Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
Theater Ulm: Ferenc Molnárs rasante Komödie »Eins, zwei, drei«Theater Ulm: Ferenc Molnárs rasante Komödie »Eins, zwei, drei«Theater Ulm: Ferenc...

Theater Ulm: Ferenc Molnárs rasante Komödie »Eins, zwei, drei«

Premiere am 16. Januar 2020 um 20 Uhr im Großen Haus

In dieser rasanten Komödie arbeitet der geschäftige Bankpräsident Norrison an einer zunächst unmöglich erscheinenden Unternehmung: Innerhalb einer Stunde soll aus dem bettelarmen Taxi-Chauffeur Anton ein wohlhabender und repräsentativer Ehemann für Lydia, die seit einem halben Jahr bei Norrison lebende Tochter eines befreundeten Geschäftsmannes, werden.

 

In diesem Fall trifft der Satz »Zeit ist Geld« so sehr zu, wie sonst nur selten, und Norrison muss alle Register seiner gut geölten Personalmaschinerie ziehen, sämtliche Hebel und Rädchen in Bewegung setzen, damit aus dem überzeugten Kommunisten ein überzeugender Kapitalist wird.

Die schwungvolle und temporeiche Komödie lebt von massenhaft vorhandener Situationskomik, schnellen Auf- und Abtritten und extremen Gegensätzen – wie man es bei einem solchen Stoff erwartet. Die Thematik einer maskulin dominierten Welt, in der eine Figur sich als etwas anderes ausgeben muss, als sie eigentlich darstellt, findet sich beispielsweise auch in Werken wie »My fair Lady« oder »La Cage aux Folles« wieder: Dort wie hier muss sich ein vermeintlich freies und einzigartiges Individuum einer konservativen Masse beugen, um dieser zu gefallen und in ihr aufgenommen zu werden.

Regisseur Sascha Nathan, als Schauspieler Mitglied im Berliner Ensemble, sucht in Molnárs Komödie nicht nur Kalauer und Pointen, sondern auch nach einer Antwort auf die Frage, warum es eigentlich immer ein ganz bestimmter Schlag heterosexueller Männer ist, der solche gesellschaftlichen Maskeraden provoziert. Und, ob ein bisschen dieses Männerschlages am Ende nicht doch in uns allen steckt.

Beim Titel »Eins, zwei, drei« denkt man vermutlich zuerst an den Film von Billy Wilder mit James Cagney, Horst Buchholz und Liselotte Pulver aus dem Jahr 1961: Die Screwball-Komödie, deren Dreharbeiten vom Bau der Berliner Mauer unterbrochen wurden, und die auch deswegen mit dem Ost-West-Konflikt spielt, wurde von Wilder und seinem Co-Drehbuchautor I.A.L. Diamond verfasst, hat jedoch das gleichnamige Schauspiel in einem Akt von Ferenc Molnár aus dem Jahr 1929 zum Ursprung.

Das Ensemble rund um Gunther Nickles, der den kommandeurhaften Präsidenten gibt, setzt sich im engeren Kreis aus Rudi Grieser als Anton, Nicola Schubert als Lydia und Frank Röder als Sekretär zusammen. Benedikt Paulun, Stephan Clemens, Christel Mayr und Tini Prüfert nehmen allesamt verschiedene Rollen ein, die dabei helfen, Norrisons Verwandlungskarussell schneller und schneller kreiseln zu lassen. In der von Geld und Geschäften raunenden, aber auch farbenfrohe Komik herausbrüllenden Ausstattung von Richard Fulton agieren die Figuren auf einer von vier Türen bestimmten Fläche mit so manchen Überraschungen, vor denen weder sie, noch das Publikum sicher bleiben werden.

Inszenierung Sascha Nathan
Ausstattung Richard Fulton
Dramaturgie Stefan Herfurth
Regieassistenz & Abendspielleitung Joshua Taylor

Mit
Gunther Nickles (Norrison) Frank Röder (Sekretär) Nicola Schubert (Lydia) Rudi Grieser (Anton) Stephan Clemens (Dr. Pinsky / Dr. Wolff / Schneider) Benedikt Paulun (Hr. Ciring / Arzt / Generaldirektor Felix) Christel Mayr (Frl. Brasch / Frl. Posner / Graf Dubois-Schottenburg) Tini Prüfert (Frl. Kuno / Frl. Posner)
Zusätzliche Rollen Statisterie des Theaters Ulm

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 15 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

Liebesbande

Hinter tropischen Blumen befindet sich ein luxuriöses Anwesen mit Stahlträgern in offener Bauweise im Stil von Mies van der Rohes Barcelona Pavillon. Die Einrichtung ist im angesagten Midcentury…

Von: Dagmar Kurtz

Ein Hauch von Sehnsucht

Raimund Hoghes letztes Stück „Lettere amoroso“ handelte von Flucht und den sehnsuchtsvollen Briefen, die die Geflohenen schrieben. So weckt das Wort „Vietnam“ im Titel des neuen Stückes "Postcards…

Von: Dagmar Kurtz

Liebe in Zeiten des Krieges

In Großbritannien findet ein Bürgerkrieg statt: die Puritaner unter Oliver Cromwell kämpfen gegen die katholischen Royalisten. Das private Glück ist in Gefahr.  

Von: Dagmar Kurtz

Der Überfall

Gerade ist man noch fröhlich herumgehopst, da, eine heftige Attacke, und schon streckt es einen nieder. Ein Virus oder ein Bakterium hat seinen Weg in den Körper gefunden. Nun werden alle Kräfte…

Wir müssen‘s wohl leiden

Wie die ursprünglichen revolutionären Ansprüche nach Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die die Abschaffung der Sklaverei, die Gleichberechtigung der Frauen, die Entmachtung des Adels beinhaltet,…

Von: Dagmar Kurtz

Alle Kritiken anzeigen

Folgen Sie uns auf:

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑