Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
„Asche zu Asche“von Harold Pinter im Schauspielhaus Bochum„Asche zu Asche“von Harold Pinter im Schauspielhaus Bochum„Asche zu Asche“von...

„Asche zu Asche“von Harold Pinter im Schauspielhaus Bochum

Premiere Fr, 14.02.2020, 19:30, Kammerspiele

Ein Mann und eine Frau, Devlin und Rebecca, sitzen in einem Wohnzimmer und reden. Ihr Gespräch bewegt sich im Zickzack durch ihre gemeinsame und ungeteilte Vergangenheit und Gegenwart. Sie erzählt, er hört zu und versucht, Zugang zu ihren Gedanken, Gefühlen und Erinnerungen zu bekommen. Manchmal spricht sie von einer sadomasochistischen Beziehung, manchmal von Kriegserinnerungen, die nicht ihre sein können, aber die sie zu erleben scheint, schließlich von dem Kind, das sie auf dem Bahnsteig eines Bahnhofs verloren hat.

 

 

 

 

Er wird verwirrt durch die Widersprüche, die offenen Enden, die Distanz und dann wieder die Nähe, die sie von ihm verlangt. Je mehr sie uns erzählt, desto mehr Fragen stellen sich: Was bedeutete ihre Affäre mit dem gefährlichen Reiseführer? Ist die Gewalt eine Erinnerung oder ein Wunsch? Wer ist diese große Gruppe von Menschen an einem Strand, die ins Meer fliehen? Wann fanden all diese Ereignisse statt, und vor allem: Wer ist er selbst in dieser Geschichte?

Devlin versucht, Worte und Fakten miteinander zu verbinden, Zeit zu ordnen, um Rebecca zu beruhigen, aber immer neue Elemente in ihrer Geschichte, kleine Verschiebungen in Zeit und Ort, machen jede Form der Rekonstruktion unmöglich. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich mitreißen zu lassen, jede feste Position loszulassen, seine Rolle in der Geschichte jedes Mal zu ändern, wenn sie dies anzeigt. Manchmal macht sie ihn zu einem Liebhaber, manchmal zu einem Therapeuten, manchmal zu einem Zeugen einer Gräueltat, manchmal zu einem Täter. Schließlich wird er entdecken, dass sie nicht nach ihm sucht, sondern nach sich selbst, nach ihrer eigenen Stimme, nach der Möglichkeit, dass ein einziger lebendiger Körper für die Millionen von Toten der Geschichte empfänglich wird.

Der britische Autor und Nobelpreisträger Harold Pinter (1930 – 2008) war ein vielseitiger Theatermann: Schauspieler, Regisseur und Autor. Seine allerersten Stücke, Ende der 1950er-Jahre, klangen bereits wie eine eigene literarische Stimme. In seinem späteren Werk rücken politische Themen stärker in den Vordergrund: Macht und Sprache, Erinnern und Vergessen, das rücksichtslose Leben der Vergangenheit in der Gegenwart. Asche zu Asche (1996) ist eines seiner letzten Stücke, geschrieben nach dem Völkermord in Ruanda und den Balkankriegen. In diesem Stück beschäftigt sich der von osteuropäischen jüdischen Vorfahren abstammende Pinter erstmals explizit mit der Schoah.

    Regie, Dramaturgie: Koen Tachelet
    Bühne: Nadja Sofie Eller
    Kostüme: Greta Goiris
    Mitarbeit Kostüme: Flora Kruppa

    Rebecca: Elsie de Brauw
    Devlin: Guy Clemens

So, 16.02.
17:00
geschlossene Veranstaltung
Mo, 17.02.
19:30
Fr, 28.02.
19:30
So, 01.03.
17:00
Mo, 02.03.
19:30
Sa, 07.03.
19:30
So, 08.03.
17:00
Sa, 14.03.
19:30
So, 15.03.
17:00
Fr, 27.03.
19:30

Das Bild zeigt Harold Pinter

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 14 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑