Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Schauspiel Stuttgart: Deutschsprachige Erstaufführung "Am Ende Licht" von Simon Stephens Schauspiel Stuttgart: Deutschsprachige Erstaufführung "Am Ende Licht" von...Schauspiel Stuttgart:...

Schauspiel Stuttgart: Deutschsprachige Erstaufführung "Am Ende Licht" von Simon Stephens

Am 6. Februar 2017 betritt Christine nachmittags einen Supermarkt. Neun Monate war sie trocken. Bei dem Versuch eine Flasche Wodka aus dem Getränkeregal zu holen, stirbt sie an einer Gehirnblutung. Im Moment ihres Todes lässt Christine ihr Leben Revue passieren.

 

Copyright: Schauspiel Stuttgart

Aufgewachsen in einer Kleinstadt in der nordenglischen Provinz, träumte sie davon eine Trapezkünstlerin zu werden. Als sie zwölf Jahre alt war, verließ ihre Mutter die Familie. Um das Gefühl zu vertreiben, nicht dazu zu gehören, begann sie als Jugendliche mit dem Trinken. Mit siebzehn verliebte sie sich, bekam Jess, ihr erstes Kind, und wurde verlassen. Mit neunzehn heiratete sie Bernhard, den sie nicht liebte, und bekam zwei weitere Kinder mit ihm, Ashe und Steven. Als ihre Kinder größer wurden, fing sie erneut an zu trinken. Die Alkoholsucht blieb ihr ständiger Begleiter.

Während Christine stirbt, trifft sich ihr Ehemann mit zwei Frauen zum Sex in einem Hotel. Ihre älteste Tochter Jess, eine Volksschullehrerin, wacht nach einer durchzechten Nacht neben einem Fremden auf und beginnt sich in ihn zu verlieben. Zeitgleich streitet Christines zweite Tochter Ashe sich mit ihrem Ex-Partner Joe um die Unterhaltszahlungen für ihr gemeinsames Kind. Und Christines Sohn Steven, der sich aus Angst vor seinem Vater nicht traut sein Jurastudium hinzuschmeißen, verbringt diesen Tag mit seinem Freund Andy. Steven hasst sein Leben und hat Angst, dass Andy ihn verlassen will.

In kurzen ineinanderlaufenden Szenen erzählt den britische Autor Simon Stephens ganz unsentimental von Menschen, die versuchen ihre Angst vor der Einsamkeit und ihre Verlustängste zu überwinden. Von Eltern, die sich fremd geworden sind, aber nicht voneinander loskommen. Von Kindern, die auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden in existentielle Krisen geraten, und von ihrer Sehnsucht, eine enge Beziehung zu einem Partner aufzubauen, um Vertrauen und Halt in der Welt zu finden.

 Simon Stephens, geboren 1971 in Manchester, war erst Barkeeper, DJ und Lehrer, bevor er sich dem Schreiben zuwandte. Er wurde für seine Stücke vielfach ausgezeichnet und vom Fachmagazin Theater heute mehrfach zum besten ausländischen Dramatiker des Jahres gewählt. Aktuell ist Simon Stephens künstlerischer Mitarbeiter des Lyric Theatre und assoziierter Autor am Royal Court Theater in London. Am

Schauspiel

Stuttgart war bereits sein Stück Rage in der Regie von Sophia Bodamer zu sehen (2018/19). Stephens war alleiniger Juror für den Nachwuchspreis des ersten Europäischen Dramatiker:innen Preises 2020. Im Rahmen der Preisverleihung am 10. Oktober 2021 hielt er die Laudation auf die britische Autorin Jasmine Lee-Jones.

 
Deutsch von Barbara Christ

Inszenierung: Elmar Goerden

Bühne

: Silvia Merlo & Ulf Stengl,
Kostüme: Lydia Kirchleitner,

Licht

: Sebastian Isbert,
Dramaturgie: Ingoh Brux, Christina Schlögl

Mit: Sylvana Krappatsch, Klaus Rodewald, Katharina Hauter, Nina Siewert, Jannik Mühlenweg, Sebastian Röhrle, Marco Massafra, Marietta Meguid, Therese Dörr, Peer Oscar Musinowski   

Weitere Vorstellungen:
16. / 17. / 30. Nov 21, jeweils 19:30
06. Dez 21, 19:30; 13. Dez 21, 19:00 (Achtung früherer Beginn); 17. Dez 21, 19:30
01. / 09. Jan 22, 19:30; 23. Jan 22, 18:00
und ab Februar

 

---

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 15 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Ausbruch mit Jacke - Gelungener Saisonstart im Theater Pfütze in Nürnberg mit Christina Gegenbauers Dramatisierung „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“

Wenn es während der Vorstellung unwichtig wird, für welche Zielgruppe eine Theaterproduktion gemacht wurde, ist das immer ein gutes Zeichen. Mit „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“ nach dem…

Von: Stephan Knies

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑