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Ende einer Spaßgesellschaft

"Pique Dame" von Peter Iljitsch Tschaikowsky in der Deutschen Oper am Rhein

Eine reiche, leicht exzentrische Gesellschaft trifft sich in Hollywood zur Poolparty auf einem luxuriösem Anwesen. Sie hat sich in Schale geworfen, trägt nette 50er Jahre Sommerkleidung. Nur Hermann fällt völlig aus dem Rahmen; in seinem senfgelben Cordanzug mit Rolli ist er weder für die sommerliche Temperatur noch für den Anlass passend gekleidet. Auch in seinem Verhalten scheint er den gesellschaftlichen Gepflogenheiten nicht gewachsen.

 

Copyright: Hans Jörg Michel

Zudem hat er sich in eine Unbekannte verliebt, die sich bald als Lisa, Enkelin der gräflichen Gastgeberin, entpuppt und deren Verlobung mit einem reichen Adligen verkündet wird. Lisa in bravem Kleidchen ist schüchtern, unsicher, verklemmt und kann ähnlich wie Hermann mit der illustren Gesellschaft wenig anfangen. Beide sind eher Außenseiter und so ist es fast zwangsläufig, dass sie sich ineinander verlieben. Allerdings kann Hermann ihr nicht viel bieten und verfällt deshalb auf die Idee, der Gräfin ihr legendäres Kartengeheimnis abzuverlangen, um durch einen Gewinn im Glückspiel zu Reichtum zu gelangen. Spielsucht folgt auf Liebesobsession und endet im Wahnsinn.

Lydia Steier hat also in ihrer Inszenierung für die Deutsche Oper am Rhein den Handlungsort der Oper "Pique Dame" von Peter Iljitsch Tschaikowsky von St. Petersburg nach Hollywood verlegt, was im Großen und Ganzen auch trägt. Die kleinen Kadetten aus dem Kinderchor treten daher auch als Indianer und Cowboys verkleidet auf. Die ursprünglich angedachte Handlungszeit des späten Rokoko wird in einem venezianischen Kostümfest zitiert. Bei der Ausstattung wird groß aufgefahren (Bühnenbild von Bärbl Hohmann und Kostüme von Ursula Kudrna), so dass der Zuschauer in opulenten Bildern schwelgen kann. Es ist aber nicht nur ein untrügliches Gespür für visuelle Effekte, mit dem Steier aufwarten kann, sondern auch ein feiner Sinn für Gesten und Mimik, welche die Handlungen tragen und plausibel erscheinen lassen. So wirken die Charaktere - allen voran Sergey Polyakov als Hermann, Elisabet Strid als Lisa, Hanna Schwarz als Gräfin -  nicht nur stimmlich, sondern auch darstellerisch überzeugend. Was das Publikum mit langanhaltendem Beifall belohnte. Absolut sehenswert!

"Pique Dame" von Peter Iljitsch Tschaikowsky
Oper in drei Akten
Text von Modest Iljitsch Tschaikowsky nach der gleichnamigen Novelle von Alexander Puschkin

Musikalische Leitung: Aziz Shokhakimov
Inszenierung: Lydia Steier
Bühne: Bärbl Hohmann
Kostüme: Ursula Kudrna
Licht: Stefan Bolliger
Chorleitung: Gerhard Michalski
Leitung Kinderchor: Justine Wanat
Dramaturgie: Mark Schachtsiek

Hermann: Sergey Polyakov
Graf Tomski / Plutus: Alexander Krasnov
Fürst Jeletzki: Dmitry Lavrov
Die Gräfin: Hanna Schwarz
Lisa: Elisabet Strid
Polina / Daphnis: Maria Boiko
Mascha / Chloe: Daria Muromskaia
Tschekalinski: Johannes Preißinger
Surin: Beniamin Pop
Tschaplitzki: Andrés Sulbarán
Narumow: Andrei Nicoara
Zeremonienmeister: Luis Fernando Piedra
Kinderchor: Akademie für Chor und Musiktheater
Chor der Deutschen Oper am Rhein
Düsseldorfer Symphoniker

Premiere Sa 25.05.2019 im Opernhaus Düsseldorf

 

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