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Uraufführung: "Broken German" von Tomer Gardi im Schauspiel Graz

Premiere am 2. Dezember 2017, 20 Uhr, HAUS ZWEI

Die Geschichte von Radili und seinen Freunden Amadou, Fikert, Abayomi und Jamal ist eine ganz normale, übermütige und ungenierte Großstadterzählung. Wäre da nicht die Sprache, in der erzählt wird. Die Sprache all dieser Migranten, die wie der Erzähler aus ihrer Sprache deportiert und aus der Geschichte hinausgeworfen worden sind.

Copyright: Sarah Sophia Meyer, c Lupi Spuma

Alles beginnt damit, dass Radili sich nach bedrohlichen Anpöbelungen durch Skinheads ein Messer gekauft hat. Als Erwachsener kehrt er an den Ort seiner Jugend zurück, und seine neuen Freunde aus der "linksradikalen WG" wollen einen Film aus der Suche nach dem vergrabenen Messer machen. Aber das ist nur die erste von vielen Situationen, die der Erzähler vor uns abrollt, fallen lässt, neu aufnimmt und auf ganz unorthodoxe Weise miteinander verknüpft.

Worte, Gedanken, Metaphern, Bedeutungen, Geschichten und Menschen suchen und finden sich und verlieren sich wieder – im Getümmel der Stadt, im Sein, im Sinn und in der Sprache. Und selbst in der Bar "Zum Roter Faden" wird man diesen nicht wiederaufnehmen können, denn sogleich entspinnt sich dort die nächste Geschichte. Erfrischend komisch und klug zugleich lebt dieser Stoff von dem unverstellten Blick des auf Deutsch schreibenden, israelischen Autors Tomer Gardi, der 2016 in Klagenfurt beim Bachmann-Wettbewerb damit antrat und prompt eine Diskussion unter den Juror*innen auslöste, ob man „so etwas“ darf: schreiben in einer Fremdsprache, in der man sich nur unperfekt ausdrücken kann.

"Realismus schreiben nur Menschen mit einem festen Wohnsitz und einer Aufenthaltserlaubnis", sagt Tomer Gardi und entwickelt in „Broken German“ ein anspielungsreiches, anspruchsvolles und vergnügliches Plädoyer für die Sprachenvielfalt in der deutschen Sprache, für die Regelübertretung, für das nicht Normierte, aber auch für die permanente Suche, das (Sich-) Finden und das Sich-Erfinden, das im Theater oft einfacher gelingt als in der Realität.
 

  • REGIE Dominic Friedel
  • BÜHNE Frank Holldack
  • KOSTÜME Karoline Bierner
  • DRAMATURGIE Jennifer Weiss

MIT

  • Sarah Sophia Meyer
  • Mercy Dorcas Otieno
  • Clemens Maria Riegler
     

Mi, 13. Dez 20:00 - Mi, 20. Dez 20:00 - Mi, 27. Dez 20:00

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