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"Vögel" von Wajdi Mouawad - Schauspielhaus Graz

PREMIERE am 31. Jänner 2020, 19.30 Uhr, HAUS EINS

Eitan Zimmermann, ein junger Genetiker aus Berlin, verliebt sich in die arabischstämmige New Yorkerin Wahida – wohl wissend, dass seine Eltern diese Verbindung nicht gutheißen werden. Denen ist ihre jüdische Herkunft überaus wichtig. Eitans Vater ist Kind eines Holocaust-Überlebenden, seine Mutter hatte erst spät von ihrer jüdischen Abstammung erfahren, da in der DDR alles der Doktrin des Kommunismus untergeordnet wurde; umso wichtiger ist sie ihr geworden.

 

Copyright: Lex Karelly

Nach dem missglückten Abendessen mit seiner Familie analysiert Eitan das Genmaterial seiner Verwandten und findet heraus, dass nichts so ist wie es scheint. Um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, fliegt er nach Tel Aviv zu seiner unbekannten Großmutter, die sowohl ihren Mann, Eitans Großvater, als auch ihr Kind, seinen Vater, vor 35 Jahren zum letzten Mal sah. Und die wissen muss, wie alles zusammenhängt …

Vögeln in der Luft gleich suchen die Figuren einen Platz zum Landen: ein Narrativ, eine Heimat, Abstammung, Ideologie oder Religion, um so etwas wie Zugehörigkeit zu fühlen. Thesen treffen aufeinander: hier der Sohn, der als Wissenschaftler weiß, dass Gefühle nicht auf zellulärer Ebene vererbt werden können; dort der gläubige Vater, der eine Jahrtausende alte Verbindung zum Leid der Vorväter fühlt; hier die Mutter, die als Psychoanalytikerin und aus Erfahrung weiß, dass die erste große Liebe meist nicht die letzte ist; dort die Großeltern, die erfuhren, dass auch aus Liebe Schmerz entstehen kann. Und dazwischen die Arabistin Wahida, die Nachforschungen über einen Diplomaten anstellt, der im 16. Jahrhundert zum Christentum konvertierte.

Der im Libanon geborene, frankokanadische Autor Wajdi Mouawad, der gegenwärtig in Paris das Théâtre national de la Colline leitet, hat ein hochspannendes, hochemotionales Familiendrama geschrieben, das zwischen den USA, Deutschland und Israel spielt, vom Schicksal deutscher Jüdinnen und Juden erzählt und die unlösbar scheinende Situation zwischen Israel und Palästina thematisiert. Er fragt darin: Was konstituiert die Identität des Menschen? Und was bedeutet ein Leben zwischen zwei Herkünften? Genau der richtige Stoff für Sandy Lopičić, der am Schauspielhaus bereits mehrfach bewiesen hat, dass er einen besonderen Zugang zu dem komplexen Thema Krieg und Zwist zwischen Völkern hat. Als Regisseur und Musiker inszeniert er Theaterabende, die auf die Emotionalität der Geschichte vertrauen.

Übersetzt von Eili Bijaoui, Linda Gaboriau, Uli Menke und Jalal Altawil
Historische Beratung: Natalie Zemon Davis

Regie     Sandy Lopičić
Bühne & Kostüme    Vibeke Andersen
Video    Bahadir Hamdemir
Licht    Viktor Fellegi
Dramaturgie    Karla Mäder
Theaterpädagogik    Viola Novak

Mit
    Gerhard Balluch
    Beatrice Frey
    Frieder Langenberger
    Katrija Lehmann
    Nico Link
    Mathias Lodd
    Anna Szandtner
    Hayder Wahab
    Susanne Konstanze Weber

Musiker
    Raphael Meinhart
    Miloš Milojević
    Sašenko Prolić

weitere bereits disponierte Vorstellungen am 4., 5., 12. und 29. Februar, sowie am 5. und 6. März, jeweils 19.30 Uhr, außerdem am 1. März um 15.00 Uhr, HAUS EINS

Tickets
T 0316 8000, F 0316 8008-1565, E tickets@ticketzentrum.at
I www.schauspielhaus-graz.com

 

 

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