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Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Premiere: 25. Nov 2021

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe und Publikum aufzuheben. Und von Distanz haben wir gerade wahrlich genug. Um sie in mehrerlei Hinsicht zu überbrücken, lud das Stadttheater Fürth zur Premiere eines dreifachen Monologes mit Michaela Domes, die dem Haus seit vielen Jahren nicht nur als Schauspielerin verbunden ist.

 

Copyright: Thomas Langer

In einem achtzigminütigen Kraftakt meistert sie das Stück der niederländischen Autorin Lot Vekemans mit drei völlig unterschiedlichen Einblicken in drei Frauenseelen. Sie sind  verbunden nur durch ein paar Schlagworte sowie durch die Reflexion über Titel und Gedankenpotenzial des fiktiven Büchleins „Niemand wartet auf dich“. Während des Einlasses sitzt also die Schauspielerin am von innen erleuchteten Schminktisch, sie scheint sich zusammen mit dem Publikum auf den Abend vorzubereiten – tatsächlich hat das Stück natürlich längst begonnen.

Als Gerda ist Michaela Domes 85 Jahre jung und stellt sich (mutmaßlich zum ersten Mal in ihrem Leben) vor ein öffentliches Publikum: Sie soll erklären, warum sie ehrenamtlich Müll einsammelt. Direkt vor die erste Reihe stellt sie sich hin und wägt ihre Worte gewissenhaft ab, sie will ja nichts Falsches sagen – und kommt doch schnell ins Plaudern. Die Tochter, ihr Gatte Gerd, Gott hab ihn selig, die junge Generation und ihr Müll – die Welt, in der sie sich bewegt, ist nicht groß, aber unbedingt respektabel und, dies uns Jüngeren ins Stammbuch, interessant und anrührend.

Regisseur und Intendant Werner Müller hat zwischen den drei Monologen nicht etwa Musik platziert, will nichts verstecken. Und das funktioniert: der kleine Saal im Kulturforum Fürth ist mucksmäuschenstill, während doch nur die stumme Verwandlung von Gerda zu Ida zu sehen ist. Die Politikerin tritt als Parteivorsitzende zurück und nutzt den wohl letzten Presseauftritt zur Nabelschau über ihren Beruf. Stimmlich ist sie wirklich zwei Jahrzehnte jünger als Gerda; das Abwägende und doch Sprunghafte und dabei jede Silbe Betonende bleibt aber. Dazu scheinen das Rednerpult und das Auftreten – selbst im Bekenntnis – einer gewieften und erfahrenen Politikerin nicht recht zu passen. Allerdings hat hier auch das Textbuch einen kleinen Hänger, die Perspektiven und sogar die sprachlichen Bezüge wechseln zu oft, und das unterstützt die Umsetzung nicht eben.

Das Finale wird dann zum Höhepunkt: Die Schauspielerin gibt die Schauspielerin, Michaela Domes in Wollsocken zieht alle Register, will die Welt zu einem besseren Ort machen und hat ihr Publikum in jeder Sekunde im Griff. Nur dieser dritte Monolog findet auf der eigentlichen Bühne statt, und doch ist die vierte Wand erst hier völlig verschwunden, das Schmunzeln, Nicken und Kichern im Saal hört gar nicht mehr auf.

Starker Applaus. Regie und das sparsame Bühnenbild (Christian van Loock) tragen die schauspielerische Leistung, jede/r im Publikum fühlt sich direkt angesprochen und wird Stoff zum Nachdenken mit nach Hause nehmen. Theater ist eben nicht nur nahbar, sondern auch packend, wenn man´s, wie hier, richtig macht. Und: systemrelevant.

 

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