Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Bernhard Studlar gewinnt den Autor*innen-Preis der österreichischen TheaterallianzBernhard Studlar gewinnt den Autor*innen-Preis der österreichischen...Bernhard Studlar gewinnt...

Bernhard Studlar gewinnt den Autor*innen-Preis der österreichischen Theaterallianz

Gewinnerstück „Lohn der Nacht“ wird vom Theater KOSMOS in Koproduktion mit den Bregenzer Festspielen im Sommer 2021 uraufgeführt.

Die Österreichischen Theaterallianz der freien österreichischen Bühnen (Schauspielhaus Wien, Theater Kosmos Bregenz, Schauspielhaus Salzburg, Klagenfurter Ensemble, Theater Phönix Linz, Theater am Lend) versteht sich als eine bundesweite Plattform für das zeitgenössische Theater in Österreich. Im Zentrum der vom Bundesministerium für Kunst und Kultur geförderten gemeinsamen Aktivitäten steht der Austausch von ausgewählten Inszenierungen zeitgenössischer österreichischer Dramatik und die Förderung von Theaterautor*innen.

 

Copyright: Doris Geml

Der von der Theaterallianz ausgelobte Autor*innenpreis geht 2020 an den Wiener Autor Bernhard Studlar mit seinem Stück „Lohn der Nacht“. Er ist somit der dritte Gewinner dieses Wettbewerbs nach Thomas Köck (2016) und Miroslava Svolikova (2018). Der Autor*innenwettbewerb der Theaterallianz wurde bereits zum dritten Mal ausgeschrieben und ist mit € 9.500,- dotiert. Er gehört somit zu den höchstdotierten Auszeichnungen für neue Dramatik im deutschsprachigen Raum.

Der Wettbewerb fand in Kooperation mit den Bregenzer Festspielen statt. Das gekürte Gewinnerstück wird im Rahmen der Bregenzer Festspiele im August 2021 im Theater KOSMOS in Bregenz uraufgeführt. Aus diesem Grund orientierte sich die Ausschreibung inhaltlich an Giacomo Puccinis Oper „Madame Butterfly“, deren Neuinszenierung ursprünglich für den Sommer 2021 auf der Seebühne geplant war. Da „Madame Butterfly“ erst im Sommer 2022 produziert wird, kommt der Text nun als Vorbote dieser Oper zur Uraufführung.

Nach „Der Kongress tanzt“ 2016 und „Die Stunde der Diktatoren“ 2018, lautete der Arbeitstitel für den diesjährigen Wettbewerb „Die Arroganz des Kapitals“. Die Arroganz, mit der der amerikanische Marineoffizier Pinkerton die Geisha Cio-Cio San, genannt Butterfly, zur Frau nimmt, steht stellvertretend für die Anmaßungen der westlichen Welt quer durch die Geschichte. Die Arroganz des Kapitals ist allgegenwärtig, sei es die Dreistigkeit mit der – auch moderne - Kolonialherren in Länder einfallen, um sich Rohstoffe und wirtschaftliche Gewinne zu sichern oder sei es die Tatsache, dass man für Geld alles und jeden kaufen kann.

„Man stelle sich ein Dreieck vor. Zur selben Zeit in derselben Stadt. Eine Brücke, ein Auto, ein Opernhaus.“ Mit diesen Sätzen startet Bernhard Studlar sein nächtliches Szenario: Ein lebensmüder Mann, eine nervöse Diva, ein mit Testosteron und Geld gefülltes Fußballwunderkind. Man stelle sich ein Dreieck vor und im Mittelpunkt zwischen Brücke, Auto und Oper steht? ein Würstelstand. Besitzerin Carla (eine Philosophin - süßer oder scharfer Senf?) brät nicht nur Würste, sondern wälzt und wendet auch Gedanken. Die Wege der Figuren, ihre Wut, ihre Verzweiflung und Euphorie treffen im Laufe der Nacht am Würstelstand aufeinander. Was ist der Preis dieser Nacht, was ist der Lohn dieser Nacht?

Bernhard Studlar gelingt mit seinem Stück ein humorvoll philanthropischer Blick auf die Sehnsüchte, Enttäuschungen und Verwundbarkeiten dieser Nachtschwärmer, auf ihre Klugheiten, ihre Dummheiten und ihre Strategien, um am Ende der Nacht ein Haben auf ihrem Konto verzeichnen zu können.

Bernhard Studlar, geboren 1972, lebt als freischaffender Autor in Wien. Er studierte an der Universität Wien Theaterwissenschaft, Philosophie, Germanistik und Publizistik und war von 1995–1998 Dramaturg und Regieassistent am Theater der Jugend in Wien. Von 1998–2002 absolvierte er zudem ein Studium an der Hochschule der Künste im Fach Szenisches Schreiben. 2005 gründete er zusammen mit dem Regisseur Hans Escher die WIENER WORTSTAETTEN, ein interkulturelles Theaterprojekt zur Förderung des Austauschs und der Vernetzung zwischen österreichischen und internationalen Autorinnen und Autoren. Bernhard Studlars Stücke wurden u. a. am Wiener Burgtheater, am Staatstheater Kassel, am Schauspiel Leipzig und am Slowakischen Nationaltheater in Bratislava uraufgeführt.

Nach der Premiere in Bregenz im August 2021 wird die Inszenierung auf Tournee durch alle Mitgliedstheater der Allianz gehen.

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 19 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Ausbruch mit Jacke - Gelungener Saisonstart im Theater Pfütze in Nürnberg mit Christina Gegenbauers Dramatisierung „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“

Wenn es während der Vorstellung unwichtig wird, für welche Zielgruppe eine Theaterproduktion gemacht wurde, ist das immer ein gutes Zeichen. Mit „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“ nach dem…

Von: Stephan Knies

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑