Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Uraufführung: "Ikarus" von John von Düffel im Theater UlmUraufführung: "Ikarus" von John von Düffel im Theater UlmUraufführung: "Ikarus"...

Uraufführung: "Ikarus" von John von Düffel im Theater Ulm

Premiere am Samstag, 5. Oktober 2019, 19.30 Uhr, im Podium des Theaters Ulm

In vielen antiken Dichtungen überliefert, erfasst der Mythos von Dädalus und Ikarus einen Aspekt, der uns intensiver denn je beschäftigt: der Drang zur Grenzüberschreitung, der Menschen von der Verantwortung für ihr Handeln befreit. In seine Bearbeitung des Stoffes implementiert John von Düffel auch die Frage nach der Dialektik des ›Fortschritts‹ und den moralischen Einsprüchen: Ist alles legitim, was menschenmöglich ist? Welche Verantwortung trägt der Künstler und Forscher für die von ihm kreierten Objekte und Optionen; wie autonom ist er in seiner Arbeit?

 

Von Düffel erzählt in seinem Theatertext vom Dilemma des Erfinders Dädalus aus der Rückschau – wem diente er, wem nützte seine Arbeit, was war der Ertrag? Konterkariert von Begegnungen mit seinen Finanziers, dem Potentaten Minos und dessen Frau Pasiphae, reflektiert Dädalus nach dem Tod des Sohnes Ikarus die Risiken seines Talents und seiner Profession. Dabei interessieren von Düffel in seiner burlesk angelegten Antiken-Paraphrase sowohl die amoralische Nähe des Künstlers zur Macht und dessen persönliche Hybris als auch die »Funktion« von Kunst und Wissenschaft als (niedere) Bedürfnisbefriedigung zahlungskräftiger oder einflussreicher Klienten.

Zum 250. Geburtstag des Ulmer Flugpioniers Albrecht Ludwig Berblinger startet das Theater Ulm mit zwei Uraufführungen als Auftragswerke in seine Jubiläumsspielzeit. Während sich Ulf Schmidts »Berblinger. Schneider.« dem Erfinder und Sozialrevolutionär selbst widmet, greift John von Düffel als Autor von »Ikarus« auf den thematisch verwandten Mythos zurück, um die Stellung des Künstlers in der Gesellschaft zu untersuchen.

In der Inszenierung von Schauspieldirektor Jasper Brandis spielen Maurizio Micksch (Dädalus), Markus Hottgenroth (Minos) und Tini Prüfert (Pasiphae).

Das Kostümbild von Petra Mollérus bedient Antikenklischees versetzt mit einem Hauch von Trash und Porno. Das ebenfalls von ihr entworfene Bühnenbild rückt das Publikum im wahrsten Sinne des Wortes ins Zentrum des Podiums und bietet eine Nähe zum Ensemble, die das Publikum auszuhalten lernen muss.

Inszenierung Jasper Brandis
Ausstattung Petra Mollérus
Sounddesign Daniel Hatvani
Sounddesign Daniel Konold
Sounddesign Jens Schalle
Dramaturgie Dr. Christian Katzschmann

Mit
Maurizio Micksch (Dädalus) Markus Hottgenroth (Minos) Tini Prüfert (Pasiphae)

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 12 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Nachdenklich, Lebhaft, Wütend, Wehmütig! Ballett am Rhein: „Vier Neue Temperamente“

DIE VIER TEMPERAMENTE George Balanchine PHLEGMATIC SUMMER Michèle Anne de Mey (Uraufführung) SANGUINIC: CON BRIO Demis Volpi (Uraufführung) CHOLERIC Hélène Blackburn (Uraufführung) FROM TIME TO…

Von: Dagmar Kurtz

Hinter der Bühne

Adriana ist der gefeierte Star der Schauspielbühne. Aber auch Ruhm und Anerkennung schützen nicht davor, hintergangen zu werden. Und wenn zwei Frauen denselben Mann lieben, sind Eifersucht, Intrige…

Von: Dagmar Kurtz

Wie absurd ist das denn?

Die Volksbühne in Berlin kommt mit einer Uraufführung namens „SMAK! SuperMacho AntiKristo“ heraus, einer „hyperhybriden Hommage an den französischen Symbolisten Alfred Jarry“ und allerlei Anderes.  

Von: Stephan Knies

Zwei Außenseiter - "I am a problem" in der Deutschen Oper am Rhein: "Carmen“ "von Roland Petit und "Baal" von Aszure Barton

Der Kontrast könnte stilistisch nicht größer sein zwischen den beiden Choreografien, die an der Deutschen Oper am Rhein in „I am problem“ zu sehen sind. Und doch haben sie etwas gemeinsam, sie zeigen…

Von: Dagmar Kurtz

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑