Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
ballettmainz - PROGRAMM XXIX ballettmainz - PROGRAMM XXIX ballettmainz - PROGRAMM...

ballettmainz - PROGRAMM XXIX

Premiere am 7. März 2009, 19.30 Uhr, Großes Haus des Staatstheaters Mainz

 

Choreographien von George Balanchine, Regina van Berkel und Martin Schläpfer

 

Tschaikowskij Pas de deux

Musik aus „Schwanensee“ op. 20 von Pjotr Iljitsch Tschaikowskij

 

Choreographie George Balanchine

Kostüme Nanette Glushak (nach Karinska)

Einstudierung Nanette Glushak

 

Tarantella Pas de deux

„Grande Tarantelle“ für Klavier und Orchester op. 67 von Louis Moreau Gottschalk, rekonstruiert und orchestriert von Hershy Kay

 

Choreographie George Balanchine

Kostüme Nanette Glushak (nach Karinska)

Einstudierung Nanette Glushak

 

Zwei Miniaturen, des großen Neoklassikers George Balanchine eröffnen Programm XXIX von ballettmainz: Kurze Pas de deux, die es allerdings in sich haben. Der „Tchaikovsky Pas de deux“ – 1960 für die beiden Solotänzer des New York City Ballet Violette Verdy und Conrad Ludlow kreiert – zählt zu den virtuosesten und schwierigsten Choreographien Balanchines. Musikalische Basis ist eine von Tschaikowskij ursprünglich für den 3. Akt seines „Schwanensee“ komponierte Musik, die bei der Uraufführung des Balletts jedoch dem berühmten „Schwarzen Schwan Pas de deux“ weichen musste und so in Vergessenheit geriet.

 

Der 1964 ebenfalls für das New York City Ballet entstandene „Tarantella Pas de deux“ auf die Grande Tarantelle (1864) des amerikanischen Komponisten Louis Moreau Gottschalk in einem Arrangement für Klavier und Orchester ist dagegen eine Hommage an den dänischen Choreographen Auguste Bournonville (1805–1879). Dieser hatte einen ganz eigenen Tanzstil kreiert, der sich zum einen durch ein äußerst virtuoses Spiel der Füße und Beine, zum anderen durch die Verwendung folkloristischer Elemente auszeichnete, wie zum Beispiel die zahlreichen Zitate der süditalienischen Tarantella in seinem 1842 uraufgeführten Ballett „Napoli“ zeigen. Auch Balanchine konzentriert sich in seinem „Tarantella Pas de deux“ auf die Fußarbeit, doch wie stets in seinen Balletten wird ihm der Blick zurück ins 19. Jahrhundert zu einem Sprungbrett in die Zukunft: Die schnellen Drehungen sowie der ebenso geschmeidige wie agile Umgang mit dem Spitzenschuh haben mit der Bewegungssprache und Ästhetik Bournonvilles kaum mehr etwas gemein, sondern zeigen aufs Schönste Balanchines ganz eigene Art, den klassisch-akademischen Tanz für das 20. Jahrhundert weiterzudenken.

 

SINFONIEN (Uraufführung)

Sinfonia I („Fogli") und Sinfonia II („Ricordanze") von Wilhelm Killmayer

 

Choreographie Martin Schläpfer

Kostüme Catherine Voeffray

 

„Ein Ballett für Persönlichkeiten – für Wesen – und nicht der Versuch eines Balletts als Komposition“, aber auch der Versuch, eine andersartige Balance in einer unbemühten Einfachheit und Entschleunigung zu finden, schwebt Martin Schläpfer mit seiner neuen Choreographie „Sinfonien“ für Programm XXIX vor. Die musikalische Basis bilden ihm hierzu die 1968 bzw. 1969 entstandenen Orchesterwerke Sinfonia I und II Wilhelm Killmayers. Der Münchner Komponist zählt zu den Stilleren und Feineren unter den Zeitgenossen, ein Außenseiter der Neuen Musik, der auf seiner steten Suche nach der „Gestik des Einzeltons“ und einer „Rhetorik des Erinnerns“ nie die Schönheit und Poesie musikalischer Erfindung aus dem Auge verloren hat. So tauchen auch in seiner Sinfonia I mit dem poetischen Beinamen „Foglie“ („Blätter“) und der Sinfonia II mit dem Untertitel „Ricordanze“ („Erinnerungen“) Klanggestalten auf, die sich wie Fenster in vergangene Zeiten ausnehmen – Kompositionen, die sich leise-verhalten, von zahlreichen Pausen unterbrochen und mit einer extrem porösen Oberflächenstruktur versehen erst ganz allmählich zu einem oszillierenden Gewerbe verdichten, um schließlich wieder in ihre Einzelteile zu zerfallen.

 

MEMORY OF A SHAPE (Uraufführung)

„Fractal Symphony“ von Theo Verbey

 

Choreographie und Kostüme Regina van Berkel

Bühne Dietmar Janeck

 

Regina van Berkel, die viele Jahre Tänzerin bei William Forsythe war sowie intensiv mit Jan Fabre zusammenarbeitete, ist eine Magierin, wenn es darum geht, Künstler und Ideen zusammenzubringen. Die Untersuchung der Beziehung von Tanz, Live-Musik, Bühne, Licht und Farben zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeiten der jungen niederländischen Choreographin, die zusammen mit dem Installationskünstler Dietmar Janeck nun erstmals ein neues Tanzstück für ballettmainz kreiert.

Musikalischer Ausgangspunkt und wesentliche Inspirationsquelle zu ihrem neuen Ballett ist die 2005 in Den Haag uraufgeführte „Fractal Symphony“ des niederländischen Komponisten Theo Verbey – eine Komposition, deren Strukturen im Großen wie im Kleinen dem Gesetz des Fraktals gehorchen. Das höchst abstrakte Prinzip der Selbstähnlichkeit – die Wiederkehr in sich selbst verschachtelter Strukturen –, aber auch das Nachdenken über Begriffe wie Symmetrie, Chaos und Komplexität in formaler und philosophischer Hinsicht sind für Regina van Berkel wichtige Impulsgeber und lassen eine choreographische Arbeit entstehen, die den Zuschauer in ein betörendes Kaleidoskop sinnlicher Reize entführt.

 

Musikalische Leitung Catherine Rückwardt

Klavier Erika le Roux

Philharmonisches Staatsorchester Mainz

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 22 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑