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Eine Wiederentdeckung: Otto Nicolais Oper "Il Templario" im Theater ChemnitzEine Wiederentdeckung: Otto Nicolais Oper "Il Templario" im Theater ChemnitzEine Wiederentdeckung:...

Eine Wiederentdeckung: Otto Nicolais Oper "Il Templario" im Theater Chemnitz

Premiere am 7. März 2008, 19.30 Uhr im Opernhaus

 

Uraufgeführt im Jahre 1840, wurde diese Oper in den folgenden knapp 40 Jahren äußerst erfolgreich in ganz Europa, sogar in Mexiko und Argentinien gespielt. Doch bereits 1879 fand die bisher letzte Vorstellung statt.

Entsprechend groß ist nun die Neugier auf die Wiederaufführung, die erst durch das kürzliche Auffinden der Original-Partituren und deren Aufbereitung für die Oper Chemnitz möglich wurde.

 

Musikalische Leitung: Frank Beermann

Inszenierung und Bühne: Ralf Nürnberger

Kostüme: Claudia Rühle

Chöre: Mary Adelyn Kauffman

 

Mit: Kouta Räsänen (Cedrico il Sassone), Stanley Jackson (Vilfredo d’Ivanhoe),

Judith Kuhn (Rovena), Tiina Penttinen (Rebecca), Andreas Kindschuh (Luca di Beaumanoir), Hans Christoph Begemann (Briano di Bois-Guilbert), André Riemer (Isacco di York)

 

Der Komponist Otto Nicolai

 

Dem heutigen Opernpublikum ist Otto Nicolai im Grunde nur noch durch seine komische Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ ein Begriff. Nur wenigen ist bekannt, dass er

auch als Komponist großer italienischer Opern sowie von Liedern, Klavier-, Orchester-

und Chorwerken in Erscheinung trat und darüber hinaus als Dirigent von sich reden machte.

 

Carl Otto Ehrenfried Nicolai wurde 1810 in Königsberg geboren. Mit 16 Jahren ging er nach Berlin, wurde Schüler von Carl Friedrich Zelter (der u. a. auch Lehrer von Mendelssohn Bartholdy und Meyerbeer war) und studierte am Königlichen Institut für Kirchenmusik.

1833 übernahm er die Organistenstelle an der preußischen Gesandschaftskapelle in Rom.

Hier beschäftigte er sich ausgiebig mit den Werken altitalienischer Meister, vor allem denen Palestrinas. Er glänzte als Pianist und gab Klavierunterricht. Seine Trauermusiken auf den Tod des Komponisten Vincenzo Bellini (1835) und der Opernsängerin (und ersten Diva) María Malibran (1836) brachten Nicolai in Berührung mit dem Theater. Die ersehnten Kompositionsaufträge für die Oper blieben allerdings aus, sodass er einen Posten als Kapell-meister und Gesangslehrer an der K.K. Hofoper in Wien annahm. Schon ein Jahr später ging er wieder nach Italien, wo er in Turin den Auftrag für eine Oper erhielt, die unter dem Namen „Enrico II“ als Umarbeitung von „Rosmonda d’Inghilterra“ 1839 in Torino zur Uraufführung kam.

 

„Il Templario“, Nicolais zweite Oper, wurde am 11. Februar 1840 ebenfalls in Torino uraufgeführt und brachte dem Komponisten großen Erfolg. Innerhalb weniger Jahre gelangte das Werk an vielen Bühnen zur Aufführung (so u. a. in Bologna, Genova, Milano, Triest, Venezia, Verona; außerdem in Lissabon, Barcelona, Madrid, Palma de Mallorca, Paris, Bordeaux, Malta, Antwerpen, Bruxelles, Budapest, Bukarest, Kopenhagen, St. Petersburg

und sogar in Mexiko und Buenos Aires). Die letzte nachweisbare Aufführung fand im Jahre 1879 in Livorno statt. Im deutschsprachigen Raum wurde das Werk nur in Wien und Berlin aufgeführt.

Zwei weitere italienische Opern Nicolais, „Gildippe ed Odoardo“ (1840, Genua) und „Il Proscritto“ (1841, Mailand) konnten nicht an den Erfolg des „Templario“ anknüpfen. Nicolai übernahm daraufhin erneut die Stelle des 1. Kapellmeisters an der Wiener Hofoper. Als man sich dort nicht zur Aufführung seiner „Lustigen Weiber“ entschließen konnte, kündigte er seinen Vertrag und zog nach Berlin. Hier übernahm er die Leitung des Domchores und eine Kapellmeisterstelle an der Königlichen Oper, an der er 1849 auch die Uraufführung seiner „Lustigen Weiber“ dirigierte. Nur wenige Wochen nach der Premiere verstarb Nicolai im Alter von 38 Jahren an einem Schlaganfall.

 

Die Wiederentdeckung der Oper „Il Templario“

 

Der ausbleibende Erfolg von Nicolais „Il Templario“ im deutschsprachigen Raum ist vor allem auf den Erfolg der zehn Jahre zuvor in Leipzig uraufgeführten Oper „Der Templer und die Jüdin“ von Heinrich August Marschner zurückzuführen, die diese Thematik bereits „abdeckte“. Da sich heutzutage beide Opern in einem Dornröschenschlaf befinden und hinter den Hauptwerken „Die lustigen Weiber von Windsor“ (Nicolai) und „Der Vampyr“ / „Hans Heiling“ (Marschner) zurückstehen, ist es an der Zeit, Nicolai als veritablen Komponisten italienischer Schule wiederzuentdecken. Nicht zuletzt auch aufgrund des 200. Geburtstags des Komponisten, der im Jahr 2010 bevorsteht.

 

Möglich wurde diese Wiederbelebung erst durch das Auffinden der lange verschollen geglaubten Partitur und durch den unermüdlichen Einsatz des Berliner Musikwissenschaftlers Dr. Michael Wittmann, der einzelne Partiturteile und -abschriften in ganz Europa zusammen-getragen und ausgewertet hat, um aus diesen teils höchst unterschiedlichen Fassungen eine Edition zusammenzustellen, welche der Chemnitzer Aufführung zu Grunde liegt.

Da die letzte Aufführung fast 130 Jahre zurückliegt, ist die Einstudierung für Orchester und Solisten eine ganz besondere Herausforderung. Schließlich gibt es keinerlei Vorlagen bzw. Referenz-Aufnahmen zur Orientierung. Die CD-Produktion und somit die Ersteinspielung dieses Werkes ist eine weitere Aufgabe, der sich das motivierte Ensemble unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Frank Beermann stellen möchte. Mit seinem Leipziger Belcanto-Zyklus hat Beermann vor wenigen Jahren bereits eine glückliche Hand für diese musikalische Epoche bewiesen.

 

Die Handlung

 

Die Handlung der Oper „Il Templario“ (zu deutsch: „Der Tempelritter“) spielt in England im Jahre 1194. Als Vorlage diente Nicolai der Roman „Ivanhoe“ des schottischen Autors Sir Walter Scott, der vor allem durch seine Gedichte und Historienromane bekannt wurde.

 

Die Jüdin Rebecca hatte in Palästina den Ritter Vilfredo d’Ivanhoe, der an der Seite von König Richard Löwenherz im 3. Kreuzzug kämpfte und verletzt wurde, gesund gepflegt und sich in ihn verliebt. Zurückgekehrt in die englische Heimat, tritt Ivanhoe im Turnier von Ashby als unbekannter Ritter gegen den bis dato unbesiegten Briano du Bois-Guilbert, Mitglied des mächtigen Templerordens, an und gewinnt den Kampf. Auch Rebecca ist bei dem Turnier zugegen; sie erkennt den längst tot geglaubten Ivanhoe wieder, und ihre Liebe flammt erneut auf. Mittlerweile hat Briano ein Auge auf die hübsche junge Frau geworfen und entführt sie in die Burg der Templer, um ihre Liebe zu erzwingen.

 

Als die anderen Templer die Jüdin in ihrer Burg entdecken, unterstellen sie ihr geheime Kräfte und verurteilen die „Zauberin“ zum Tod auf dem Scheiterhaufen. Der Vollstreckung soll ein Gottesgericht vorausgehen, und ein Streiter soll für sie im Zweikampf das Schwert führen. Briano hofft, für Rebecca kämpfen und so das Leben der angebeteten Frau retten zu können - er wird jedoch zum Kämpfer der anklagenden Templer bestimmt. Dieser Konflikt

ist sicherlich der entscheidende Aspekt, ihn, den Tempelritter, zum Titelhelden der Oper zu machen. Denn Briano bleibt keine Wahl; wenn er im Zweikampf siegt, ist Rebecca dem Tode geweiht. Somit gibt es für ihn nur eine Lösung: Er selbst muss im Zweikampf sterben.

 

Ivanhoe, der als Streiter für Rebecca gegen Briano kämpft, will sich auf diese Weise bei der jungen Frau für die Pflege in Palästina bedanken. Mehr allerdings auch nicht, denn die Liebe Rebeccas kann er nicht erwidern, da er in Rovena, der Ziehtochter seines Vaters Cedrico, bereits die Liebe seines Lebens gefunden hat. Rebeccas Bereitschaft, den jüdischen Glauben zu verleugnen und sogar zu konvertieren, bleibt von Ivanhoe unerkannt. Ihr Gefühls-Chaos führt die Oper letztlich zu einem überraschenden Ende.

 

Die Musik

 

Nicolai nutzte alle ihm zur Verfügung stehenden musikalischen Möglichkeiten und kompo-nierte Cavatinen, Romanzen, Duette, Terzette und Chöre ebenso wie große komplexe Szenen und ebensolche Finali. Die drei Akte der Oper erstrecken sich geschichtlich vom Turniersieg Ivanhoes bis zur Entführung Rebeccas (Akt I), behandeln die Gefangenschaft Rebeccas und ihre Anklage, Brianos Konflikt sowie die Versöhnung der Sachsen-Familie (Akt II) und enden mit Gottesgericht, Gebet und großem Finale ultimo.

Neben den Solisten spielt der Chor eine entscheidende Rolle im Stück und gibt dem Geschehen sowohl musikalisch als auch szenisch eine beeindruckende Couleur.

 

Gemeinsam mit dem Label cpo, mit dem GMD Frank Beermann schon mehrfach zusammengearbeitet hat, entsteht von der Chemnitzer „Templario“-Aufführung eine

CD, deren Erscheinungstermin später bekannt gegeben wird.

 

Die Premiere „Il Templario“ wird von MDR FIGARO wieder live übertragen; von Deutschlandradio Kultur wird am folgenden Tag ab 19.05 ein Live-Mitschnitt ausgestrahlt.

 

Die nächsten Vorstellungen sind am 9. März 2008, 15.00 Uhr und am 21. März 2008,

19.30 Uhr im Opernhaus Chemnitz. Die Pressekarten erhalten Sie im Theater-Service,

Tel. 03 71 / 69 69 - 696, Fax 03 71 / 69 69 - 697, E-Mail tickets@theater-chemnitz.de

 

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