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Thüringer Landestheater Rudolstadt: "Leben ist immer lebensgefährlich", Sirenengesänge von Erich Kästner

Premiere am 7. September 2019, 20 Uhr, im Schminkkasten

Eigentlich wollte Erich Kästner nur ein bisschen berühmt werden. Das gelang ihm nicht, denn er wurde weltberühmt. Rund um den Globus verzauberte er schon zu Lebzeiten mit seinen Kinderbüchern ein Millionenpublikum. Auch zahlreiche andere Schriften – Romane, Gedichte, Kabarettexte und mehr – trafen über viele Jahrzehnte den Nerv seiner Leserschaft. Diesen Kästner für Erwachsene, einen, der voller Humor und Pessimismus zugleich steckt, gilt es am Theater Rudolstadt bei „Leben ist immer Lebensgefährlich“ im Schminkkasten wiederzuentdecken.

 

Copyright: Anke Neugebauer

Während seine Kinderbücher stets von einer heilen Welt erzählen, sah Erich Kästner (1899–1974) hingegen in den anderen Texten mit sensibler Beobachtungsgabe illusionslos auf die Missstände seiner Zeit. Er richtete den Blick weniger nach innen als in die Welt. Die Helden seiner eleganten und eingängigen Verse sind die kleinen Leute, die im Straßencafé zu lange vor einer Tasse Kaffee sitzen, die Nachbarn im Mietshaus, die Begleiter im städtischen Nahverkehr. Über sie schrieb er, von ihnen wurde er gelesen. Aufrichtigkeit des Empfindens, Klarheit des Denkens und Einfachheit in Wort und Satz waren Kästners oberstes Gebot, wie er selbst formulierte.

1931 stand Kästner im Zenit seines Schaffens. 1933 wurden seine Bücher von den Nationalsozialisten mit dem Vorwurf der Sittenlosigkeit und Dekadenz verbrannt. Trotz der Schreib- und Publizierverbote blieb er in Deutschland, wahrscheinlich aus Liebe und Verantwortungsgefühl gegenüber seiner Mutter, der für ihn bis zu deren Tod wichtigsten Person seines Lebens. Ihr wollte er gefallen, und gefiel damit Generationen von Erwachsenen und Kindern.

Das Künstlerduo Alexander Stillmark (Regie) und Volker Pfüller (Ausstattung) hat in den vergangenen Schminkkasten-Abenden zu Wilhelm Busch, Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz bereits sein Gespür für den Humor deutscher Wortakrobaten unter Beweis gestellt. Diesmal sind es die anziehenden und warnenden Sirenengesänge von Erich Kästner – ironische und bissige Gedichte, Lieder und Prosa –, die sie für das Publikum auf ihre eigene Weise wiederentdecken. Dargeboten werden sie von drei Sirenen des Rudolstädter Theaters, den Schauspielerinnen Verena Blankenburg, Anne Kies und Ute Schmidt sowie von Schauspielkapellmeister Thomas Voigt am Klavier.

Regie: Alexander Stillmark
Bühne und Kostüme: Volker Pfüller
Dramaturgie: Michael Kliefert
Musik und musikalische Einstudierung: Thomas Voigt

Spielensemble: Verena Blankenburg, Anne Kies, Ute Schmidt

Am Klavier: Thomas Voigt

Restkarten für die Premiere am 7. September, 20 Uhr, im Schminkkasten sowie für die weiteren Aufführungen am 14. September, 20 Uhr sowie am 29. September, um 15 Uhr, sind an den üblichen Vorverkaufsstellen sowie telefonisch unter 03672/422766 erhältlich.

 

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