Theater Heilbronn: "Der Steppenwolf" nach dem gleichnamigen Roman von Hermann Hesse

Premiere am 19. Januar 2019, 19.30 Uhr, Großes Haus

»Es war einmal einer names Harry, genannt der Steppenwolf. Er ging auf zwei Beinen, trug Kleider und war ein Mensch, aber eigentlich war er doch eben ein Steppenwolf. Er hat viel von dem gelernt, was Menschen mit gutem Verstand lernen können, und war ein ziemlich kluger Mann. Was er aber nicht gelernt hatte, war dies: mit sich und seinem Leben zufrieden zu sein.«
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So beginnt der »Tractat vom Steppenwolf«, den Harry Haller eines Abends zugesteckt bekommt und dessen ano­nymer Verfasser ihn bestens zu kennen scheint. »Nur für Verrückte« lautet die Unterzeile. Wenn verrückt im Ungleichgewicht bedeutet, dann ist Harry Haller, ein familienloser, heimatloser, hochsensibler Intellektueller von annähernd 50 Jahren, verrückt.

Er spürt die Krankheit der Zeit am eigenen Leib. Der Krieg ist gerade vorbei, und schon taumelt eine besinnungslose Gesellschaft dem nächsten entgegen. Harry fühlt sich wie ein Fremdkörper, weil er nicht vergessen kann. Er leidet auch an seiner inneren Zerrissenheit. Die eine Hälfte, die er als wölfische an sich selbst fürchtet, will fressen, saufen und sich ganz den animalischen Gelüsten hingeben, die andere Hälfte, die er als menschlich anerkennt, will denken, lesen, schreiben und Mozart hören. »Bei dem armen Kerl sind Mensch und Wolf Todfeinde«, macht sich der Tractat lustig. Die eine Seite in ihm hasst die jeweils andere und vergällt ihm so alle Freude. Der Selbstmord scheint ihm die einzige Rettung aus dieser unerträglichen Zerrissenheit zu sein. Da begegnet ihm Hermine, eine faszinierende und schöne junge Frau, die ihn einfach an die Hand nimmt und sagt: »Du wirst sehen, dass das Leben kinderleicht ist.« Sie findet, dass Harry viel zu wenig verrückt ist, befiehlt ihm, tanzen zu lernen und die Frauen zu lieben.

Ganz langsam führt sie ihn zu ­einer mutigen und aufrichtigen Begegnung mit sich selbst und den vielen abgründigen Facetten seiner Persönlichkeit. Ein Höllentrip – im Magischen Theater – nur für Verrückte – der Eintritt kostet den Verstand.

Hermann Hesse gilt als »Autor der Krise«, als ein Dichter, der sich schreibend der quälenden Selbstanalyse unterzog, immer auf der Suche nach der eigenen, der wirklichen Identität. Den »Steppenwolf« vollendete er 1927 in Zürich. Wie ein hochempfindlicher Seismograph spürte er bereits die Erschütterungen, die das Herannahen der nächsten gesell­schaft­lichen Katas­trophe ankündigten. In dieser Stimmung, die auch von seinen eigenen Depressionen geprägt war, schuf er mit der Geschichte des Harry Haller nicht nur ein schonungsloses Zeit-, sondern auch ein Selbstporträt.

Regie
 Malte Kreutzfeldt
Ausstattung
 Malte Kreutzfeldt
    Elisabeth Weiß Kostüm
Dramaturgie
   Sophie Püschel

Mit
    Stefan Eichberg Harry Haller
    Sonja Isemer Hermine
    Sven-Marcel Voss Pablo / Mozart
    Malin Kemper Maria
    Sabine Unger Goethe
    Frank Lienert-Mondanelli Professor / Loering
    Gabriel Kemmether Gustav / Seltsamer Mann

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