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„DIE POLONAISE VON OGINSKI“ von Nikolaj Koljada AM SCHAUSPIEL CHEMNITZ

Premiere am 13. November 2021, 19.30 Uhr im Schauspielhaus Chemnitz

Das Stück von Nikolaj Koljada wirft einen Blick zurück in die krisenbehaftete Zeit nach dem Zusammenbruch des Sozialismus. Die Besitzer einer Moskauer Luxuswohnung kommen in den Wirren der späten 1980er Jahre gewaltsam zu Tode, ihre Tochter Tanja flieht nach New York ins Exil und die ehemaligen Angestellten richten sich in der Wohnung ein – unter ihnen Tanjas große Liebe Dima.

 

 

 

Copyright: Nasser Hashemi

Die neuen Bewohner verkaufen in den schlimmen Jahren nach der Perestroika alles Mobiliar und schlagen sich irgendwie durch. Doch zehn Jahre später kündigt sich Besuch aus Amerika an: Tanja. Mit ihr wird die Angst der Bewohner, aus der Wohnung geworfen zu werden, real, und es prallen zwei Welten aufeinander: die Daheimgebliebenen und der verheißungsvolle, strahlende Westen in Gestalt der Bonzentochter. Aber für Tanja ist an eine Heimkehr ohne wirklichen Neuanfang nicht zu denken.

Der russische Dramatiker und Regisseur Nikolaj Koljada umspielt in Die Polonaise von Oginski die Illusionen und Ängste vor einer notwendigen Veränderung. Jede tiefe Krise – sei sie politischer, gesundheitlicher, beruflicher, persönlicher oder sozialer Natur – fordert Menschen heraus, ihr Leben und Handeln in Frage zu stellen, Vertrautes gegebenenfalls schmerzvoll zurückzulassen und sich für Neues zu öffnen. Andernfalls drohen Erstarrung und Verklärung. In diesem Sinne reflektiert der italienische Regisseur Paolo Magelli gemeinsam mit seinem Team persönliche Erfahrungen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, welcher mit dem Niedergang alternativer gesellschaftlicher Ideen zugunsten der alles beherrschenden neoliberalen kapitalistischen Ökonomie verbunden war. Zugleich misst er poetisch die innere Heimat seiner Figuren aus, einer Heimat voll mit brüchigen Hoffnungen aus einer alten Zeit.
        
DIE POLONAISE VON OGINSKI  

Schauspiel

von Nikolaj Koljada   
Aus dem Russischen von Alexander Kahl
 
Regie: Paolo Magelli
Bühne: Lorenzo Banci
Kostüme: Leo Kulaš
Musik: Bernd Sikora

Es spielen Dirk Glodde, Katka Kurze, Andreas Manz-Kozár, Christian Schmidt, Susanne Stein und Patrick Wudtke.

Nächste Vorstellungen: 19. November und 3. Dezember, jeweils 19.30 Uhr
 

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