Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Lorenzaccio" von Alfred de Musset und George Sand - Schauspielhaus Bochum"Lorenzaccio" von Alfred de Musset und George Sand - Schauspielhaus Bochum"Lorenzaccio" von Alfred...

"Lorenzaccio" von Alfred de Musset und George Sand - Schauspielhaus Bochum

Premiere Do.31.03.2022, 19:30

1835 schreibt Alfred de Musset aus Enttäuschung über die Französische Revolution das Stück Lorenzaccio, inspiriert durch den Text Gabriel der Schriftstellerin George Sand. Er siedelt es im Florenz des Jahres 1536 an, in dem Alessandro, ein Spross aus einer Seitenlinie der Medicis, von Papst Clemens VII. und Kaiser Karl V. zum Fürsten über die Stadt gemacht wurde, der sich mit Hilfe deutscher Söldner an der Macht hält und, selbst ohne Ambitionen, politisch eine Marionette von Papst und Kaiser ist.

 

Copyright: Hans Jürgen Landes, Shauspielhaus Bochum

Man sieht eine Stadt in Dekadenz versinken, Klerus und Adel sich in kleinen Intrigen und idiotischen Ausschweifungen verbrauchen und das Volk leiden, darben und resignieren.

Lorenzo de Medici, der rechtmäßige Fürst dieser Stadt, ein Liebhaber der Künste, ein Mäzen und ein nachdenklicher, zaudernder Mensch, empfindet es als einzige Aufgabe seines Lebens, den amtierenden Fürsten Alessandro zu töten, um der Republik zu neuem Leben und zu neuer Blüte zu verhelfen. Als er es schließlich tatsächlich über sich bringt, dieses Attentat zu begehen, ist es ein Alleingang, der ohne Echo bleibt.

Die jungen Studenten, die seine Tat als Fanal sehen und eine Revolution versuchen, sind als Bewegung zu schwach, das System demgegenüber ist korrupt, innerlich ausgehöhlt und absolut unempfindlich gegenüber dieser Tat eines einzelnen Menschen; die jungen Revolutionäre werden schlicht niedergemetzelt, das System richtet sich unverzüglich wieder auf, und es ändert sich – nichts.

Das Stück ist aktuell, denn es spiegelt eine Situation, in der Gemeinschaft „von oben“ verordnet wird, Korruption überall die drängenden Probleme zudeckt. Die Frage ist, was der Jugend bleibt, welche Welt und Chancen wir ihnen überlassen.

    von Alfred de Musset und George Sand
    Fassung von Nora Schlocker, Susanne Winnacker und Arian Schill
    
    Regie: Nora Schlocker
    Bühne: Raimund Orfeo Voigt
    Kostüm: Vanessa Rust
    Musik: Simon James Phillips
    Musik, Assistenz: Lukas Tobiassen
    Lichtdesign: Bernd Felder
    Sounddesign: Will-Jan Pielage
    Dramaturgie: Susanne Winnacker

    Alessandro de Medici: Ingo Tomi
    Lorenzaccio de Medici: Marius Huth
    Kardinal Cibo: Risto Kübar
    Marchesa Ricciarda Cibo: Elsie de Brauw
    Marchese Cibo / Kardinal Valori / Giuliano Salviati / Ein Offizier / Der Ausrufer: Lukas von der Lühe
    Filippo Strozzi: Stefan Hunstein
    Piero Strozzi: Mourad Baaiz
    Luisa Strozzi: Jing Xiang
    Tebaldea: Mercy Dorcas Otieno
    Maria Soderini: Jele Brückner
    Caterina: Ann Göbel
    Bariton: Christian Walter
    Tenor: Leonhard Reso
    Sopran: Merle Bader, Theresa Klose

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 12 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Wie absurd ist das denn?

Die Volksbühne in Berlin kommt mit einer Uraufführung namens „SMAK! SuperMacho AntiKristo“ heraus, einer „hyperhybriden Hommage an den französischen Symbolisten Alfred Jarry“ und allerlei Anderes.  

Von: Stephan Knies

Zwei Außenseiter - "I am a problem" in der Deutschen Oper am Rhein: "Carmen“ "von Roland Petit und "Baal" von Aszure Barton

Der Kontrast könnte stilistisch nicht größer sein zwischen den beiden Choreografien, die an der Deutschen Oper am Rhein in „I am problem“ zu sehen sind. Und doch haben sie etwas gemeinsam, sie zeigen…

Von: Dagmar Kurtz

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑