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Uraufführung: DER LETZTE BÜRGER von Thomas Melle - Theater Bonn

Premiere 25.1.2018,19:30, Kammerspiele

Leo Clarenbach liegt im Sterben. Ein letztes Mal findet er sich im Kreise seiner Familie wieder, ein letztes Mal werden die Erinnerungen an früher wach. Erinnerungen an ein perfektes Leben, eine perfekte Familie: wohlhabend, aber mit sozialem Gewissen, geschmackvoll, stilsicher, hochbürgerlich. Und immer das Engagement, die Politik im Blick. Doch dann zerspringt 1990 mit dem Mauerfall auch das Familienglück, als bekannt wird, dass hinter dem scheinbaren Idyll in Wahrheit Lüge und Verrat stecken.

 

Denn Familienvater Leo hat jahrelang für die DDR spioniert. Die bürgerliche Fassade zerbricht, und mit ihr auch die Familie, entwurzelt und traumatisiert. Und doch – war es nicht ein ehrenhaftes Doppelleben, das der Vater da führte? Was trieb ihn? War es der Konflikt zwischen bürgerlicher Staatstreue und Radikalutopie, der die Familie zerstörte? Oder doch nur eine simple, monströse Lebenslüge? Ist nicht jede Utopie eine Lebenslüge? Die Fragen in der Abschiedsnacht werden immer dringlicher und größer.

Thomas Melles Theaterstück ist ein Requiem auf ein Bürgertum, dessen Selbstverständnis nicht ohne politische Mitgestaltung und gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu denken war. Wo sich beim dementen Familienvater seit Jahren das Vergessen breitmacht, setzen sich die widersprüchlichen Erinnerungen seiner Familie ins Werk und versuchen zu fassen, was falsch gelaufen ist – im Privaten und in der Gesellschaft. Thomas Melle, 1975 in Bonn geboren, ist Autor mehrerer Theaterstücke und Romane, mit denen er bereits mehrfach auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand. Für das THEATER BONN schrieb er zuletzt BILDER VON UNS, das zu zahlreichen renommierten Theaterfestivals eingeladen wurde („Stücke“ Mülheim, „Autorentheatertage“ Berlin).

Alice Buddeberg arbeitet als freischaffende Regisseurin und inszeniert u.a. in Hamburg, Frankfurt und Weimar. Am THEATER BONN realisierte sie als Hausregisseurin zahlreiche Arbeiten und gehört zu den prägenden Handschriften des Hauses.
 

  • Regie: Alice Buddeberg
  • Bühne: Cora Saller
  • Kostüme: Emilia Schmucker
  • Musik: Stefan Paul Goetsch
  • Video: Joscha Sliwinski
  • Licht: Sirko Lamprecht
  • Dramaturgie: Johanna Vater
  • Regieassistenz: Julie Grothar
  • Ausstattungsassistenz: Tobias Maier
  • Inspizienz: Andreas Stubenrauch
  • Soufflage: Kerstin Heim

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