Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
CORPUS DELICTI von Juli Zeh im WOLFGANG BORCHERT THEATER MünsterCORPUS DELICTI von Juli Zeh im WOLFGANG BORCHERT THEATER MünsterCORPUS DELICTI von Juli...

CORPUS DELICTI von Juli Zeh im WOLFGANG BORCHERT THEATER Münster

Premiere | Donnerstag, 3. Februar 2022 | 20 Uhr

In dem Science-Fiction-Szenario wird ein totalitär agierender digitaler Überwachungsstaat beschrieben, in dem der Mensch als biologisches Wesen zur Krankheitslosigkeit perfektioniert und bei Nichtbefolgung der dazu geltenden „Methode“ sanktioniert wird.

 

Copyright: Annika Bade

Im Jahr 2072 ist das Unvorstellbare geschafft: Fast alle Krankheiten sind ausgerottet, niemand stirbt an Krebs, medizinisches Leiden ist Geschichte und den Meisten nicht einmal mehr bekannt. Dank der „Methode“, einem Gesellschaftssystem, das allein auf das gesundheitliche Wohl des Kollektivs ausgelegt ist, strebt der Mensch der Optimierung entgegen. Niemand muss auch nur einen Gedanken an Leid und Angst verschwenden, solange man sich an die Regeln und Vorschriften hält. Mia Holl, Biologin mit hohem Ansehen, lebt ein gutes Leben mit der Methode.

Doch die scheinbare Utopie wird zerstört – ihr Bruder wird per DNA-Test des Mordes überführt und nimmt sich im Gefängnis das Leben. In ihrer Trauer und angesichts der Aussichtslosigkeit gerät sie in einen Gewissenskonflikt und sie beginnt, das System der „Methode“ in Frage zu stellen: Kann ihr Bruder ein Mörder sein? Könnte die Methode doch Fehler zulassen? Es dauert nicht lange, bis ihre Zweifel bemerkt werden. Doch der auf sie ausgeübte Druck entfaltet sich anders, als sich die Behörden erhofften…

In Tanja Weidners Inszenierung werden die Zuschauer in mehrfacher Hinsicht in die Zukunft entführt: Im Zuge der Probenarbeit formierte sich die Gruppe „BoDiLab“, ein Kreativ-Team, das sich aus vielen unterschiedlichen „Digital-Nerds“ zusammensetzt: Veranstaltungstechnikern, Azubis, Schauspielern, Studierenden, der Regisseurin sowie Bühnenbildnerin und Mitgliedern des Münsteraner Hackerspace „Warpzone“.

Alle vereint die Experimentierfreude und der Spaß an der Entwicklung neuer Spielformen und Transformationsprozessen.  Für „Corpus Delicti“ hat BoDiLab den Bühnen- und Zuschauerraum als ein Überwachungs-Panoptikum entworfen, in dem acht Kameras, zahlreiche Projektionsflächen, Greenscreen-Technik und VR-Brillen zum Einsatz kommen und das Publikum auf spielerische Art einlädt, daran teilzuhaben.

Ihre Kritik an staatlichen Überwachungsmaßnahmen und Spionageaffären brachte Richterin und Autorin Juli Zeh (*1974) in offenen Briefen und Petitionen zum Ausdruck und floss insbesondere in ihrem Roman „Corpus Delicti“ ein. Darin warnt sie vor der Überwachung durch den Staat und dem Verlust der Privatsphäre unter dem Mantel vermeintlicher totaler Sicherheit.  Es entstand ursprünglich als Theaterstück für die RuhrTriennale und wurde dort 2007 uraufgeführt. Zwei Jahre später erschien der gleichnamige Roman, der schnell zum Bestseller wurde.


Juli Zeh
Corpus Delicti
Inszenierung | Tanja Weidner
Bühne & Kostüme | Annette Wolf
Video, Sound & VR | BoDiLab
Dramaturgie | Annika Bade

Mitwirkende | Florian Bender | Rosana Cleve | Erika Jell | Ivana Langmajer | Jürgen Lorenzen | Alessandro Scheuerer

Weitere Termine | Fr -Sa 4.-5. Februar | 20 Uhr | So 6. Februar | 18 Uhr | [Einführung

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 13 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Wie absurd ist das denn?

Die Volksbühne in Berlin kommt mit einer Uraufführung namens „SMAK! SuperMacho AntiKristo“ heraus, einer „hyperhybriden Hommage an den französischen Symbolisten Alfred Jarry“ und allerlei Anderes.  

Von: Stephan Knies

Zwei Außenseiter - "I am a problem" in der Deutschen Oper am Rhein: "Carmen“ "von Roland Petit und "Baal" von Aszure Barton

Der Kontrast könnte stilistisch nicht größer sein zwischen den beiden Choreografien, die an der Deutschen Oper am Rhein in „I am problem“ zu sehen sind. Und doch haben sie etwas gemeinsam, sie zeigen…

Von: Dagmar Kurtz

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑