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"Bernarda Albas Haus" von Federico García Lorca im Schauspiel Stuttgart"Bernarda Albas Haus" von Federico García Lorca im Schauspiel Stuttgart"Bernarda Albas Haus"...

"Bernarda Albas Haus" von Federico García Lorca im Schauspiel Stuttgart

Premiere Sa – 16. März 2019, 19:30, Schauspielhaus

In seinem letzten Theaterstück, beschreibt der spanische Dichter und Dramatiker Federico García Lorca eine Welt, in der sich Autorität und Freiheit, Zivilisation und Natur, Moral und sexuelles Begehren unversöhnlich gegenüberstehen. Eine Welt voller Repressionen, in der das Leben verkümmert, weil Anpassung in Selbstaufgabe und Ausbruchsversuche in Selbstzerstörung enden.

 

Nach dem Tod ihres Mannes verschließt Bernarda Alba ihr Haus und verordnet ihren fünf Töchtern eine achtjährige Trauerzeit. Während das Leben draußen vorbeizieht, arbeiten die jungen Frauen an ihrer Aussteuer und verzehren sich nach den abwesenden Männern. Als sich Adela in den Verlobten ihrer ältesten Schwester verliebt und aus dem häuslichen Gefängnis ausbricht, kommt es zur Katastrophe. Durch blindes Festhalten an Traditionen errichtet Bernarda eine Festung, in der sich Lebensfreude in Missgunst und Verlangen in Verlogenheit kehrt. Das Leben ihrer Töchter zerbricht, weil die äußere Fassade wichtiger ist als ein selbstbestimmtes Leben.

Federico García Lorca (1898–1936) schuf ein außergewöhnliches Werk voll von Lust, Hass und Tod. „Der Poet“, wie sich Lorca gerne selber nannte, verteidigt die individuelle Freiheit gegenüber starren, überkommenden Autoritäten und konfrontiert uns mit dem Terror der Unterdrückung, mit dem Schmerz der Angst, dem archaischen Bildungsmangel, mit der irrationalen und rationalen Gewalt, die das Leben vieler Menschen zerstört hat und immer noch zerstört.

Für den Regisseur Calixto Bieito ist Bernarda Albas Haus eine brutale und atavistische Dichtung über das Schweigen. Im Mittelpunkt dabei steht die Figur der Bernarda Alba, die ihren fünf Töchtern eine mehrjährige Trauerzeit verordnet. Bieito erzählt dieses Drama des Schweigens nicht nur als Familiengeschichte, sondern auch als ein Stück über Spanien, das nach dem Bürgerkrieg einen Pakt des kollektiven Schweigens geschlossen hat, um zur Demokratie zu gelangen.

Die Rolle der matriarchalen Despotin Bernarda Alba wird gespielt von der Theaterlegende und Nestroy-Preisträgerin Nicole Heesters.

aus dem Spanischen übersetzt von Hans Magnus Enzensberger

Inszenierung
   Calixto Bieito
Bühne
   Alfon Flores
Kostüme
   Mercè Paloma
Mitarbeit Kostüme
   Uta Baatz
Licht
   Nicole Berry
Dramaturgie
   Ingoh Brux

Nicole Heesters*
   Bernarda
Elke Twiesselmann
   Maria Josefa
Josephine Köhler
   Angustias
Anne-Marie Lux
   Magdalena
Jelena Kunz
   Amelia
Paula Skorupa
   Martirio
Nina Siewert
   Adela
Anke Schubert
   La Poncia
Kaatie Akstinat*
   Artistin
*Gäste

So – 24. Mär 19, 19:30
So – 07. Apr 19, 19:30
Fr – 12. Apr 19, 19:30
Fr – 19. Apr 19, 19:30

Das Bild zeigt Federico García Lorca

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