Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Deutschsprachige Erstaufführung: "Pfeil der Zeit" nach dem Roman von Martin Amis - Schauspielhaus GrazDeutschsprachige Erstaufführung: "Pfeil der Zeit" nach dem Roman von Martin...Deutschsprachige...

Deutschsprachige Erstaufführung: "Pfeil der Zeit" nach dem Roman von Martin Amis - Schauspielhaus Graz

PREMIERE am 24. Mai, 20.00 Uhr, HAUS ZWEI

Das Leben wird vorwärts gelebt, aber rückwärts verstanden. Diesem Gedanken des dänischen Philosophen Søren Kierkegaard folgend, schickt der britische Autor Martin Amis den Pfeil der (Erzähl-)Zeit rückwärts in die Vergangenheit. Ausgehend vom Tod eines alten Mannes in den USA, verfolgt er dessen Leben über Portugal und Polen nach Deutschland zurück in das dunkelste Kapitel der jüngeren Geschichte: den Nationalsozialismus.

 

Copyright: Lupi Spuma

Mit einem erzählerischen Trick rollt er nicht nur eine abenteuerliche Lebensgeschichte auf, sondern schafft zugleich ein witziges Szenario, in dem Getränke in Tassen gespuckt werden und Gespräche mitunter sinnlos scheinen – weil Situationen verkehrt herum geschildert, Dialoge vom Ende hergeführt werden. Die Erzählstimme, die uns diese verdrehte Welt vor Augen führt, ist vielleicht die Seele des Mannes, der im Zentrum der Geschichte steht. Wie wir ist sie die teilnehmende Beobachterin einer Expedition, die mitten ins Herz des Grauens führt: bis einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

Nach dem Motto „Zurück in die Zukunft“ blickt dieser Roman durch die Vergangenheit auf die Gegenwart und etwas möglicherweise Kommendes. Die Erzählung entwickelt keine Zukunftsvisionen, sondern zeigt, wie Zukunft entsteht und woher sie kommt. Das System gesellschaftlicher Konstrukte des 20. Jahrhunderts – Macht und Fortschrittsgläubigkeit, Männlichkeit und Krieg – determiniert dabei das Geschehen. Martin Amis spielt mit dem Topos der Zeitreise und dekonstruiert die Wirklichkeit, um sich ihr gleichzeitig anzunähern. In seiner „Dystopie“, die sich an der Geschichte des Holocaust abarbeitet, werden nicht Menschen von Maschinen gesteuert, sondern der Mensch erschafft monströse Maschinerien und wird dabei selbst zur Maschine.

Ein Stoff, der wie geschaffen ist für die junge, ungarisch-schweizerische Regisseurin und Bühnenbildnerin Blanka Rádóczy, die mit bildstarken choreografischen Arbeiten, die oft um philosophische Fragestellungen kreisen, auf sich aufmerksam gemacht hat und nun erstmals in Graz arbeiten wird.

Regie und Bühne    Blanka Rádóczy
Kostüme    Andrea Simeon
Musikalische Leitung     Victor Moser
Dramaturgie     Jennifer Weiss

Mit     Nico Link
Raphael Muff
Tamara Semzov
Franz Solar

weitere Vorstellungen am 27. und 29. Mai sowie am 18., 19., 26. und 27. Juni, jeweils 20.00 Uhr, HAUS ZWEI

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 11 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

„GESCHÖPFE“ von Ben J. Riepe im Tanzhaus NRW in Düsseldorf

Auf der dunklen Bühne stehen Bäume und Sträucher in Kübeln, die als erstes von einem Performer verrückt werden. An der rechten Bühnenseite finden sich aufgehäuft Körperteile von Schaufensterpuppen,…

Von: Dagmar Kurtz

Ein stilles Solo

Ein Wesen in silbern schimmerndem, folienartigem Gewand, der ganze Körper von Kopf bis Fuß verhüllt, bewegt sich aus dem Dunkel auf die Bühne. Es herrscht Stille und das Wesen erkundet langsam, fast…

Von: Dagmar Kurtz

"A First Date, Episode 1" in der Deutschen Oper am Rhein

Ein bisschen aufregend ist es schon: das erste Date. Vorfreude und Unsicherheit mischen sich mit unspezifischen Erwartungen. Wird es gut ablaufen? Folgen Erleichterung oder Enttäuschung?  

Von: Dagmar Kurtz

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑