Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Hamlet", Tragödie von William Shakespeare, Thüringer Landestheater Rudolstadt"Hamlet", Tragödie von William Shakespeare, Thüringer Landestheater Rudolstadt"Hamlet", Tragödie von...

"Hamlet", Tragödie von William Shakespeare, Thüringer Landestheater Rudolstadt

Premiere am 25. Januar 2020, Theater im Stadthaus

Aktuell wie eh und je: Shakespeares berühmte Tragödie „Hamlet“ provoziert seit ihrer Uraufführung vor über 400 Jahren die Frage nach dem eigenen Wissen und Gewissen. Denn obwohl Verrat und Intrigen beim Kampf um die Macht ganz offensichtlich sind, findet der Dänenprinz nur schwer zu einer klaren Haltung.

 

Copyright: Anke Neugebauer-presse

„Etwas ist faul im Staate Dänemark!“ Seit Claudius den Thron bestieg, regiert die Heuchelei. Noch übt sich Hamlet in Diplomatie, doch der Geist seines Vaters, des alten Königs, bestätigt ihm, was er schon ahnt: Sein Onkel Claudius errang die Macht durch feigen Brudermord, und Hamlets Mutter Gertrud ist in die Tat verwickelt. Hamlet schwört Rache; ein Anschlag muss her, eine Tat, die das ganze verlogene Regime stürzt. Mit entlarvenden Anspielungen, gehüllt in den Anschein des Wahnsinns, klagt Hamlet die Schuldigen öffentlich an. Doch als die Gelegenheit zum Mord da ist, lässt er sie verstreichen und tötet den Falschen. Hat der junge Mann die Kraft, um die historische Aufgabe zu schultern? Hat es Sinn, sich aufzulehnen, an bessere Verhältnisse nach einem Umsturz zu glauben? Oder bleibt ihm allein, diese aus den Fugen geratene Welt stoisch zu ertragen? Claudius führt den Gegenschlag. Seine Intrige jedoch trifft nicht bloß Hamlet, sondern löscht das gesamte Königsgeschlecht aus. Durch den inneren Showdown geschwächt, fällt Dänemark an eine fremde Macht.

Das wohl berühmteste Theaterstück der Welt ist Politthriller, Psychodrama und Familientragödie. Jede Epoche greift bestimmte Aspekte heraus. Heute stellen innere Spaltung und äußere Konflikte die „westlichen“ Gesellschaften zunehmend vor die Zerreißprobe. Einst gefestigte Werteorientierungen implodieren, vermeintlich stabile gesellschaftliche Strukturen geraten ins Wanken. Shakespeares Meisterwerk erweist vor diesem Hintergrund ein weiteres Mal seine verblüffende Modernität. Und offenbart damit Dilemma dieser Zeit: Wir wissen zu viel und handeln zu wenig.

Verraten wir damit nicht letztendlich auch uns selbst?, fragt Regisseur Alejandro Quintana mit seiner Inszenierung, die an die letzten Arbeiten am Theater Rudolstadt wie „Der Meister und Margarita“ u. a. anknüpft. Die Titelrolle spielt Philipp Haase, seit dieser Spielzeit neu im Ensemble. Mit ihm stehen auf der Bühne: Johannes Arpe (Claudius), Marcus Ostberg (Horatio), Ute Schmidt (Getrud), Jochen Ganser (Polonius), Anne Kies (Ophelia) sowie in weiteren Rollen Jakob Köhn, Manuela Stüßer, Johannes Geißer, Verena Blankenburg und Rayk Gaida. Das Bühnen- und Kostümbild liegt in den Händen von Andrea Eisensee.

Regie: Alejandro Quintana
Bühne und Kostüme: Andrea Eisensee
Choreografische Mitarbeit: Julieta Figueroa
Fechtchoreografien: Jakob Köhn
Dramaturgie: Michael Kliefert, Judith Zieprig
Theaterpädagogik: Friederike Dumke

Hamlet: Philipp Haase
Claudius: Johannes Arpe
Geist / Horatio: Marcus Ostberg
Gertrud: Ute Schmidt
Polonius / Osrik: Jochen Ganser
Fortinbras: Jakob Köhn
Ophelia: Anne Kies
Güldenstern / Soldat: Manuela Stüßer
Laertes: Johannes Geißer
1. Totengräber: Verena Blankenburg
Rosenkranz / 2. Totengräber / Priester: Rayk Gaida

Weitere Aufführungen des Klassikers sind u. a. am Samstag, dem 1. Februar, um 19.30 Uhr sowie Sonntag, am 23. Februar, um 18 Uhr (mit Nachgespräch) im Theater im Stadthaus zu erleben. Karten sind an den üblichen Vorverkaufsstellen, über die Internetseite des Theaters sowie telefonisch unter 03672/422766 erhältlich.
Weitere Informationen: Das Inszenierungsteam und Darsteller laden zudem am 19. Januar bereits zu einer Premieren-Matinee in Theater-Bar im Stadthaus ein. In der Theatersendung Radio_aktiv im SRB Saalfeld wird „Hamlet“ bereits am 16. Februar Thema.

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 17 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Wie absurd ist das denn?

Die Volksbühne in Berlin kommt mit einer Uraufführung namens „SMAK! SuperMacho AntiKristo“ heraus, einer „hyperhybriden Hommage an den französischen Symbolisten Alfred Jarry“ und allerlei Anderes.  

Von: Stephan Knies

Zwei Außenseiter - "I am a problem" in der Deutschen Oper am Rhein: "Carmen“ "von Roland Petit und "Baal" von Aszure Barton

Der Kontrast könnte stilistisch nicht größer sein zwischen den beiden Choreografien, die an der Deutschen Oper am Rhein in „I am problem“ zu sehen sind. Und doch haben sie etwas gemeinsam, sie zeigen…

Von: Dagmar Kurtz

Ich hoffe, es wird recht lebendig

Die Zeit spricht eigentlich für eine neue Premiere der „Hedda Gabler“: In den nunmehr bald zwei Jahren der Beschränkungen haben so viele von uns die eigenen Lebensentwürfe grundsätzlich in Frage…

Von: Stephan Knies

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑