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Opernhaus Zürich: "Dialogues des Carmélites" von Francis Poulenc

Premiere 13. Februar 2022, 19.00

Das Salve Regina singend, schritten am 17. Juli 1794 sechzehn Karmeliterinnen auf der Pariser Place de Grève ihrer Hinrichtung durch die Guillotine entgegen. Vorausgegangen war ein Schauprozess des jakobinischen Revolutionsgerichts, das die Nonnen wegen ihrer Treue zur Kirche zum Tod verurteilt hatte. Mit jeder Hingerichteten wurde der Chor leiser, bis auch die letzte der sechzehn ermordet war.

 

Copyright: Opernhaus Zürich

Diese historische Begebenheit fand ihre literarische Verarbeitung in Gertrud von le Forts Novelle Die Letzte am Schafott (1931), die Georges Bernanos zu einem Drehbuch umarbeitete – der Vorlage zu Francis Poulencs 1957 an der Mailänder Scala uraufgeführter Oper. Im Zentrum steht die junge Blanche de la Force, die seit ihrer Kindheit unter Angstattacken leidet und Zuflucht im Kloster der Karmeliterinnen findet. In der Weltabgeschiedenheit des Ordens herrscht ein harter, von Selbstüberwindung geprägter Alltag vor. Als die Revolution in die Stille des Klosters einbricht und sich die Klosterfrauen für das Martyrium entscheiden, überwindet zuletzt auch Blanche ihre Todesangst und schliesst sich den Ordensschwestern an.

Poulencs Musik ist theatralisch effektvoll, soghaft und voll von lyrisch-intimen Momenten. Ganz in der Tradition Claude Debussys legt Poulenc den Akzent auf das Gespräch der Schwestern, dessen Hauptgegenstand das Martyrium ist. Dabei werden Tod und Leid jedoch nicht verklärt, sondern problematisiert. Das zeigt sich nicht zuletzt an der kranken Priorin, deren Todeskampf Poulenc in aller Schonungslosigkeit darstellt.

Die Oper hält faszinierende Frauenrollen bereit. Die alte Priorin wird von Evelyn Herlitzius verkörpert, die hier zuletzt als Janáčeks Emilia Marty für Furore sorgte. Eine ebenfalls in Zürich wohlvertraute Stimme ist Olga Kulchynska, die als Blanche debütiert. Tito Ceccherini, der seine Kompetenz im Umgang mit modernen Partituren an unserem Haus mit Ligetis Le Grand Macabre unter Beweis stellte, übernimmt die musikalische Leitung. Die Regisseurin Jetske Mijnssen wiederum feierte zuletzt mit Rameaus Barockoper Hippolyte et Aricie einen grossen Erfolg.

Oper in drei Akten (zwölf Bildern)
Libretto vom Komponisten nach dem Drama von Georges Bernanos

Musikalische Leitung Tito Cecc
herini
Inszenierung Jetske Mijnssen Bühnenbild Ben Baur
Kostüme Gideon Davey
Lichtgestaltung Franck Evin
Choreografische Mitarbeit Lillian Stillwell
Choreinstudierung Janko Kastelic
Dramaturgie Kathrin Brunner

Le Marquis de La Force
Nicolas Cavallier
Blanche, seine Tochter
Olga Kulchynska
Le Chevalier, sein Sohn
Thomas Erlank
Madame de Croissy
Evelyn Herlitzius
Madame Lidoine
Inga Kalna
Mère Marie de l'Incarnation
Alice Coote
Sœur Constance de St.-Denis
Sandra Hamaoui
Mère Jeanne de l'Enfant Jésus
Liliana Nikiteanu
L'Aumônier du Carmel
François Piolino
Sœur Mathilde
Freya Apffelstaedt
1er Commissaire
Saveliy Andreev
2e Commissaire
Alexander Fritze
Le Geôlier
Valeriy Murga
Officier
Benjamin Molonfalean
Thierry
Yannick Debus
Philharmonia Zürich
Chor der Oper Zürich

In französischer Sprache mit deutscher und englischer Übertitelung. Werkeinführung jeweils 45 Min. vor Vorstellungsbeginn.

 

 

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