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Theater Heilbronn: "Faust", Der Tragödie erster Teil von Johann Wolfgang von Goethe

Premiere am 23. November 2019, 19.30 Uhr, Großes Haus

Die Arbeit am Faust-Stoff geriet für Johann Wolfgang von Goethe zur unendlichen Geschichte. Annähernd 60 Jahre liegen zwischen seinem »Urfaust« (1773-75) und dem Abschluss des »Faust II« kurz vor seinem Tod 1832. In den unterschiedlichen Arbeitsetappen und Fassungen spiegelt sich nicht nur der Wandel der Zeit, sondern auch der Zuwachs an Erkenntnissen und Ernüchterungen, die Goethe selbst erfuhr.

 

 

 

Er beschrieb die Unmöglichkeit, diesen komplexen Stoff, der vom Himmel durch die Welt zur Hölle führe, auf eine einzige Idee herunterzubrechen. Sein »Faust« erfuhr in seiner über 200-jährigen Rezeptionsgeschichte die unterschiedlichsten Deutungen.

Das Theater Heilbronn hat den Regisseur Malte Kreutzfeldt mit einer Neuinterpretation des Faust-Themas beauftragt. Nicht von ungefähr, denn der Regisseur hat in der vergangenen Spielzeit Hermann Hesses »Steppenwolf« als Überschreibung von Goethes »Faust« auf die Bühne gebracht. Kreutzfeldts »Faust«, der am 23. November 2019 im Großen Haus Premiere hat, wird in seiner Ästhetik und thematischen Schwerpunktsetzung eine Weiterführung seiner »Steppenwolf«-Inszenierung sein. Stefan Eichberg spielt den Faust, Oliver Firit sein teuflisches Alter Ego Mephisto.

Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange
Ähnlich wie Hesses Harry Haller ist Faust am Beginn des Stückes ein frustrierter Intellektueller, der kurz davor steht, seinem Leben ein Ende zu setzen. Ob Philosophie, Medizin, Juristerei oder Theologie – alles hat er studiert und muss doch erkennen: »Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.« Das Gefühl, nichts wissen zu können, treibt ihn in die Verzweiflung. Er verlässt den Weg der Wissenschaft und widmet sich der Magie. Aber der von ihm heraufbeschworene Erdgeist, den er um Hilfe bittet, lacht ihn nur aus.

Doch schon ist Mephisto unterwegs zu ihm. Denn der Herr und Mephistopheles haben eine Wette zu laufen und Faust zum Präzedenzfall erkoren, um zu erfahren, ob die Menschen ihre Vernunft wohl zu gebrauchen wissen oder ob sie diese nur benutzen, um noch »tierischer als jedes Tier zu sein«, wie Mephisto behauptet. Der Herr indes will beweisen: »Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange/ Ist sich des rechten Weges wohl bewusst.« Mephisto, der »Geist, der stets verneint«, wendet alle List auf, um Faust vom rechten Wege abzubringen. Er bietet Faust einen Pakt an, will ihm zeigen, was nie ein Mensch zuvor erlebt hat. Faust willigt ein und verspricht seine Seele dem Teufel, sollte einst der Tag kommen, an dem er sich beruhigt aufs Faulbett legt und zum Augenblicke sagt: »Verweile doch, du bist so schön«.

Zunächst möchte Faust von Wissenschaft aber nichts mehr wissen, stattdessen Verpasstes nachholen und in den »Tiefen der Sinnlichkeit seine Leidenschaften stillen«. Mit Hilfe einer Hexe verjüngt, ist die Frage »Was die Welt im Innersten zusammenhält« ganz uninteressant geworden. All seine Begierde richtet sich auf die Eroberung des blutjungen, bildschönen Gretchens, das Mephisto ihm mit List zuführen muss. Denn über ein so unschuldiges Wesen hat selbst der Teufel keine Gewalt.

Pakt mit seinem bösen Ich
Malte Kreutzfeld empfindet es als großes Geschenk, die beiden verwandten Stoffe, Hesses »Steppenwolf« und Goethes »Faust« hintereinander auf die Bühne eines Hauses bringen zu dürfen. In den »Steppenwolf«-Protagonisten Harry Haller und Hermine erkennt Kreutzfeldt die zwei Seiten einer Persönlichkeit, die ihre Vorbilder in den Figuren Faust und Mephisto finden – als Dualismus der bejahenden und verneinenden Seelenkräfte des Menschen. Er möchte Faust als Figur zeichnen, die auf ihrer Reise durch die kleine und die große Welt den Kampf und die Einheit dieser Gegensätze in sich selbst erlebt, erkennt und akzeptiert. »Faust geht quasi einen Pakt mit seinem bösen Ich ein. Die vielen Seiten einer Persönlichkeit kennt jeder an sich«, sagt Kreutzfeldt. »Mal ist die eine stärker, mal die andere. Im Idealfall sind sie in einem produktiven Konflikt miteinander.«

Auch in ihrer gesellschaftlichen Dimension sieht der Regisseur Parallelen in beiden Texten. Die Auseinandersetzung mit den Schattenseiten des industriellen Fortschritts, die Fragen nach Schuld und Verantwortung des Einzelnen, nach Liebe, Willensfreiheit und nach den Grenzen der Wissenschaft verbinden diese beiden Meilensteine der deutschen Literatur und finden sich in den aktuellen politischen Debatten wieder.

    Regie, Bühne, Musik Malte Kreutzfeldt    
    Bühne Nina Sievers    
    Kostüme Christine Hielscher    
    Dramaturgie Dr. Mirjam Meuser    
    Theaterpädagogik Christine Appelbaum   

MIT
    Stefan Eichberg(Faust)
    Oliver Firit(Mephistopheles)
    Romy Klötzel(Margarete)
    Johanna Sembritzki(Marthe)
    Frank Lienert-Mondanelli(Theaterdirektor / Gott / Altmaier)
    Sabine Unger(Hexe / Autor / Erzengel)
    Sven-Marcel Voss(Brandner / Hexe)
    Marek Egert(Valentin / Frosch)
    Ensemble / Statisterie(Wagner / Hexen / Meerkatzen / Geister / Volk )

Sa 23.11.2019 19:30 Uhr
Di 26.11.2019 19:30 Uhr
So 08.12.2019 19:30 Uhr
Mi 11.12.2019 19:30 Uhr
Fr 13.12.2019 19:30 Uhr
Fr 20.12.2019 19:30 Uhr
Sa 28.12.2019 19:30 Uhr
Fr 03.01.2020 19:30 Uhr
Mi 22.01.2020 19:30 Uhr
Do 23.01.2020 19:30 Uhr
Do 06.02.2020 18:00 Uhr
Sa 08.02.2020 19:30 Uhr
Fr 14.02.2020 19:30 Uhr
So 23.02.2020 19:30 Uhr
Sa 29.02.2020 19:30 Uhr
So 01.03.2020 15:00 Uhr
Do 19.03.2020 19:30 Uhr
Di 31.03.2020 19:30 Uhr
Mi 15.04.2020 19:30 Uhr

 

 

 

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