Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Deutschsprachige Erstaufführung: "Hier bin ich" nach dem Roman von Jonathan Safran Foer im Theater Bremen Deutschsprachige Erstaufführung: "Hier bin ich" nach dem Roman von Jonathan...Deutschsprachige...

Deutschsprachige Erstaufführung: "Hier bin ich" nach dem Roman von Jonathan Safran Foer im Theater Bremen

Premiere am 29. November 2018, 20 Uhr im Kleinen Haus

Drei Söhne, ein Hund, ein Haus: das volle Leben. Das volle Leben ist aber eben auch: Sex-SMS mit der Arbeitskollegin auf einem geheimen Handy des Ehemanns, die Inkontinenz des überalterten Hundes, der grantige Opa im Seniorenheim, Parallelwelten der Kinder, die merkwürdige Verwandtschaft, das tägliche Scheitern im Miteinander.

 

Julia und Jacob sind kein Klischee-Paar, auch wenn sie vielleicht einige Klischees erfüllen. Sie sind greifbar und menschlich, klug und wortgewandt. Mit „Hier bin ich“ hat Jonathan Safran Foer ein Buch darüber geschrieben, wie es ist, wenn alles da ist und man es einfach nicht zusammenhalten kann. Im Theater Bremen kommt der Roman nun in einer Fassung von Jan Eichberg als Deutschsprachige Erstaufführung ins Kleine Haus.

Der eigentlich als Fernsehserie geplante Roman sprüht dabei geradezu vor nicht enden wollenden Dialogen: Niemand will hier schweigen, jeder will gehört werden, ja, das letzte Wort behalten. „Verstörend, temporeich und witzig“, beschreibt Dramaturg Akın Emanuel Șipal die Dialoge, „sie sind gleichermaßen geprägt von krassem Humor und tiefer Traurigkeit. Es geht um Entfremdung, um die Frage nach der Identität und wie man mit Zuschreibungen umgeht. Zum einen auf familiärer Ebene, aber durch das Eintreffen des Cousins aus Israel auch darüber hinaus.“ Foer macht es seinen Figuren dabei nicht leicht, denn sie müssen die diffusen Erwartungen an ihre diversen Rollen in Deckung bringen: als Eltern, Kinder amerikanischer Staatsbürger*innen, liberale Mittelschichtler*innen, Mitglieder der lokalen jüdischen Gemeinde, Nachkommen von vor dem Holocaust geflüchteten Juden.

Regie führt Felix Rothenhäusler, Hausregisseur am Theater Bremen und regelmäßiger Gast an den Münchner Kammerspielen. Er studierte Theater- und Medienwissenschaft in Bayreuth und Paris sowie Regie an der Theaterakademie Hamburg. Während des Studiums gastierte er mit seinen Inszenierungen beim Körber Studio Junge Regie in Hamburg, bei Radikal jung in München und auf dem Festival Premières in Straßburg, danach folgten Arbeiten unter anderem am Düsseldorfer Schauspielhaus und am Deutschen Theater in Göttingen. Bei „Hier bin ich“ arbeitet er erneut mit Jan Eichberg zusammen, der auch schon für „Mr. Robot“ und „Ödipus / Antigone“ die Fassungen schrieb.

Fassung für das Theater Bremen von Jan Eichberg

Regie:                                                Felix Rothenhäusler
Bühne:                                             Katharina Pia Schütz
Kostüme:                                           Elke von Sivers
Musik:                                              Matthias Krieg
Dramaturgie:                                    Akın Emanuel Șipal

Mit:                                                    
Annemaaike Bakker, Nadine Geyersbach, Bastian Hagen, Siegfried W. Maschek, Deniz Orta, Justus Ritter, Matthieu Svetchine

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 13 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Ausbruch mit Jacke - Gelungener Saisonstart im Theater Pfütze in Nürnberg mit Christina Gegenbauers Dramatisierung „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“

Wenn es während der Vorstellung unwichtig wird, für welche Zielgruppe eine Theaterproduktion gemacht wurde, ist das immer ein gutes Zeichen. Mit „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“ nach dem…

Von: Stephan Knies

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑