt, wohl aber den Tintoretto). Er betrachtet die Bilder der Alten Meister, von denen er den Weißbärtigen Mann für am vollendetsten hält, um sie in Fragmente zu zerlegen.

 

Copyright: Arno Declair

Mit Lust und Akribie sucht Reger in ihnen das Unvollkommene, das Fehlerhafte, das Unfertige. Stets an seiner Seite: der Museumswärter Irrsigler, der ihm als Ansprechpartner und Sprachrohr dient. Eigentlich nämlich ist Reger der Bordone-Saal über die Jahrzehnte zum Denk- und Lesezimmer geworden. Umgeben von den Alten Meistern, inmitten der idealen Raumtemperatur und perfekten Lichtverhältnisse, durchblättert er die Bücher der Großen Geister. Im Grunde aber sichert ihm, der die Sonne scheut und den Nebel sowie das Düstere liebt, diese verrückte Gewohnheit das Überleben – vor allem nach dem Tod seiner Frau, der ihn die eigene Unvollkommenheit schmerzhaft deutlich spüren lässt. Und so sitzt Reger da, in der Ruhe und fernab von den Menschen, tagein tagaus, sucht die Wahrheit und findet ihre Lücke.

Thomas Bernhard erzählt in seinem 1985 erschienenen Roman diese Moritat von der liebenswürdigen Entsetzlichkeit des Menschen gewissermaßen über Bande. Reger studiert den Tintoretto und wird vom Saaldiener Irrsigler beäugt. Am Ende der Kette steht der Privatgelehrte Atzbacher, ebenfalls regelmäßiger Museumsbesucher, der die beiden dabei beobachtet. Es ist nur auf den ersten Blick eine Bernhardsche Hassrede der alten Männer und auf die Kultur des Abendlandes. Thom Luz liest darin den Wunsch nach Begegnung und inszeniert sie in einem Erinnerungsraum als assoziativ-musikalische Annäherung an das Menschengeschlecht in seinem ganzen Scheitern.

Regie Thom Luz
Musikalische Leitung Mathias Weibel
Bühne Wolfgang Menardi, Thom Luz
Kostüme Sophie Leypold
Licht Thomas Langguth
Dramaturgie David Heiligers

mit Christoph Franken, Camill Jammal, Katharina Matz, Wolfgang Menardi und Daniele Pintaudi

Mit englischen Übertiteln
18. September 2018 19.30

Mit englischen Übertiteln
22. September 2018 19.30

Mit englischen Übertiteln
3. Oktober 2018 18.00
Karten

 

 

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