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Ballett am Rhein: „b.04“ - Choreographien von Twyla Tharp, Kurt Jooss und eine Uraufführung von Martin Schläpfer Ballett am Rhein: „b.04“ - Choreographien von Twyla Tharp, Kurt Jooss und...Ballett am Rhein: „b.04“...

Ballett am Rhein: „b.04“ - Choreographien von Twyla Tharp, Kurt Jooss und eine Uraufführung von Martin Schläpfer

Premiere 30. April, um 19.30 Uhr im Opernhaus Düsseldorf.

 

Zu Beginn entfaltet die Grande Dame des zeitgenössischen amerikanischen Tanzes, Twyla Tharp, in der Atmosphäre eines nachmittäg­lichen Tanztees und zu den Klaviermusik­klängen der Harlemer Jazz-Größe Willie „The Lion“ Smith in ihrem Ballett „Baker’s Dozen“ eine Reflexion über das Tanzen an sich.

Mit dem Miniaturdrama „Pavane auf den Tod einer Infantin“ aus dem Jahre 1929 steht eines der Meisterwerke von Kurt Jooss, dem Pionier des deutschen Tanztheaters, auf dem Spielplan: Eine bedrängende Parabel über Unmenschlichkeit und Härte, aber auch den Mut, seine Freiheit zu leben – mit dem Risiko, unter­zugehen. Martin Schläpfer setzt sich dagegen in seiner zweiten Uraufführung für das Ballett am Rhein mit einem zentralen Musiktheaterwerk des 20. Jahrhunderts auseinander: Morton Feldmans Oper „Neither“.

 

Twyla Tharp: „Baker’s Dozen“

Der erste Teil des Ballettabends „b.04“ verbreitet Partylaune aus der Welt der 1920er-Jahre. Twyla Tharp gelang mit „Baker’s Dozen“ eine atemberaubende Choreographie auf die legere Klaviermusik der Harlemer Jazz-Größe Willie „The Lion“ Smith, deren deutschlandweit erste Einstudierung Sie in Düsseldorf erleben. 12 Tänzerinnen und Tänzer, die mit ihren weich fließenden, sportiven und doch eleganten weißen Outfits den Country-Club- Charme der 1920er Jahre heraufbeschwören, finden sich auf der Tanzfläche, um die Konventionen eines nachmittäglichen Tanztees mit ebenso witzigen wie exzentrischen Einfällen aufzubrechen: Ein hinreißender Schwof kippt da plötzlich in einen Kopfstand um, emphatische Gesten zu einem glühenden Tango lösen sich in

bizarre „Lifts‘‘ auf, smarte Nonchalance mündet in eine groteske Kletterpartie.

Die US-Amerikanerin Twyla Tharp zählt zu den bedeutendsten und eigenwilligsten zeitgenössischen Choreographinnen -- eine Künstlerin, die wie kaum eine andere Brücken zwischen den unterschiedlichsten Genres zu

schlagen weiß. So sind ihr Pop Art, Jazz und Schlager eine ebenso reiche Inspirationsquelle wie die zeitgenössische E-Musik. Elemente des Modern Dance dienen ihr ebenso als Basis wie das klassische Ballett oder die Ästhetik des Broadway.

 

Musik: Willie „The Lion“ Smith (arrangiert von Dick Hyman)

Choreographie: Twyla Tharp

Kostüme: Santo Loquasto

Licht: Jennifer Tipton

Einstudierung: Elaine Kudo

Klavier: Cécile Tallec

Pianistin Cécile Tallec

Tänzerin Ann-Kathrin Adam,Camille Andriot,Feline van Dijken,Yuko Kato,Nicole Morel,Carly Morgan

Tänzer Martin Chaix,Callum Hastie,Michal Matys,Tonio Schibel,Alexandre Simões,Remus Sucheana

 

Kurt Jooss: „Pavane auf den Tod einer Infantin“

Im scharfen Kontrast zu der eben heraufbeschworenen Partystimmung steht Kurt Jooss’ „Pavane auf den Tod einer Infantin“, die uns in die Welt des spanischen Hofes und seiner strengen Etikette entführt. Von monotoner

Regelhaftigkeit und unmenschlicher Starrheit ist der Tanz, zu dem sich eine Hofgesellschaft -- eingezwängt in die steifen Kostüme des spanischen Barock -- versammelt hat. Ein junges Mädchen versucht, sich den geregelten

Schrittfolgen zu fügen, bricht dabei aber immer wieder aus in ihre ganz eigene tänzerische Phantasiewelt -- und verliert am Ende den Kampf um ihre Individualität. Mit Kurt Jooss’ Miniaturdrama ist eines der zentralen Werke des deutschen Tanztheaters der späten 1920er Jahre zu erleben. Der Mitinitiator der Folkwangschule Essen erlangte 1932 mit seinem bedrängenden Antikriegsballett „Der Grüne Tisch‘‘ Weltruhm. Geschichten über Macht, Tod, Liebe, Zerstörung und die Verführbarkeit des Menschen blieben wiederkehrende Motive seines choreographischen Schaffens -- ein Tanztheater, das er selbst immer auch als einen „Ruf aus Regionen‘‘ verstanden wissen wollte, „die die letzten Menschenwerte bergen‘‘.

Musik: „Pavane pour une infante défunte“ von Maurice Ravel

 

Choreographie: Kurt Jooss

Kostüme: nach Sigurd Leeder

Licht: Hermann Markard

Einstudierung: Anna Markard und Jeanette Vondersaar

Klavier: Cécile Tallec

 

Martin Schläpfer: „Neither“ (Uraufführung)

Die dritte Choreographie des Ballettabends „b.04“ ist Martin Schläpfers Uraufführung zur Oper „Neither“ von Morton Feldman und Samuel Beckett. Klänge kreisen in einem schwebenden Zustand wie in Zeitlupe ziellos vor

sich hin, als wären sie Akkorde der Ewigkeit. Blockhafte Setzungen lösen sich durch Überlagerungen von Zeitschichten in amorphe Klanggespinste von betörend süßer Melancholie auf. Eine hoch exponierte, einsame Frauenstimme entfaltet ihren Gesang in schwebend-gebrochenen Kantilenen. Mit unwiderstehlichem Sog werden wir mitgenommen auf eine Reise ins Ungewisse und Unerhörte, hinein in ein zartes Vorantasten zwischen Klang

und Stille: „Hin und her im Schatten vom inneren zum äußeren Schatten / vom undurchdringlichen Selbst zum undurchdringlichen Unselbst / durch weder noch …‘‘.

 

„Etwas vom Zauber des Moments, von der wirklichen Abstraktion zu erhaschen und auf diesem Wege zu einer anderen Qualität von Tanz‘‘ zu finden, erhofft sich Martin Schläpfer von seiner Auseinandersetzung mit diesem einzigartigen Musiktheaterwerk des 20. Jahrhunderts. Morton Feldmans 1977 in Rom uraufgeführte Komposition „Neither‘‘ auf einen Text von Samuel Beckett ist eine Oper, die wegen ihrer eigenartigen Strukturen und ihrer quasi wortlosen Sprache ungeahnte Räume für den Tanz eröffnet: für Martin Schläpfers neues Ballett, für die gesamte Compagnie des Balletts am Rhein in Zusammenarbeit mit rosalie. Die Stuttgarter Künstlerin, die sich

neben bekannten Rauminstallationen wie den „Flossis‘‘ im Düsseldorfer Medienhafen auch immer wieder der Theaterarbeit widmet, gestaltet für „Neither‘‘ Bühne und Kostüme.

 

Musik: „Neither“, Oper in einem Akt von Morton Feldman, Text von Samuel Beckett

Choreographie: Martin Schläpfer

Musikalische Leitung: Dante Anzolini

Video-Lichtinstallation, Raum und Kostüme: rosalie

Sopran: Anke Krabbe

Düsseldorfer Symphoniker

__

Weitere Aufführungen von „b.04“ im Opernhaus Düsseldorf:

So 02.05. – 18.30 Uhr / Do 06.05. – 19.30 Uhr / Sa 08.05. – 19.30 Uhr / Do 13.05. – 19.30 Uhr /

Sa 15.05. – 19.30 Uhr / Mo 24.05. – 19.30 Uhr / Do 27.05. – 19.30 Uhr / So 30.05. – 18.30 Uhr

 

Tickets:

Opernshops Düsseldorf (Telefon 0211. 89 25 211) und Duisburg (Telefon 0203. 9 40 77 77), online über www.operamrhein.de

 

 

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