Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Österreichische Erstaufführung: "Am Boden" von George Brant im Schauspielhaus GrazÖsterreichische Erstaufführung: "Am Boden" von George Brant im Schauspielhaus...Österreichische...

Österreichische Erstaufführung: "Am Boden" von George Brant im Schauspielhaus Graz

PREMIERE am 23. November 2017, 20.30 Uhr, HAUS DREI

Amerikanische Kriegspilotin in Krisengebieten zu sein, bedeutet im Alter von 30 bis 35 zu sein, scharfe Fernsicht zu haben, wenig Körperfett, kein Asthma und viele weitere Anforderungen zu erfüllen. Es heißt vor allem aber knallhart und kompromisslos zu sein, es heißt Krieg führen, Risiken eingehen und Opfer bringen.

 

Der eindringliche Monolog „Am Boden“ schildert das Innere einer Kriegspilotin, die den Nahkampf in der Luft sucht, die süchtig ist nach dem Adrenalin des Höhenrausches, und die letztendlich auf dem harten Boden der Realität landet. Die Protagonistin, die sich stolz als „Pilot“ bezeichnet, wehrt sich gegen das weibliche Stereotyp von Zartheit und Harmoniebedürfnis, denn sie lebt leidenschaftlich für den Ausnahmezustand. Doch ein Abend mit ihrem Kollegen Eric reicht aus, und das geliebte Himmelsblau verwandelt sich plötzlich in das Rosarot auf einem Schwangerschaftsstreifen.

Von heute auf morgen ist die stolze Kriegerin Ehefrau und Mutter einer Tochter und plötzlich müssen Opfer zugunsten der Familie gebracht werden. Es heißt also sesshaft werden. Den Kampfjet verlassen zu müssen und an den Schreibtisch verbannt zu werden, ist der berufliche Albtraum eines jeden F-16-Kampfpiloten, aber es kommt noch schlimmer: Ihr Kommandant macht sie zur Drohnenfliegerin für das Einsatzgebiet Afghanistan. Das heißt, fortan sitzt sie vor einem Bildschirm, muss mit einem Joystick potenzielle Terroristen aus der Ferne verfolgen und wenn nötig auf Ansage per Knopfdruck in die Luft jagen. Diese Art der Kriegsführung ist kein fairer Kampf mehr und langsam beginnt sich im Kopf der Pilotin und Mutter alles zu drehen. Vor dem Bildschirm wirkt die Welt verzerrter als aus dem Pilotensessel, sie beginnt zu zweifeln.

Der poetische Monolog erzählt von den inneren Widersprüchen einer Frau, die zwischen militärischem Ehrgeiz und familiärer Fürsorge steht und von indoktrinierten Werten der Verteidigung der Person, der Nation und der Familie. Vor allem aber thematisiert er politische Grenzüberschreitungen durch virtuelle Überwachung und die Schaffung einer automatisierten Befehls- und Tötungsmaschinerie, die gottgleich Leben vernichtet und damit unsere Psyche und Wahrnehmung verändert.

Zum Autor
George Brant, geboren in Illinois, hat seinen Master of Fine Arts in Literarischem Schreiben an der University of Texas in Austin gemacht und ist Mitglied der Dramtists Guild. „Am Boden“ („Grounded“) erlangte nach der Uraufführung in San Francisco 2012 rasch nationalen und internationalen Erfolg und wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, unter anderem The Smith Prize und dem Scotsman Fringe First Award.

Zum Regisseur
Franz-Xaver Mayr, geboren 1986 in Hallein, studierte Regie an der Zürcher Hochschule der Künste. Für seine Diplominszenierung „Antigone“ wurde er 2016 zum renommierten Körber Studio für junge Regie nach Hamburg eingeladen. 2016 gewann er gemeinsam mit Korbinian Schmidt den Nachwuchswettbewerb des Theaters Drachengasse für ihre Produktion „Die großen Kinder unsrer Zeit“. 2017 inszenierte er am Schauspielhaus Wien „Diese Mauer fasst sich selbst zusammen und der Stern hat gesprochen, der Stern hat auch was gesagt“ von Miroslava Svolikova.
Für die Regie von „Diese Mauer fasst sich selbst zusammen …“ ist Franz-Xaver Mayr für den Nestroy-Theaterpreis 2017 in der Kategorie „Bester Nachwuchs männlich“ nominiert.

Deutsch von Henning Bochert

Regie     Franz-Xaver Mayr
Bühne und Kostüme    Korbinian Schmidt
Musik    Levent Pinarci
Dramaturgie    Karla Mäder

Mit     Evamaria Salcher

weitere Vorstellungen am 28. November, 1., 15. und 21. Dezember, jeweils 20.30 Uhr, HAUS DREI

Tickets
T 0316 8000, F 0316 8008-1565, E tickets@ticketzentrum.at
I www.schauspielhaus-graz.com

Bild: Evamaria Salcher, (c) Lupi Spuma

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 18 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Ich will was bewegen! Das Stadttheater Fürth zeigt mit dem Dreifach-Monolog „Niemand wartet auf dich“ von Lot Vekemans, dass Theater relevant und nahbar ist.

Einer Schauspielerin mal in die Seele und über den Schminktisch schauen – wäre das nicht schön? Auch das ist ja eine Möglichkeit, die im Fachsprech „vierte Wand“ genannte Distanz zwischen Bühnenrampe…

Von: Stephan Knies

Gescheiterte Utopie - "La Clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart in der Deutschen Oper am Rhein

Lässt sich ein Staat nur mit Milde und Gnade regieren? Das klingt reichlich utopisch, und in der Inszenierung von "La Clemenza di Tito" in der Deutschen Oper am Rhein stellt Michael Schulz das auch in…

Von: Dagmar Kurtz

Gefühl in Tönen - Familienkonzert „Beethovens Donnerwetter“ im Konzerthaus Heidenheim

Nach einer Tour durch elf Schulen im Landkreis Heidenheim fand das Projekt „Beethovens Donnerwetter“ mit dem Familienkonzert im dortigen Konzerthaus seinen krönenden Abschluss. Die Produktion der…

Von: Silke von Fürich

Im Weihnachtswunderland - "Der Nussknacker" von Demis Volpi und weiteren Choreograph*innen in der deutschen Oper am Rhein

Heiliger Abend in einer großbürgerlichen Familie: Kinder spielen in einem Zimmer Gummitwist. Hinter der Tür zum Wohnzimmer tut sich was. Durch die Milchglasscheibe sieht man, wie ein Weihnachtsbaum…

Von: Dagmar Kurtz

Ausbruch mit Jacke - Gelungener Saisonstart im Theater Pfütze in Nürnberg mit Christina Gegenbauers Dramatisierung „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“

Wenn es während der Vorstellung unwichtig wird, für welche Zielgruppe eine Theaterproduktion gemacht wurde, ist das immer ein gutes Zeichen. Mit „Ich bin Vincent und ich habe keine Angst“ nach dem…

Von: Stephan Knies

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑